Costa Deliziosa – sechs Tage rund um Italien

Ja, ich kann es selber kaum glauben, wir stechen wieder in HOCHsee…

Bereits vor einem Jahr hatten wir für unsere Herbstferien eine 11-tägige Kreuzfahrt mit der Costa Mediterranea ins östliche Mittelmeer inklusive Israel gebucht. In Israel waren wir vor sieben Jahren schon mal und wollten das unbedingt wiederholen, damit unser Sohn dieses Land auch einmal ganz bewusst erleben kann. Schon bei der Buchung war die Vorfreude riesengroß. Aber dann kam in diesem grässlichen Jahr bekanntlich alles anders. Es wurden nicht nur (fast) alle Kreuzfahrten abgesagt, auch unser Schiff, die Mediterranea, verließ die Costa-Flotte. Da standen wir also mit leeren Händen wie so viele andere ratlose Urlauber.

Zu lange schon haben wir diesen Anblick vermisst

Gehofft hatten wir es natürlich, aber nicht wirklich geglaubt, dass wir in den Herbstferien noch die Möglichkeit zu einer Umbuchung haben würden. Doch tatsächlich öffnete Costa gut eine Woche vor den Hamburger Herbstferien seine Schiffe für europäische Passagiere. Das war ein Geschenk des Himmels und unsere Chance!

Nach reiflicher Überlegung haben wir uns dann für eine Kreuzfahrt unter Corona-Bedingungen entschieden. Hier jetzt alle Pros und Kontras dieser Entscheidung aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Aber im Laufe dieses Blogs werde ich die meisten davon sowieso noch ansprechen. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, ob und wie man in Corona-Zeiten reisen möchte. Und wir möchten es genau so ;-).

Unsere Route führt uns von Triest über Bari, Brindisi und Corigliano Calabria nach Catania und wieder zurück (Karte: Costa App)

So erwachen wir also nach einer Vorübernachtung gegen 7.15 Uhr in unserem Hotel in Triest, als direkt vor unserem Fenster die Costa Deliziosa dreht und festmacht. Es ist schon ein exklusiver Moment zu beobachten, wie sich die Menschen am Terminal auf die Ankunft „unseres“ Schiffes vorbereiten. Das erlebt man sonst ja normalerweise nie. Es ist sozusagen die Ruhe vor dem Sturm, der dieses Mal allerdings ausbleibt. Doch dazu später mehr.

Früh am Morgen taucht vor unserem Fenster die Costa Deliziosa auf..
… und parkt rückwärts vor uns ein

Unruhe und Anspannung speisen sich bei uns allerdings nicht nur aus unserem Kreuzfahrt-Come-back. Seit Tagen steigen auch in Italien die Infektionszahlen wieder erheblich. Sollen wir wirklich an Bord gehen? Was, wenn Italien zum Risikogebiet werden sollte? Schließlich reisen wir mit einem schulpflichtigen Kind und wollen sicherstellen, dass wir auf keinen Fall durch Quarantäneregeln zu spät zur Schule zurück sind. Wir versuchen, uns aktuelle Zahlen der besuchten Regionen zu besorgen und Prognosen zu wagen. Doch all das ist Kaffeesatzleserei. Immerhin haben wir für alle Eventualitäten einen Plan B in der Tasche und könnten die Reise nahezu überall abbrechen und nach Hause fliegen. Vor diesem Hintergrund habe ich mich ausnahmweise auch dazu entschlossen, von dieser Reise nicht live sondern zeitversetzt zu berichten. Bei der ganzen Sorge um unsere Rückreise, bleibt aber auch die Vorfreude auf die bevorstehende Kreuzfahrt zum Glück nicht auf der Strecke.

Im schönen Stadtbild von Triest ist die Deliziosa unübersehbar

Das Einchecken ist dieses Mal genau terminiert. Kurz nach der Buchung haben wir eine Uhrzeit mitgeteilt bekommen, zu der wir uns am Terminal einfinden sollen: 13.30 Uhr. Dann wurden wir aber gebeten, schon eine Stunde vorher da zu sein. Also gehen wir gegen 12.30 Uhr zur Pier. Mit uns geben nur wenige andere Passagiere die Koffer ab. Alles scheint genau getimed. Beim Betreten des Gebäudes erfolgt eine automatische Fiebermessung. Danach warten wir ca. 15 Minuten auf die Erfassung unserer Daten zum Corona-Schnelltest. Es gibt ca. acht bis zehn Testkabinen, in die wir verteilt werden, um dort einen Abstrich der hinteren Nasenwand vornehmen zu lassen. Für uns alle ist es der erste Test und wir sind ziemlich überrascht, wie schmerzhaft diese Prozedur ist. Ein Gefühl, als steche man durch die Nase direkt durch bis ins Hirn. Noch Stunden später spüren wir den Stich in den Schläfen. Doch Opfer müssen gebracht werden. Schließlich wollen wir doch sicher auf Kreuzfahrt gehen.

Die Wartezone 12 wird für fast 60 lange Minuten unser Parkplatz

Dann werden wir in Gruppen von ca. 20 Personen in einen großen Warteraum gesetzt. Es heißt, es dauere jetzt ca. 30 Minuten bis zum Testergebnis. Gruppen die schon länger warten, werden dann peu à peu zum Einchecken aufgefordert. Die Anspannung im Raum ist spürbar, und auch wir haben etwas kalte Füße. Was, wenn einer von uns positiv getestet werden sollte? Tatsächlich beobachten wir, wie in einer anderen Gruppe eine Dame vom Bordarzt beiseite genommen wird, vermutlich um einen zweiten Test durchzuführen…

Wer jetzt nicht auf sein Testergebnis wartet, könnte sich das schöne Triest ansehen 😉

Nach knapp einer Stunde werden dann auch wir endlich erlöst. Grünes Licht, wir dürfen einchecken. Eine Mischung aus Erleichterung und Vorfreude treibt mir schon jetzt erste Tränen in die Augen. Dann dauert es wieder ein bisschen, bis wir eingecheckt und den sehr intensiven Security Check hinter uns gebracht haben. Aber nach knapp zwei Stunden SIND WIR ENDLICH WIEDER AN BORD EINES KREUZFAHRTSCHIFFES. Ok, unsere letzte Fahrt ist erst 10 Monate her, aber gefühlt liegt eine Ewigkeit und ein halbes Leben zwischen unserer Weihnachtsreise mit der Costa Victoria und heute.

Unsere Kabine ist groß genug für drei…
… hat eine Ankleide und…
… ein großes Bad mit ganz neuer begehbarer Dusche und…
… zwei Waschbecken

Wir beziehen unsere sehr geräumige Kabine und gehen danach sofort zum so genannten Smart Drill. Dabei soll man sich zunächst das auf der Kabine laufende Sicherheits-Video ansehen und dann unverzüglich mit seine Rettungsweste zu seiner Musterstation gehen. Dort warten den ganzen Tag über Crewmitglieder, die mit jedem ankommenden Passagier individuell das Anlegen der Rettungsweste üben. Danach wird die Bordkarte gescannt und der Drill gilt als erledigt. So komfortabel und schnell haben wir diese Formalie noch nie absolviert. Für uns als Vielfahrer sind die Abläufe ja ohnehin vertraut, aber ob das für einen Neuling reicht, vermag ich nicht zu sagen. Immerhin gibt es aber zahlreche weitere Angebote, bei denen man sich über die Rettungsabläufe informieren kann. Kurz vor dem Auslaufen gibt es auch noch einen allgemeinen Drill, bei dem auch das bekannte Notsignal vorgeführt wird und an dem alle Gäste teilnehmen müssen, die noch nicht beim Smart Drill waren.

Beim allgemeinen Drill hat man sich gemäß der Markierungen aufzustellen

Das Auslaufen, das für 17.00 Uhr vorgesehen war, verschiebt sich um eine Stunde. Vermutlich ist das einigen Nachtestungen geschuldet, deren Auswertung bis zu drei Stunden dauern kann. Um 18.00 Uhr heißt es dann aber endlich „Con te partiro“. Mittlerweile ist es etwas kühl geworden und wir haben uns (ganz alleine!!) auf das Promenadendeck zurückgezogen. Umso besser, dann sieht wenigstens keiner wie hemmungslos jetzt bei mir die Tränen kullern. Noch vor drei Wochen hätte ich nicht zu träumen gewagt, dass wir das heute hier würden erleben dürfen…

Beim Auslaufen haben wir das Promenadendeck ganz für uns
Zu den Klängen von Andrea Bocelli sagen wir Ciao Triest…
… und Ciao zu seinem schönen Leuchtturm

Was für ein Tag! Gekrönt wird er vom ersten Abendessen an Bord, das im Grunde wie immer abläuft. Nur, dass man keine Menükarte mehr bekommt, sondern sich die tagesaktuelle Karte per QR-Code Scan auf sein Handy lädt. Eigentlich keine großartige Änderung. Maske bis an den Tisch. Menükarte scannen, bestellen und Essen lecker wie immer.

Kurz mal scannen, schon hat man das aktuelle Menü vor Augen
Bei mir gab es Dorade mit Seafood-Füllung 😉

Leider können wir heute Abend noch keinen Schlummertrunk auf dem Balkon nehmen, da es zu regnen begonnen hat und ein kalter Wind über unseren Balkon fegt. Schade, das hätte diesen Tag perfekt gemacht. Allerdings sind wir von den heutigen Erlebnissen und Gefühlen auch ganz schön geschafft und fallen relativ früh erschöpft aber glücklich ins Bett. Dass uns das gemütliche Zuckeln des Schiffes besonders gut schlafen lässt, versteht sich ja fast von selbst. Aber eine Frage bleibt: Wie würde unser erster Ausflug morgen unter Corona-Bedingungen ablaufen…?

Corona hin oder her, bei mir gilt auf jeden Fall weiter die Devise: I’ll keep you posted!

Herzlich,

Eure Irmela

P.S.: Zur Erinnerung: Ausnahmweise poste ich dieses Mal nicht live von Bord, sondern zeitversetzt. Wir sind wohlbehalten wieder zuhause und wie Ihr in den nächsten Tagen lesen werdet, waren wir stets sehr sicher und gesund unterwegs.

7 thoughts on “Costa Deliziosa – sechs Tage rund um Italien”

  1. Hallo Irmela!
    Gestern hatte ich mich schon so gefreut, als der Hinweis war, das ihr auf dem Schiff seid , bzw in diesem Fall wart. Ich finde es ganz gut, das du gerade das Thema mit Corona und den Maßnahmen dazu aufgreifst. Diese Woche wäre ja eigentlich unsere Reise von Genua gestartet, die ja leider auf nächstes Jahr verschoben wurde. Ich musste mir in der vergangenen Zeit schon viel anhören, das das „angeblich“ besser gewesen wäre, anstatt zu reisen. Mein Bauchgefühl und Herz , haben diesem immer widersprochen. Ich hatte zwar jetzt einen kürzeren Urlaub, aber dieser wird dann doch oft anders genutzt, wenn man zu Hause ist und die Erholung, wenn man wirklich weg fährt, ist einfach eine andere! Ich freue mich schon auf die folgenden Beiträge!!! Vielen Dank wieder für das mitnehmen auf diese Reise !
    Ganz liebe Grüße, tschüss Kerstin
    P.s und ich denke, auf dem Schiff ist man sicherer vor einer Ansteckung, als in so mancher Alltagssituation der man begegnet, weil viel mehr darauf geachtet wird und ein vernünftiges Konzept zugrunde liegt!

  2. Trotz aller Warnungen die Reisen zu verschieben,es wird irgendwann auch wieder besser,muss es auch unvernünftige Menschen geben, gute Reise

  3. Liebe Irmela,
    Ich finde es toll, das ihr die Möglichkeit hattet und sie auch genutzt habt. Wenn auch die Umstände „etwas“ anders sind, als gewohnt. Aber auch habe bisher nur positives über das „neue“ Leben an Bord gehört. Und auch die Hygienestandards werden optimal umgesetzt und man fühlt sich sicher. Hab ich gerade erst aus erster Hand erfahren. Jeder kann für sich entscheiden, ob er denn nun unter diesen Bedingungen reisen möchte oder nicht. Das ist ja jedem selbst überlassen, ob er/sie seine eigenen 4 Wände verlassen möchte oder nicht, es zwingt einen ja keiner. Allerdings bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob der/die ein(er) oder andere nicht doch lieber in diesen bleiben sollte.
    Ich freue mich auf jeden Fall über deine nächsten Berichte. ?

  4. Hallo, ich finde es mutig. Obwohl die Sehnsucht nach Kreuzfahrt da ist, traue ich mich jetzt noch nicht auf so ein Schiff. Danke für den Bericht, es relativiert beim Lesen das Gefühl und die Angst vor so einer Fahrt. Bitte noch mehr davon.

  5. Hallo Irmela,
    ich freue mich sehr für Euch, dass Ihr nach langen 10 Monaten wieder in See stechen konntet.
    Bin schon sehr auf Deine weitern Berichte und Fotos gespannt. Denn für Euch war es doch eine besondere Reise. Diesesmal konntet Ihr ja nicht die Gegend auf eingene Faust erkunden. Gespannt bin ich auch, was Du zu dem organasatorischen Teil zwecks Corona Regeln zu berichten hast.
    Im September durfte ich meine ersten Erfahrungen auf dem Wasser machen. Ich war mit meiner Mutter unterwegs auf dem schönen Rhein (Köln-Straßburg- Köln) und bin sehr dankbar das ich diese Reise machen durfte. Jetzt habt Ihr eine Infiezierte mehr dabei 🙂 .
    Lg Claudia

  6. Liebe Irmela,
    jeder muss und darf in diesen Zeiten, die Dinge tun, die erlaubt sind, andere nicht gefährden und auch einem selbst gut tun! Das war auch für uns der Anstoß, die neuntägige Flusskreuzfahrt zu buchen – wir haben es nicht bereut. Hygienekonzepte, wie man sie an Land nur kaum findet und vor allem Mitreisende, die genau so froh und dankbar sind, diese Reisen zu unternehmen – ein starkes „Wir“- und „Miteinander“-Gefühl – ganz anders als an Land. Die Seele auftanken, Motivation und Mut zum Weitermachen und -durchhalten in dieser für so viele schweren Zeit, die auch noch mit großen finanziellen Problemen da stehen.
    Ich freue mich für Euch, dass ihr die Gelegenheit hattet, diese Reise mit all ihren Erfahrungen, von denen wir ja noch lesen dürfen, machen zu können. Deine Tränen beim Auslaufen und Hören der Auslaufmelodie kann ich so gut nachvollziehen – hat es mich doch selbst auf dem kleinen Flussschiff voll erwischt… So gut, wenn wir es rauslassen können!
    Das von Dir beschriebene Hygienekonzept ähnelt dem, das wir erlebt haben und darin hatte ich vollstes Vertrauen und das lässt uns auch schon wieder Kreuzfahrtpläne schmieden, zwei stehen ja noch in 21 aus Umbuchungen aus. Wir handeln nach dem Motto: The show must go on – wenn auch zurzeit mit einem anderen „Showprogramm“ – und lieber heute achtsam, dankbar, aber auch genießend leben, als später zu sagen, jetzt ist es zu spät…
    Ich freue mich auf Deine Weiterreise

    Viele Grüße
    Helga E.-D.

  7. Hallo Irmela,
    ich freue mich, dass es für euch auch aufs Meer ging. Uns ging es ganz ähnlich mit den Gedanken & Gefühlen. Sollen wir fahren oder lieber nicht? Ist das Konzept gut durchdacht? Wird alles funktionieren? Hallten sich alle dran? Ich bin auch so froh & dankbar, dass wir mit Mein Schiff fahren durften! Ich kann nur sagen, soweit ich es gesehen & erlebt habe, haben sich alle Menschen an Bord an die Vorgaben gehalten, es gab keine Diskussionen um irgendwelche Regeln oder ähnliches. Alle haben auf Abstand geachtet. Ich war 2 Wochen vor der Tour an Land unterwegs und ich kann nur sagen, dass dort kaum jemand auf Abstand geachtet oder Rücksicht genommen hat, während man selber quasi im Zickzack-Kurs unterwegs war…
    Übrigens unser Abstrich vor Tourstart war höchstens ein kleines bisschen unangenehm. Es gaben einen Rachen-Nasenabstrich und, zumindest bei mir, ist keiner im Gehirn angekommen 😉 Aber auch wir haben mit einem etwas mulmigen Gefühl gewartet und gehofft, dass er negativ ist…
    LG Michaela

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