Land- und Schiffsleben – wie legt man den Schalter um?

Vielen Dank für Eure rege Anteilnahme an meiner baldigen Abreise. So kurz vorher werde ich immer häufiger Folgendes gefragt:

 

Wie kommst Du eigentlich mit dem Wechsel zwischen dem Leben zuhause und auf See klar?

 

Sicher kennt Ihr das besondere Gefühl im Vorfeld einer Reise, oder wie es ist, nach einem Urlaub wieder im Alltag anzukommen. Bei mir ist das ganz ähnlich. Jetzt, kurz vor der Abreise, bereite ich mich geistig auf das Schiffsleben vor. Ich besuche meine Freunde und Familie ein letztes Mal, checke meine Dokumente und suche schon mal erste Sachen zusammen. Ca. eine Woche vor Abreise hole ich Koffer und Seesack raus und fange so langsam an zu packen. Ich hatte ja schon mal gesagt, dass ich als Seemann die doppelte Menge an Gepäck mitnehmen darf. Dieses Mal werde ich das auch brauchen, denn wir beginnen zwar im tropischen Asien, werden dann aber sehr bald ins Mittelmeer und in den frischen europäischen Frühling fahren. Lange Sachen und eine warme Jacke müssen auf jeden Fall mit.

MS Albatros

MS Albatros

Einstimmen auf den Wachdienst

An Bord angekommen dauert es ein paar Tage, bis ich mich wieder an den Rhythmus des Wachdienstes gewöhnt habe. Diejenigen von Euch, die im Schichtdienst arbeiten, werden das kennen. Auch in das Bordleben muss ich mich erst wieder einfinden. Das geht natürlich umso schneller, wenn das Schiff schon bekannt ist. Steht dann das Ende der Fahrzeit ins Haus, geht alles wieder rückwärts. Am schlimmsten ist es, alle Sachen plus Souveniers und Mitbringsel im Gepäck zu verstauen. Wieder zuhause brauche ich erneut ein paar Tage bis ich richtig angekommen bin. Und dann besuche ich wieder alle Freunde sowie die Familie und erledige jede Menge Papierkram, der in meiner Abwesenheit liegengeblieben ist…

 

Reisetagebuch

Ihr hattet mich auch gefragt, ob ich mich bei den vielen Reisezielen überhaupt noch an einzelne Häfen erinnern kann? Natürlich verschwimmt am Ende einer langen Fahrt der Gesamteindruck. Aber ich führe ein Reisetagebuch, in dem ich Bilder und Schiffstempel sammle. So kann ich auch nach Jahren meine Reisen rekonstruieren und mich an die Highlights einzelner Destinationen erinnern. Mir sind diese Erinnerungen lieb und teuer, schließlich machen sie den Reiz meiner Seefahrerei aus. Wie macht Ihr das auf Reisen? Führt Ihr auch ein klassisches Bordbuch oder macht Ihr Videofilme und erstellt im Anschluss Fotobücher? Wie „konserviert“ Ihr die Erinnerungen Eurer einzelnen Kreuzfahrten? Gerne könnt Ihr Eure Tipps auch in unserem Forum unter Reiseberichte an Eure Mitleser weitergeben.

 

AHOI mit Fernweh aus der Pfalz,

Euer Christian

18 thoughts on “Land- und Schiffsleben – wie legt man den Schalter um?”

  1. Ich habe ein Bordbuch, das der Kapitän auf jeder Reise unterschreibt.
    Das ging beim letzten mal auf der Artania verloren. Das war ein kleines Drama für mich. Aber ich habe zum Glück von Phoenix Ersatz bekommen.

    Meine Fotos lass ich noch ganz klassisch auf Papier entwickeln und klebe jedes einzelne in ein Album ein.
    Da kommen von jeder Reise schon 3-4 Alben zusammen. Beim Einkleben kann ich dann die ganze Reise nochmal Review passieren lassen, und ich hol sie mir auch immer mal wieder raus und schau sie an.
    Sind einfach tolle Erinnerungen.

  2. Hallo Christian !
    Ich kann mir sehr gut vorstellen, das du schon ordentlich am vorbereiten bist. Der Unterschied zu uns „normalo“-Urlaubern ist ja auch, das die Zeit, wo du weg bist, ja wesentlich länger ist, als wir mit unseren 1, 2 max. 3 Wochen. Es sei denn, man hat den Luxus bereits schon zu Hause zu sein, oder via Weltreise unterwegs sein zu können. Wenn man nun etwas vergisst einzupacken, ist es dann auch nicht mehr so einfach, das Vergessene schnell zu ersetzten. Und obwohl du ja mehr mitnehmen darfst, überlegt man sich vielleicht doch, das eine oder andere nach der Notwendigkeit einzupacken.
    Meine Erinnerungen : ich mache gerne Fotos. Seitdem ich das I-Phone habe, ist dieses der Hauptfotobegleiter. Das hat auch den Vorteil, das man im Alltag mal schnell in den vergangenen Urlaub abgetauchen kann. Ich mache jedoch auch Fotobücher mit den schönsten Fotos. Während meines Urlaubs sortiere ich schon Fotos aus, um nicht wieder hunderte Stück zu haben. (Das Speichervolumen bei jedem Wechsel, wird trotzdem immer größer – grinz!) Auf einigen Rundtouren habe ich ebenfalls eine Art Tagebuch geführt und sammele Eintrittskarten oder ähnliche Dinge als Erinnerung. Seit der VnM sammele ich auch Magnete und diese zieren schon ganz nett meinen Kühlschrank- ob die Schneekugel auch kommt, weiß ich noch nicht! (Lieben Gruß an Bernd ! 🙂 !
    Tja- ich wünsche dir auf jeden Fall einen guten Start und hoffe, das für dich weiterhin alles gut läuft. Freue mich immer über einen neuen Bericht und schaue regelmäßig im Forum vorbei.
    Vielleicht hast du ja noch Zeit den Karneval mitzunehmen und sende ganz liebe Grüße aus Ronnenberg,
    wo heute wirklich die Welt untergeht- es schifft und der Wind kommt von ? ja die Richtung weiß ich nicht ,aber von ganz schräg!!!
    tschüß, Kerstin

  3. Ich mache von meinen Kreuzfahrten Videofilme in zwei Schnittversionen, eine ausführliche für mich und die, die dabei waren und eine kürzere für YouTube.
    Hier ist noch mal der Link zu meiner Reise mit der MS Albatros im November 2014 durch’s östliche Mittelmeer.
    https://youtu.be/emuy1XlfJR0

  4. Je umfangreicher die Reise , um so mehr wird geschrieben und bei 6 Wochen Seereise ist es ein muß , Tagebuch zu führen und dank der neuen Techniken in den Kameras , hat man den Längen und Breitengrad auf jeden Bild und kann zu Hause alles nachverfolgen . Die schönsten Bilder kommen dann beschriftet , teilweise mit hintergrund Wissen aus dem Internet ( denn nicht alles was man auf Englisch hört , bleibt im Kopf hängen ) dann ins Album auf dem Cumputer.
    Ist die Gestaltung fertig , kommt es in den Digitaldruck . Die Zeiten von Bilder kleben ist schon lange vergessen !!!

  5. Ich mache auf jeder Reise viele Fotos und ein 30 min Video für mich. Außerdem führe ich ein Reisetagebuch. Da kommen alle Unternehmungen mit Datum für jeden Tag rein, auch das Wetter.

  6. Wie muss man sich die Schichtpläne bei euch vorstellen? z.B. 3 Tage früh, dann 3 Tage spät und schließlich 3 Tage Nacht? Und dann nach einem Tag Pause wieder früh? Oder ist das bei euch auf dem Schiff vollkommen anders, sprich mehr individuell geregelt? Oder andere Dauer, wie z.B. 5 Tage am Stück usw. Wäre doch mal interessant zu wissen 🙂

    1. In der Seefahrt gibt es meist das 3-Wachsystem.
      Jeder hat 2 x am Tag 4 Stunden Dienst und dann 8 Stunden frei.
      Die Wachen sind immer dieselben, egal auf welchem Schiff. Gibt es auf den großen Windjammern auch.
      Die Zeiten sind 0-4 Uhr
      (genannt Hundewache oder Kartoffelwache, weil man da meist Kartoffeln schälen muß, die Brücke natürlich nicht!!, bevorzugt von Nachtmenschen),
      4 – 8 (Sonnenauf- und Sonnenuntergangswache, bevorzugt von Frühaufstehern),
      8 -12 (Seniorenwache, weil das am ehesten dem Tagesrhythmus der meisten entspricht)
      dann die 2. Wache am Tag
      12 – 16 Uhr
      16 – 20 Uhr
      20 – 24 Uhr

      sorry, dass ich anstatt Christian geantwortet habe.

    1. Beatrix , Du sprichst mir aus dem Herzen , das gute alte Fotoalbum mit Beschriftung , ich liebe es!

      Ulla Schneider

  7. Hallo Christian,
    ich führe kein Reisetagebuch aber ich filme viele Sequenzen und mache Bilder.
    Aus diesen Daten mache ich dann am Computer kleine Filme und habe so meine
    Erinnerungen von den Reisen.
    Herzl. Grüße Thomas

  8. Moin,

    ich mache viele Fotos und erstelle mir hinterher ein Fotobuch. Ohne meine Fotoapparat gehe ich nicht vor die Tür 😉 Zusätzlich sammel ich Eintrittskarten und was sich sonst noch so auf der Reise ansammelt (wie z.B. Bordprogramme). Ab und an führe ich mal ein Tagebuch, je nach Zeit, Lust & Laune 🙂

    Viele Grüße Michaela

  9. hallo Christian,
    hast du die ganze Pause – also die letzten monate – ausschliesslich in der Pfalz verbracht, bei Deiner Familie. wohnst DU nicht eigentlich in Hamburg oder war das nur, während Du noch studiert hast ?

    gruss von der Donau.
    christiane

  10. Hallo Christian,
    Du checkst ja jetzt Deine Dokumente und kennst ja auch schon die Route und die Häfen die Du anlaufen wirst.
    Schau doch bitte auch im Seefahrthandbuch nach wie man bei Neptun und Klabauterman eine örtliche Badefreigabe beantragen kann. Wir möchten ja nicht das Deine Badeausflüge mit Bernd und Co im Bauch von kleineren oder größeren Fischen enden.
    Wenn Neptun und Klabauterman nicht erreichbar sind dann helfen bestimmt auch einige Opfer-Anoden.

    Wir freuen uns auf die neuen Episoden mit unseren Dream-Team von der Brügggge. (Du und hoffentlich Kapt’n Hansen)

    In diesem Sinn Ahoi, gute Reise und immer schön Kurs halten.

  11. Hallo Herr Baumann,
    und vor Ihrem Dienstantritt auf dem Schiff kommt ja meist (und wie in diesem Falle) noch eine lange Fluganreise und entspr. Jetlag – das alles ist nicht ohne. Mir geht es so: Je länger ich im Urlaubsmodus bin, um so schwerer ist die Rückkehr in den Alltag – ich weiß nicht, aber meistens ist meine Seele irgendwie mit einem späteren Schiff od. Flugzeug unterwegs als ich 😉 und bei der Hinreise ist es umgekehrt, irgendetwas wird immer vergessen, weil ich in Gedanken schon auf dem Schiff bin.
    Unsere Urlaubserinnerungen halten wir mit Videoaufnahmen und Fotos fest, die wir später im Film kombinieren, Texte hinzufügen und mit Musik unterlegen – die entspr. Auslaufmelodie aus jedem Hafen darf natürlich nicht fehlen. Bei der Bearbeitung dringt man noch einmal ganz tief in diese Erlebnisse ein, liest Vieles auch noch nach und beim späteren Betrachten des Werks kann so manches Kreuzfahrtfieber ohne Chemie behandelt werden. Wir „nerven“ aber nicht jegliche Verwandtschaft/Bekanntschaft damit – man kennt ja noch die früheren ewig dauernden und einschläfernden Dia-Shows! Mit Albatros-infizierten Freunden haben wir uns gegenseitig schöne Abende beschert, manchmal auch mit dem Reiseziel entspr. Essen und Wein.
    Besondere Postkarten an uns selbst geschickt, die mit den unvermeidlichen Kühlschrankmagneten befestigt werden, lassen uns bei so manchem Gang an den Kühlschrank in Gedanken auf Reisen gehen mit so manchem Seufzer „weißt Du noch…“

    Viel Erfolg beim Packen – wir packen stets mehrmals um und haben am Ende doch immer zu viel und nicht immer das Richtige dabei;-) – und genießen Sie Ihre letzten Urlaubstage in der karnevalistischen Pfalz.
    Übrigens wird der Gruß „Ahoi“ auch z. B. in Pirmasens als Jeckenruf benutzt und in Köln gibt es einen Karnevalsverein der Ahoi in seinem Namen trägt.
    Also ein maritimes und karnevalistisches Ahoi vom Rhein
    Peter

  12. Nach unserer leichten Enttäuschung als wir erfahren haben das Sie wieder in Zukunft
    auf der MS Albatros Ihren Dienst versehen werden bleibt uns nur, Ihnen auf dem Wege
    zum Kapitän die Daumen zu drücken. Auf unserer gebuchten Reise demnächst ab
    Venedig mit MS Artania hoffte ich wenn die Gelegenheit es ergeben hätte mit Ihnen
    etwas zu fachsimpeln über meine z.Z. stattfindende Ausbildung zum Seeschein.
    Nun ja, trotzdem werden wir weiterhin mit Interesse Ihren Werdegang verfolgen und
    wünschen allzeit eine Handbreit Wasser unterm Kiel.
    Mit seemännischen Grüßen
    Horst & Frau

  13. LIeber Christian,
    viel Spaß auf der nächsten Reise. Ich führe immer ein Reisetagebuch, weil ich nach 4 Wochen sonst den Überblick verlieren würde. Dieses Tagebuch wird dann am Computer mit Bildern etc. vervollständigt und als Broschüre ausgedruckt. Außerdem werden die Fotos und Videos zu einer Blue-Ray mit Text und Musik verarbeitet. Zum Glück haben wir Freunde, die sehr daran interessiert sind, oft fahren sie auch mit. Da kann man ohne schlechtes Gewissen diese Blue Rays zeigen. Wir sind gerade von der Artania-Südsee-Reise zurück, da habe ich noch Einiges zu tun.

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