Costa Victoria – wenn einer eine Reise tut…

… kann er bekanntlich was erleben. Dieses Sprichwort ist zwar sehr strapaziert, aber immer wieder zutreffend…

Dies zeigte sich auch an unserem letzten Tag an Bord, doch der Reihe nach: Am Donnerstag waren wir noch ganz entspannt in Goa. Da wir die historischen Sehenswürdigkeiten von Old Goa gerade erst im letzten Jahr besucht hatten, waren wir faul und nahmen gleich ein TukTuk zum Strand Bogmalo. TukTuk-Fahren in Indien ist übrigens nicht zu vergleichen mit dem Stress von Colombo. Insbesondere hier in Goa haben wir sowohl mit Taxen als auch mit TukTuks bisher immer nur gute Erfahrungen gemacht. Wie gehabt sind Goas Strände in Hafennähe keine wirkliche Offenbarung, aber dennoch eine schöne Abwechslung zum Pooldeck und natürlich ein weiterer Ausflug in das wahre Indien.

Aus dem TukTuk in Goa haben wir noch jede Menge Kühe gesehen
Am Strand Bogmalo baden Touristen neben…
… indischen Familien

Zurück auf der Costa Victoria bereiteten wir uns mental auf unseren letzten Abend an Bord vor. Die Kreuzfahrt ging zwar offiziell bis Samstag, doch wir hatten – wie einige andere Passagiere – einen Antrag auf vorzeitige Ausschiffung am Freitag gestellt, was kein Problem ist. Zum einen waren wir ja schon vor der Kreuzfahrt in Mumbai unterwegs zum anderen wollten wir lieber unsere Rückreise noch für zwei Nächte in Dubai unterbrechen.

Unser letzter Abend an Bord. Beim Sonnenuntergang war noch alles ok…

Bereits beim Auslaufen gab es etwas Aufregung. Ein Passagier war offensichtlich nicht pünktlich zurückgekommen. Eine Frau, die an der Pier wartete, bekam in letzter Minute von der Crew noch Pässe ausgehändigt, bevor die Gangway eingezogen wurde. Die Arme gab einen merkwürdigen Anblick ab, als die Costa Victoria ablegte, sie allein zurückblieb und vermutlich vom Hafenagenten abgeholt wurde. Was muss das für ein Gefühl sein, wenn man SEIN Kreuzfahrtschiff ohne einen abfahren sieht? Könnt Ihr Euch das vorstellen?

Etwas ratlos bleibt die arme Frau an der Pier zurück – und alle schauen zu. Ein Albtraum!

Rund drei Stunden nach dem Auslaufen, wir saßen gerade gemütlich beim Abendessen, informierte uns der Kapitän, dass wir aufgrund eines medizinischen Notfalls umdrehen und nach Goa zurückfahren müssten. Sofort fing es in unserem Kopf an zu rattern: Wie schlimm für den Passagier, wie schrecklich für die Familie…, und was wird aus unserem Flug morgen?

Eigentlich sollten wir um 8.00 Uhr in Mumbai ankommen, daher hatten wir unseren Transfer für 11.30 Uhr bestellt. Unser Flug ging zwar erst um 15.30 Uhr, aber die rund 25 Kilometer vom Hafen bis zum Airport können, je nach Verkehrslage, zwischen einer bis weit über zwei Stunden in Anspruch nehmen. Also laut unserem ursprünglichen Plan alles ganz entspannt. Nun stellte sich die Situation aber leider ganz anders dar. Für die ca. 280 Seemeilen von Goa nach Mumbai braucht man gut 12 Stunden – und dann muss man schon 22 Knoten fahren. Das hieß, je nachdem, wann wir von Goa wieder loskämen, würde sich entscheiden, ob wir unseren Flug bekommen. Wenn wir nicht ALLERSPÄTESTENS um 13.00 im Taxi säßen, hätten wir keine Chance.

Umdrehen und zurück nach Goa. So sah das bei MarineTraffic aus Foto: MarineTraffic

Sofort liefen bei uns die Köpfe heiß. Was können wir jetzt unternehmen? Wie können wir unseren Transfer über die Verspätung informieren? Was passiert, wenn wir unseren Flug verpassen…? Überall in Europa gehen die Ferien zuende, und die Flüge sind weitgehend ausgebucht und/oder MEGA teuer. Mit sehr schwacher Telefonverbindung (wir waren einfach noch zu weit vom Land entfernt) kontaktierten wir den Transferservice und die Fluggesellschaft. Den Transfer verlegten wir zunächst auf 12.30 und die Fluggesellschaft sagte uns, dass wir bei einer Umbuchung mit erheblichen Mehrkosten rechnen müssten, da die Verfügbarkeit sehr, sehr knapp sei…

Puuhh, da saßen wir nun. Hin- und hergerissen zwischen Mitleid mit den betroffenen Personen und Sorge um unsere Heimreise. Zum Glück hatte man die Ausschiffung des Patienten so organisiert, dass er von einem Schlepper weit vor der Hafeneinfahrt übernommen wurde. So sparten wir uns das An- und Ablegen. Allerdings wurde der Patient von drei Ärzten (oder Helfern) an Land begleitet, auf deren Rückkehr wir dann noch warten mussten. Gegen 22.45 Uhr war das ganze Manöver abgeschlossen und Costa Victoria nahm erneut Kurs auf Mumbai.

Unser letzter Abend an Bord fiel also leider nicht so entspannt aus wie geplant. Wie würde es wohl dem Patienten, von dessen Zustand wir keine weitere Kenntnis haben, in Goa ergehen? Eine letzte Durchsage am Abend informierte uns dann darüber, dass die Ankunft in Mumbai für 11.00 Uhr am nächsten Tag geplant sei. Wenn alles glatt liefe, könnten wir unseren Flug schaffen. Mit dieser Aussicht gingen wir dann schlafen… naja, was man so Schlaf nennen kann in dieser Situation. Aber tatsächlich legte das Schiff am nächsten Tag mit nur drei Stunden Verspätung an. Mit freundlicher Unterstützung der Guest Relation Managerin Lorendana (MILLE GRAZIE!!!) konnten wir als eine ersten Passagiere von Bord gehen und die Einreiseformalitäten erledigen. So saßen wir tatsächlich schon um 11.40 Uhr in unserem Taxi, das zum Glück auch deutlich früher zur Stelle war.

Ab nach Hause geht es mit dem wunderbaren A380, der direkt vor unserer Haustür gebaut wird

Und so endete dann auch unsere Repeater-Kreuzfahrt deutlich aufregender als ihre Vorgängerin im letzten Jahr. Doch das wirkt sich nur marginal auf unser Fazit aus. Denn unter’m Strich war die Reise ein voller Erfolg und in jedem Moment eine Wiederholung wert. Auch, wenn wir die Ziele in Indien und Sri Lanka schon kannten, konnte man ihnen immer neue Impressionen abgewinnen. Auf den Malediven haben wir neue Inseln angesteuert und viel bessere Schnorcheleinrdücke gesammelt als im Vorjahr. Und tatsächlich hat der Familienrat auf dem heimischen Sofa beschlossen: Gäbe es die Reise dieses Jahr auch, würden wir sie ein drittes Mal machen… ;-). Leider ist das aber nicht der Fall. Wir könnten allenfalls die Costa Victoria erneut besuchen. Und ob das eine Empfehlung ist, berichte ich in meinem nächsten und abschließenden Post ;-).

Jetzt hat uns das graue Hamburg schon seit knapp einer Woche wieder. Wir halten uns derweil mit fröhlicher Bollywood-Party-Musik bei Laune. Kann ich nur empfehlen. Nicht das Video ansehen, sondern nur die Musik hören. Dann stellt Euch vor, Ihr tanzt unter dem Sternenhimmel des Indischen Ozeans an Deck der Costa Victoria mit vielen netten internationalen Passagieren zwischen 4 und 80 Jahren in das neue Jahrzehnt. Großartig, was man bei Kreuzfahrten alles erleben darf…

In diesem Sinne:

Herzlich,

Eure Irmela

3 thoughts on “Costa Victoria – wenn einer eine Reise tut…”

  1. Liebe Irmela!
    So hat das mit den Tuk Tuk ja doch noch geklappt!!!

    Oh Mann , das war ganz schön aufregend. Nie, niemals nie , möchte ich selbst erleben, das mir mein Paß in die Hand gedrückt wird und das Schiff alleine ohne mich fährt. Oder ich es womöglich durch einen Ausflug verpasse ! Hoffentlich ist die Dame am Kai danach auch noch gut weiter gekommen!
    Der medizinische Notfall- oh jeh! Zum einen wünscht man sich schon, das der Person schnellstmöglich geholfen wird und gut an Land wieder genesen kann, zum anderen kann ich eure Situation auch gut verstehen. Als Berufstätiger/ Schüler ist es eben mal nicht wurscht, ob ich mal ein zwei Tage später zurück von der Reise kommt. Manchmal muss man leider ja auch schon am nächsten Tag wieder zur Arbeit. Nicht nur, weil man selbst nicht den Urlaub hat, sondern weil die Urlaubspläne mit den Kollegen sonst nicht funktionieren.
    Irmela: in eurer Urlaubsbuchung ist immer noch die Fußnote mit der Klausel „Abenteuer-Urlaub“😉!!!
    Ganz liebe Grüße, viel Spaß beim Einleben mit Bollywood-Musik!
    Und allen anderen hier: schönen Sonntag!
    Ganz liebe Grüße, Kerstin 🙋🏻

  2. hallo Irmela,
    nach längerer Zeit habe ich mal wieder einen Blogbericht von Dir gelesen und dann gleich noch so einen spannenden.. oh Mann..

    ich bin seit Weihnachten zurück aus Portugal und weiß zur Zeit noch nicht, wie mein Jahr 2020 verlaufen wird, wo ich arbeitstechnisch überhaupt lande.. ich berichte..

    an der Stelle, wo Du schreibst, ihr musstet nach Goa umdrehen, dachte ich, daß die Frau mit den Pässen am Anleger – die ja offensichtlich auf ihre verspätete Begleitung gewartet hatte – wieder einsteigen könnte.. aber ihr habt ja gar nicht wieder in Goa angelegt.. oder gibt es hier noch eine letzte Info zu.

    nun suche ich mal den Rest der schönen Weihnachts- und Neujahrsposts von Dir von der Costa Victoria.

    Natürlich möchte ich nicht vergessen, Dir noch ein wunderschönes Glückliches und Gesundes 2020 zu wünschen.

    Herzliche Grüße aus Gelsenkirchen.
    Christiane

  3. Hallo Christiane,

    wie schön, von Dir zu hören! Dir auch alles Liebe für 2020!

    Tatsächlich haben wir in Goa ja gar nicht mehr festgemacht. Ich bin ziemlich sicher, dass die Dame dort zurückgeblieben und nach Mumbai geflogen ist. Aber sicher kann ich es natürlich nicht sagen.

    Dir drücke ich die Daumen für deine nächsten Etappen und Pläne und sende beste Grüße nach NRW,

    Irmela

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