Costa Deliziosa – unser letzter Seetag

Diese Nacht haben wir die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt. Herrlich…

… denn so kann der Seetag ausgeschlafen und trotzdem früh starten. Heute ist das ganze Schiff irgendwie sehr verhalten unterwegs. Während ich das Gefühl habe, alle meine Lieblingstätigkeiten an Bord noch einmal abhaken zu müssen, kommen unsere Mitreisenden alle sehr spät aus ihren Löchern. Bei uns geht es erst mal eine Stunde um das Promenadendeck. An Seetagen ist mir das, falls ihr das noch nicht wusstet, ein ganz besonderes Vergnügen ;-). Danach schwimme ich im (heute überdachten) Mittelpool. Dabei merke ich schon, dass wir heute erstmals deutliche Schiffsbewegungen haben. Es passiert nicht häufig, dass mir auf dem Schiff überhaupt übel wird, doch Schwinmmen bei Seegang sorgt auch bei mir für einen Anflug von Unwohlsein. Kennt Ihr dieses Gefühl?

Das großartige, umlaufende Promenadendeck der Costa Deliziosa ist fast immer leer…
… und eine Runde ist 570 Meter lang – länger als im Stadion 😉

Apropos Unwohlsein: Wen zwischendrin die Angst beschleicht, er könne vielleicht doch Fieber haben, der kann hier an extra aufgebauten Stationen jederzeit selbstständig Fieber messen. Verpflichtende Fiebermessungen finden jeweils nur beim Ein- und Aussteigen zu den Ausflügen an der Gangway statt. Das Tragen der Maske im Schiff (sofern man nicht irgendwo Platz genommen oder auf der eigenen Kabine ist) wird jedoch massiv eingefordert. Auch, wer auf dem Pooldeck an der Bar bestellt, muss Maske tragen. Tatsächlich haben wir uns sehr schnell daran gewöhnt. Ebenso wie an die Maskenpflicht bei Ausflügen. Da in Italien mittlerweile auch draußen wieder Maskenpflicht besteht, und auch in Griechenland viele Menschen mit Maske auf der Straße sind, kommt man sich dabei auch nicht komisch vor.

Hier kann man bei sich selbst kontaktlos Fieber messen

Der Tag ist herrlich sonnig und entspannt. Doch auf dem Wetterradar (wie haben wir früher nur ohne Regenradar gelebt?) sehen wir das Unwetter schon herannahen. Oha, das sieht nicht gut aus… Von Westen zieht es quer über den Stiefel Richtung Adria und Albanien und wir steuern direkt darauf zu.

Noch ist es sonnig ;-)…

Mit einem Glas Prickelwasser zu für uns ungewöhnlicher Nachmittagszeit verabschieden wir uns für heute von der Sonne bevor gegen 17.00 Uhr ein malerisches Gewitter losbricht. So sehr ich die Sonne im Urlaub liebe, aber ein Gewitter auf See ist auch immer ein beeindruckendes Schauspiel.

… aber nur drei Stunden später gibt es einen Sundowner im Gewitter

Pünktlich zu unserem Schlummertrunk hat sich das Gewitter verzogen und wir können wieder auf unserem Balkon sitzen. Wer kein Fan der Show ist, aber trotzdem am Abend im Schiff unterwegs sein möchte, muss dieser Tage hart gesotten sein. Aufgrund der überschaubaren Passagierzahl (ich erinnere an die 495 Personen an Bord), von denen auch einige noch um 21.15 zur Tischzeit gehen, herrscht in den Bars am Abend oft gespenstische Leere. Ein tapferer Pianist spielt dann schon mal eine Weile für sich selbst und die Bar-Crew – oder eben für uns. Das Ambiente ist etwas befremdlich, aber auf der anderen Seite: Wenn er nicht hier spielen würde, wäre er vermutlich arbeitslos. Da fragt man sich doch, was die bessere Alternative ist, oder?

Abends sieht es an der Bar dann auch mal so aus

Und auch für unseren letzten Tag morgen gilt: Ill keep you posted!

Herzlich,

Eure Irmela

P.S.: Zur Erinnerung: Ausnahmsweise poste ich dieses Mal nicht live von Bord, sondern zeitversetzt. Wir sind bereits wohlbehalten wieder zuhause.

4 thoughts on “Costa Deliziosa – unser letzter Seetag”

  1. Moin Irmela!
    So ein Seegewitter hatte ich noch nicht mitbekommen- ich kann noch nicht mal sagen, ob ich das auch wirklich möchte, da meine Seefestigkeit noch nicht bis zum Exitus erprobt wurde. Die bisherigen Seegänge hatte ich immer gut überstanden- waren vermutlich jedoch noch nicht so schlimm- meine ich so als absoluter Laie.
    Allerdings wurde mir mal beim Schwimmen im Meer an der türkischen Riviera plötzlich einmal kodderich und musste das Meer verlassen. Draußen an Land war es sofort vorbei. Das Meer ist im Herbst ist dort immer etwas unruhiger- keine Ahnung was an diesem Tag dort los war?!?
    So eine leere Bar ist wirklich irgendwie komisch, ich gebe dir da in deiner Vermutung völlig recht. Mit Sicherheit ist der Service über jeden neuen Gast zusätzlich froh, die sich dort einfinden, damit der Abend sich nicht so langweilig gestaltet. Und ein großer Vorteil, kein längeres Warten aufs Getränk 😉.
    Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag!
    Macht es euch gemütlich!
    Tschüss, Kerstin 🤗🙋🏻😊

  2. Liebe Irmela,
    tatsächlich haben wir im Laufe der Zeit schon so manches Gewitter auf hoher See erlebt, mag ich es zu Hause schon nicht, an Bord suche ich mir dann ein heimeliges Plätzchen mittschiffs im schützenden Schiffsbauch aus und versuche, mich mit Lesen abzulenken – allerdings nur bis zu einem gewissen Schaukelgrad;-)
    Traurig so eine Bar ohne Gäste, welche Gedanken gehen einem Pianisten wohl durch den Kopf…
    Da wir wussten, dass der/die Veranstalter nur über die verzehrten Getränke einigermaßen etwas dem Verlust der nicht ausgelasteten Schiffe entgegensetzen können, haben wir doch das eine oder das andere Gläschen mehr verzehrt bzw. uns zur hochpreisigeren Auswahl entschieden, und auch die Trinkgelder fielen merklich höher aus als sonst üblich. Man kann sich zurzeit eh nicht viel anderes gönnen (auch an Land) als gute Qualität, regional, Fairtrade etc. Wir haben dies auch zu Hause, obwohl schon lange sehr bewusst konsumiert, noch weiter ausgebaut und lesen sehr aufmerksam das Kleingedruckte und kaufen/buchen dort, wo uns Menschen am Herzen liegen und bedienen keine irrwitzigen börsenorientierten Großkonzerne.
    Schade, dass sich so langsam das Ende Eurer Reise anbahnt – es sind so schöne kleine Lichtblicke, die den grauen Alltag bunt erhellen – Danke dafür!

  3. Danke für die interessanten Berichte und Einblicke in diese Reise, so habe ich als Leserin auch das Gefühl, fast ein bißchen mitgereist zu sein. Gutes Gefühl. Danke. Bitte immer wieder.

  4. Oh doch ja, Gewitter auf See. Allerdings mit der Sorlandet, einem 3 Mast Vollschiff. Wir standen zwar im Auge vom Sturm und rührten uns überhaupt nicht von der Stelle, dafür schlug aber der Blitz mit einem ohrenbetäubenden Schlag in den mittleren Masten ein. Und das auf einem Eisensegler mitten auf dem Wasser. Die Blitze waren ein fantastisches Schaupiel, aber wohl war mir dabei nicht. Und wenn man auf Wache ist, kann man sich leider kein Plätzchen drinnen suchen. Zumal man bei der Sörlandet am Ruder nicht mal ein Dach über dem Kopf hat, andere Schiffe mussten den Törn abbrechen und Häfen anlaufen. Auch in Griechenland mit der Alex von Humboldt waren wir im Auge vom Sturm während andere Schiffe Häfen anlaufen mussten und meterhohe Wellen hatten. Wir nicht.

    Da ich schon mal in einem Supermarkt eine fließende Ladung eines Blitzeinschlages abbekommen habe (Blitz schlug gegenüber in einen Fahnenmast ein) bin ich bei Gewitter doch lieber drinnen zu finden und mache auch Fenster und Balkontüren zu. Trotzdem schaue ich mir Gewitter gerne von drinnen an. Hatte eins in Januar in Struisbaai (Südafrika) da war mir richtig mulmig wie die dicken langen Blitze ins Meer einschlugen. Auch am Bodensee kann das ein schauriges Schauspiel sein wenn ein Kugelblitz waagrecht über den großen See schießt und alles erhellt.

    Die leere Bar ist wirklich traurig. Ich hätten den Pianisten mit einer Wunschliste eingedeckt. Und sofern ich einen Tanzpartner dabei gehabt hätte, pausenlos getanzt. Ist auch lustig bei Seegang aber geht. Man muß ab und zu die Schritte flexibler gestalten.

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