Costa Deliziosa – große Emotionen in Brindisi

In Brindisi gehen wir zwar nicht von Bord, aber was wir heute erleben, ist Stoff genug für einen ausgefüllten Urlaubstag…

Um zu verstehen, warum wir Brindisi von Bord aus genießen, muss man einen Blick auf die grundsätzliche Ausflugsorganisation von Costa werfen. Wir wussten ja von Anfang an, dass man nur mit einem Ausflug würde von Bord gehen können. Daher hatten wir die Ausflugsangebote vor der Buchung gesichtet und beschlossen, dass wir überall etwas Interessantes für uns finden würden. Für insgesamt 99,00 Euro pro Person (auch Kinder ab 3 Jahren) kann man ein so genanntes Passepartout Paket erwerben. Dort sind an jeder Destination ein oder mehrere Ausflüge zur Auswahl enthalten, also fünf Ausflüge insgesamt. Bucht man einen Ausflug außerhalb des Pakets, bekommt man darauf 25 Prozent Rabatt. Eigentlich ein gutes Angebot. In Bari und Calabrien gab es Strandausflüge und in Triest einen spannenden Klippenspaziergang. Doch dann wurden unterwegs leider die familienfreundlichen Strandausflüge in Bari und Calabrien mangels Nachfrage gestrichen. Ebenso der Klippenspaziergang in Triest. Für Brindisi blieben nach den Streichungen nur noch interessante Ausflüge mit italienischer Reiseleitung übrig, was vor allem unserem Sohn missfiel. Und nochmals konnten wir ihn nicht zum Besichtigen von Kathedralen, wenn auch auf Deutsch, überreden ;-). 

An Bord ist reichlich Platz, um sich in Ruhe zu entspannen

Vor diesem Hintergrund beschließen wir aus der Not eine Tugend zu machen und den Tag an Bord zu genießen. Wir schlafen aus, frühstücken gemütlich, walken ausgiebig um das wunderbare umlaufende Promenadendeck, veranstalten ein familieninternes Tischtennisturnier (eigene Schläger sollte man bei Costa immer dabei haben) und machen es uns ab Mittag auf dem Pooldeck bequem. Von den rund 700 Passagieren (darunter 86 deutschsprachige Gäste, die vor allem aus der Schweiz kommen) tun es uns vermutlich knapp 200 gleich. Aber die sind kaum zu sehen. So oder so kommt auf den Außendecks nie das Gefühl der „Fülle“ auf, und das, obwohl zwei relativ große Zonen für die Freiluft-Freizeit der Crew abgesperrt sind.

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Auf Deck 10 sind jeweils beide Seitendecks für die Crew gesperrt – recht so!

Apropos Crew: Ihnen gebührt dieser Tage unsere ganz besondere Hochartung. Unser philippinischer Kellner zum Beispiel ist seit Februar an Bord. Er war mit der Deliziosa auf Weltreise unterwegs als ihn der Lock-Down festsetzte. Später, als die Reederei Flugzeuge charterte, um die philippinische Crew am Lock-Down vorbei nach Hause zu bringen, wollte er nicht mehr. Er fürchte um seinen Job und dass er nicht wieder würde an Bord zurückkehren können. Seit dem 14. März (!) hat er freiwillig das Schiff nicht mehr verlassen. Weil, und das sei nachdrücklich für alle die betont, die Reisen und vor allem Kreufahrten dieser Tage verteufeln, er sich an Bord am sichersten fühle. Das sind sechs Monate ohne festen Boden unter den Füßen. Sechs Monate kein Landgang, kein Einkauf, nichts! Sein Vertrag läuft jetzt bis Dezember. Eigentlich dürfen Verträge nicht länger als 11 Monate dauern, und Costa musste die Crew von allen Schiffen in Europa zusammengeziehen, um die Deliziosa, Smeralda und Diadema aktuell überhaupt betreiben zu können.

Wo ist die Rettung für getrandete Crew?

Jedes Crewmitglied wird alle zwei Wochen auf Corona getestet. Allein das erfordert schon Respekt bei dieser schmerzhaften Prozedur. Unser Kellner berichtet, dass in den italienischen Häfen jeweils nur sechs Kollegen aus dem Hoteldepartment an Land dürfen. Die haben aber auch nicht wirklich Freude an Land, weil sie für sich und zahlreiche Kollegen Einkäufe des täglichen Bedarfs (Seife, Deo, Waschpulver etc.) erledigen und wie Packesel diverse Geschäfte abklappern. Was sind das alles für berührende Geschichten, die diese Pandemie schreibt…?

Neben uns liegen die Norwegian Spirit und die Costa Fortuna

Das Auslaufen bei bestem Wetter gestaltet sich ebenfalls überaus emotional. Wenn man die Karten bei Marine-Traffic aufmerksam studiert, mutet die Region rund um Apulien und Kalabrien an wie der Friedhof der Kreuzfahrt-Kuscheltiere. Zahlreiche aufliegende Kreuzfahrtschiffe harren hier besserer Zeiten. Sie liegen auf Reede oder fahren scheinbar ziellos im Kreis.

Die Norwegian Spirit liegt in Brindisi an der Pier. Im Laufe des Nachmittags gesellt sich auch die Costa Fortuna hinzu. Weiter draußen ankern die Zuiderdam und die Costa Magica. Auch unsere geliebte Celebrity Constellation taucht im Laufe dieser Reise regelmäßig am Horizont auf. Was für ein Jammer!

Auslaufen im Sonnenuntergang: Wir dürfen fahren, sie müssen bleiben

Beim Auslaufen fahren wir an der Costa Fortuna vorbei und unser grandioser Kapitän, Nicola Alba (zu ihm später mehr), grüßt die Kollegen mit drei kräftigen Salven aus dem Typhon. Die Fortuna grüßt in gleicher Form zurück. Zudem winken uns einige Crewmitglieder laut rufend zu, was wir gerne erwidern. Was muss das für unseren Kapitän für ein Gefühl sein? Er darf hier mit Passagieren fahren und andere harren aus und wissen nicht, was wird. Die Zeiten sind wirklich für viele Menschen gerade alles andere als lustig.  

Ciao Brindisi, was für ein Tag!

Abends haben wir ein weiteres eindrucksvolles Erlebnis: Von unserem Balkon aus beobachten wir, wie wir die Absatzspitze Italiens umrunden. Der Leuchtturm an dieser Stelle ist nicht zu übersehen und krönt unser Betthupferl auf dem Balkon. An diesem einmaligen Moment kann auch Corona zum Glück nicht rütteln. So geht ein sehr bewegender Tag zu Ende.

Morgen sollten wir eigentlich in Corigliano Calabria sein, aber es kommt anders. I’ll keep you posted!

Herzlich,

Eure Irmela

P.S.: Zur Erinnerung: Ausnahmsweise poste ich dieses Mal nicht live von Bord, sondern zeitversetzt. Wir sind bereits wohlbehalten wieder zuhause und wie Ihr seht, waren wir stets sehr sicher und gesund unterwegs.

6 thoughts on “Costa Deliziosa – große Emotionen in Brindisi”

  1. Hallo Irmela!
    Das sind schon bewegende Eindrücke, die du schilderst. Ich finde es gut, mal aus deiner Sicht die Situation kennen zu lernen. Man hat schon das Gefühl, so langsam wäre es ganz gut, wenn es den langersehnten Impfstoff, geben würde. Es würde ohnehin danach noch länger dauern, bis sich wieder eine „Normalität“ einstellen würde. Das euer Sohn noch keine Begeisterung für Kathedralen hegt, kann ich gut verstehen 😉 ! Naja, trotzdem hattet ihr ja einen ganz guten Kompromiss!!
    Ganz liebe Grüße, tschüss Kerstin

  2. Liebe Imelda
    Als passionierter Kreuzfahrer, der allerdings altershalber der „Risikogruppe“ angehört, verzichte ich vorläufig noch auf Kreuzfahrten. Ich verfolge aber täglich in Presse, Reedereimitteilungen, Social Media etc. die momentane Sachlage. Ganz speziell schätze ich Deine äusserst fundierten, unabhängigen, von unzähligen Erfahrungen erhärteten Berichte. Ich finde auch englisch- und spanischsprachlichen Medien kaum qualitativ und bezüglich Objektiv vergleichbare Kommentare aus der Feder von Passagieren.

    Ich hoffe, dass Du zeitnah einmal eine MSC-Erfahrungsgeschichte, am liebsten aus dem „Yacht Club“ veröffentlichen kannst. Nach meiner Erfahrung war diese Klasse unter den Reedereien mit populären Preisen immer das Angebot mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis.

    Und nun warte ich gespannt auf Deine morgigen News. Herzlichen Dank!
    Enzo

  3. Das sich der Kellner an Bord sicherer fühlt als auf den Philippinen kann ich verstehen. Dort herrscht bestimmt nicht so ein gutes Hygienekonzept und dessen konsequente Umsetzung.

    OK – ich war als Kind schon immer etwas komisch. Bin schon mit 10 Jahren in jede Kirche, jeden Tempel, des Schloss gerannt und hab mich dafür interessiert.
    Meine Eltern haben gestöhnt – nicht umgekehrt…. 🙂

  4. Moin Irmela,
    Ihr macht es genau Richtig, den Tag erst ein mal mit einem guten Kaffee zu beginnen und ganz in Ruhe das leckere Frühstück zu genießen. Wenn ich auf Deine anderen Berichte zurück schaue, waren Eure Tage sehr gut ausgefüllt und von vielen Ereignissen geprägt. Nun ja dieses Jahr ist halt alles anders !!! Aber wie ich finde nicht umbedient schlechter. Wann hattet ihr mal die Gelegenheit in aller Ruhe (und fast alleine auf dem Schiff ) zu tun und lassen was Ihr wolltet?
    Schade, dass Eure geplanten Ausflüge nicht statt gefunden haben. Dabei ist es doch gerade in dieser Zeit genau richtig, wenn die Gruppen klein gehalten werden.
    Freue mich schon, wie Eure Reise weiter geht.
    LG aus dem recht stürmischen Niedersachen
    Claudia

  5. Ihr Lieben,

    vielen Dank für Eure Beiträge und Ermunterungen. Das Schreiben macht NOCH mehr Spaß, wenn man weiß, dass Ihr Freude am Lesen habt.

    Hoffentlich werden wir bald alle wieder auf See sein und davon berichten können!

    Herzlich aus Hamburg,

    Irmela

  6. Wr Kreuzfahrt-Begeisterten wissen, wie erholsam und schnell ein Seetag bzw. ein Tag ohne gewollte Landgänge sein kann. Ich habe vor Jahren auch einmal auf einen Landgang in Lanzarote freiwillig verzichtet, weil ich schon mehrmals, auch als Badeurlaub mit intensiven Ausflügen, dort war. Ich hatte ein großes Schiff, damals die Maxim Gorkij, fast ganz alleine für mich – toll!
    Voller Respekt schaue ich auf die „guten Geister“ zur Zeit an Bord von Fluss- und Hochseeschiffen – sie schaffen eine wunderbare Atmosphäre zwischen Achtsamkeit und Herzlichkeit!
    Es war ein schöner Tag mit Dir „an Bord“, Leinen los zum nächsten Hafen 😉

    Viele Grüße
    Helga E.-D.

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