Ankern oder Driften – wo macht man was?

Wie Ihr wisst, müssen Kreuzfahrtschiffe gerade in kleinen Häfen oft ankern und Passagiere an Land tendern. Doch das geht nicht überall…

Zum Ankern darf man nämlich eine maximale Wassertiefe nicht überschreiten. Schließlich ist eine durchschnittliche Ankerkette „nur“ rund 300 Meter lang (wobei man die Kette in Schäkel à 27,5 Metern unterteilt). Und zum Ankern wirft man ja nicht nur den Anker, sondern auch jede Menge Kette aus, um das Schiff in Position zu halten. Lange Rede: Wenn das Wasser zu tief ist, muss man driften. Beim Driften werden Passagiere ausgeschifft, obwohl das Schiff streng genommen noch fährt. DER klassische Platz zum Driften ist die Caldera von Santorin.
Santorini - Seekarte

Der Krater von Santorin bietet nur an einer Stelle geeignete Bedingungen zum Ankern

Doch warum ist das so? Hier gibt es nur einen Liegeplatz, der zum Ankern geeignet ist. Auf allen anderen Reedeplätzen ist das Wasser zu tief. Die Schiffe nehmen dann die vorgesehene Position ein und driften. Bei den modernen Schiffen geht das relativ leicht, denn dort wird das alles ganz automatisch gemacht. Durch die eingegebene GPS Position hält die Antriebsanlage das Schiff dann automatisch auf Position. Eine Wache gibt es aber natürlich trotzdem noch.

Tendern vor Santorin ist aus allen Perspektiven spektakulär…

Santorin

Und die „Skyline“ der Insel sowieso…

Etwas anspruchsvoller ist das bei älteren Schiffen. Dort muss man die Position nämlich mit der „Hand“ halten. Das bedeutet, dass man sich sogenannte Landmarken sucht und diese mit dem Kompass peilt. Wind und Strom müssen natürlich auch mit berücksichtigt werden. Durch die Antriebsanlage und die Bugstrahlruder kann man dann das Schiff auf der Position halten, natürlich unter ständiger Beobachtung.

Bei der Anker- oder Drift-Wache muss man mit Hilfe des Kompass aufpassen, dass das Schiff die Position hält. Hier peile ich Santorin an

Einfacher geht es da beispielsweise in der Südsee. Dort ist es überall so flach, kann man vor fast jeder Insel den Anker werfen und die Passagiere ganz entspannt ausschiffen kann.

Ankern in der Südsee ist meist ziemlich entspannt 😉

Vielleicht habt Ihr auch schon mal die Erfahrung gemacht, dass Ihr beim Ankern oder Driften an Deck sitzt und sich auf einmal das Panomara ändert und man dann merkt, wie per Motor wieder gegengesteuert wird? So ist auf der Brücke immer etwas zu tun, auch wenn das Schiff vermeintlich gar nicht unterwegs ist.
Mit diesen sonnigen Bildern wünsche ich Euch ein hoffentlich ebenso sonniges Wochenende.

Ein herzliches Ahoi,

Euer Christian

 

27 thoughts on “Ankern oder Driften – wo macht man was?”

  1. Moin Christian!
    Das war ein interessanter Einblick in die Nautik! Vielen Dank 😊
    Wünsche euch allen hier ein schönes Wochenende und sende liebe Grüße aus Lüneburg, wo ich dieses Wochenende bin!
    Tschüss Kerstin 🙋🏻

  2. Hallo Christian,
    danke für den tollen Bericht!
    Wir haben beim Ankern vor der Isle of Skye im letzten Jahr mit der Artania erlebt wie sich das Schiff
    durch Wind, Wellen und Strömung neu ausgerichtet hat. An Deck merkt man es nicht so intensiv.
    Aber wenn man mal zwischendurch kurz auf die Kabine geht und jedesmal eine andere Perspektive
    hat ist das schon toll. Beim Driften wird das sicher ähnlich sein.
    Man kann Driften beim Schiff sicher gut vergleichen mit einem Hubschrauber der auf der Stelle
    steht um irgendeine Arbeit durchzuführem. Auch hier wird durch ganz kleine Steuereingaben
    die Position gehalten. Das kann man oft sehr gut beobachten.

    Ich wünsche Euch ein Schönes Wochenende
    Bernd

  3. Christian, Dein Wunsch ist in Erfüllung gegangen : wunderschönen sonnigen guten morgen! Für Deine Nautikvorlesung vielen Dank. Und wieder ist man ein Stückchen schlauer geworden

  4. Superbericht,herzlichen Dank dafür.Schade ,dass du nicht mehr im tv bist,haben dich immer toll gefunden.
    Bist es aber immer noch ,liebe regnerische Grüße von der Elbe
    Deine Fans Wolfram & Elke aus Horneburg!

  5. Hallo Christian,
    ja, die Caldera von Santorin durften wir mittlerweile auch schon einige Male anfahren. Vom Schiff aus konnten wir die veränderte Position allerdings nie erleben, weil wir ja immer Ausflüge gemacht hatten. Zuletzt war das 2017 mit der Amadea der Fall (der Bericht wird hoffentlich irgendwann fertig) und davor mit der Albatros. Damals erklärte uns das Kapitän Mühlebach auch sehr anschaulich, wenngleich man sagen muss, dass Santorin immer spektakulär ist, schönes Wetter vorausgesetzt: http://www.reiseberichte-und-meer.de/santorin-2015.htm In unserem Fall fuhren die Tenderboote im Schutz der Albatros Richtung Bug und dann tauchten die weißen Häuser von Fira auf, ein gigantischer Anblick. Ein kurzes Filmchen dazu habe ich auch gemacht, ist für den einen oder anderen vielleicht ganz interessant.
    Viele Grüße aus Niederbayern und danke für deine wie immer interessanten Ausführungen.
    Helmut

  6. Hallo zusammen,
    passend zu dem Thema wurde heute im SWR die VnM-Folge gesendet wo die „Weisse Lady“
    im Amazonas erstmals einen „Naturanker“ benutzt hat. Da hatten doch glatt die Amazonasfische
    der Albatros das Wasser unter dem Kiel weggetrunken 😊 und die Lady hing auf einer Sandbank fest.
    Christian, erinnerst Du Dich noch?

    Schöne Grüße
    Bernd

      1. Hallo Marianne,
        ich bin der Bernd_vomTV! Ich bin leider nicht der Bernd von Phoenix aus dem TV.
        Da kann ich leider nicht helfen.

        Schöne Grüße
        Bernd

        1. Hallo Bernd, das fragten jetzt schon so viele😁vielleicht hast Du einen Zweitvornamen und gibst den in Klammer mit an.????

  7. Moin,
    das war doch einmal mehr ein toller & interessanter Einblick in die Nautik.Vielen Dank und auch die Sonnenreichen Bilder,die tun bei dem grau draussen sehr gut.
    Auch dein Bericht beim Schiffsjournal wo ich eben drueber gestolpert,war wirklich klasse.Kriegt man sofort Lust aufs Mittelmeer 😎
    Allen hier einen schoenen Sonntag.
    Alles Liebe Jessi

  8. Ich freue mich immer, wenn ich bei Dir in der „nautischen Schulstunde“ wieder etwas lernen kann – bitte gerne mehr davon! Wir haben dieses Driften auch in der Caldera vor Santorin erleben dürfen – ich finde, man merkt es kaum und wenn, dann vielleicht nur, weil man darüber vorher informiert wurde 😉 Santorin ist einfach ein Erlebnis.
    Viele Grüße
    Helga E.-D.

  9. PS:
    Ich bin wohl eine der wenigen „Verrückten“, die weder mit der Seilbahn (Höhenangst) noch auf dem Rücken eines der armen Esel (aus Respekt vor den Tieren) hoch ist, sondern brav zu Fuß die unglaublich vielen Treppenstufen benutzt hat und natürlich auch wieder hinunter und das bei ca. 30 Grad im Schatten.

    Helga E.-D.

    1. Hochachtung vor Dir Helga👍👍Da war wohl schwitzen und keuchen angesagt und Muskelkater in den Oberschenkeln und Waden war auch vorbestellt

      1. Hallo Ulla,
        da ich viel Sport mache und damals auch noch einige Jahre jünger war, hielt sich das „Bergsteigen“ in Grenzen, die Hitze war schlimmer, aber es war gleich eine gute Gelegenheit, einige Kalorientierchen wieder los zu werden 😉

        Liebe Grüße
        Helga E.-D.

  10. Hallo Christian,habe ebend einen Bericht von einem Segler übers Ankern gelesen. Der schreibt das bei starken Sturm gilt „Viel hilft viel“. Wie ist das bei einem Kreuzfahrtschiff? Dürft ihr bei starken Strurm ankern und tendern oder ist das für die Crew und Passagiere zu gefährlich?
    Würde mich über eine Antwort von Dir freuen.
    Viele Grüße
    Claudia aus Dramfeld

  11. Ich durfte auch schon 2 x Ankerwachen auf der Alex machen. 1 x in der Karibik und 1 x auf Rede im Knick der Weser vor Bremerhaven. Hab irgendwann auch kapiert wie das geht, ist aber nicht meine Lieblingsaufgabe. In Bremerhaven hat ein schlauer Mensch den beleuchteten Fernmeldeturm als 3. Punkt genommen, aber nicht bedacht, dass der um 0 Uhr das Licht ausmacht.
    In der Karibik tenderten wir 1 x auf eine Privatinsel zum Coktailtrinken. Unser Kapitän sagte wir sollten auf Signale achten falls das Schiff driftet und der Anker nicht hält.

    1. Hallo Mascha,
      die „Alex“ (II) sehen wir wohl nächste Woche in Bremerhaven, sie liegt ab 20.04. dort in der Werft und ab 27.04. sind Törns buchbar – hoffentlich steht sie uns für schöne Fotos zur Verfügung.
      Viele Grüße
      Helga E.-D.

      1. Hallo Helga,
        ganz sicher wird sie sich Euch von ihrer besten Seite zeigen nach der Auffrischung in der Werft.
        Ein Segelkamerad von mir aus Stuttgart ist grade mit an Bord, er segelt von Cadiz bis Bremerhaven und macht die Werft mit. Ich werde sie dann in der Webcam von Bremerhaven sehen. Grüßt die grüne Lady ganz lieb von mir. Wenn Open Ship sein sollte, geht an Bord und schaut sie Euch an. Bist Du aus Bremerhaven?

        1. Hallo Mascha,

          nein, ich wohne am Rhein. Aber wir gehen am 28.04. für 8 Tage auf die MS Albatros und reisen schon einen Tag vorher in Bremerhaven an und wollen uns die Gelegenheit mit der Alex – und falls möglich – das Open Ship natürlich nicht entgehen lassen. Sollte es gelingen, werde ich nach Rückkehr vielleicht ein paar schöne Bilder von ihr und von der übrigen Reise im „Gastblogger“ einsetzen können.
          Viele Grüße
          Helga E.-D.

          1. Sie läuft am 27.5 aus und macht einen Bremerhaven – Bremerhaven Törn bis zum 5.5 kommt dann zum Crewchange rein und fährt dann Bremerhaven – Cuxhaven von da dann zum Hamburger Hafengeburstag. Meinen Neid habt Ihr, allerdings nur was den Aufethalt in Bremerhaven angeht. Die Kreuzliner sind einfach noch nicht mein Ding, da sie keine Segel haben. Hab mich mit dem Satz mal sehr unbeliebt gemacht als mich der Kapitän der Carneval Liberty fragte wie ich denn sein neues Schiff finde. Falls Ihr ne urige Kneipe sucht, geht ins Alt Bremerhaven, gleich hinter der großen Kirche.

  12. Sorry Ulla die Seefahrt ist nur mein Hobby im Urlaub. Mein Arbeitsalltag besteht aus Drohnen, Luftballonen, Feuerwerken, Skybeamern, Wetterballonen, Fesselbalonen und Modellflug. Somit ist Christian the one and only nach wir vor konkurrenzlos 🙂

      1. macht ja nüscht kannst Du ja nicht wissen und irren ist menschlich oder war das männlich? 🙂
        Mein Großvater ist auf der alten Gorch Fock zur See gefahren. Von daher liegt es immerhin in der Familie.

        1. Hallo, ich glaube eher männlich , oh weh nun kriege ich Haue. Ja , wenn ich männlich wäre , würde ich auch zur See fahren , mein Vater war als Berufssoldat zwar bei der Luftwaffe, aber als Erstberuf Schiffbauer.Deswegen auch die Liebe zu Schiffen 😊

    1. Hallo Mascha Du darfst doch nicht die Kapitäne der Riesenschiffe beleidigen 😅 Ich würde auch voll in alle verfügbaren Fettnäpfe latschen😲 Die Alex sah ich auch schon zweimal auf der Kieler Woche, auch die Gorch fock und Kruisenstern (hoffentlich richtig geschrieben )

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