Kreuzfahrtgeflüster – wie überlebt man im Straßenverkehr von Vietnam?

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      Irmela Tölke
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      Nach der Begegnung mit Taifun Tembin, einem Feueralarm und drei Stationen in Vietnam sind wir gut gewappnet für Saigon…

      Um das gleich vorweg zu nehmen: auf Taifun Tembin hätten wir gut und gerne verzichten können. Seit Tagen „leiden“ wir unter seinen Auswirkungen. Von den Philippinen kommend, wo er leider viele Menschenleben gefordert hat, traf er pünktlich zu Weihnachten südlich von uns auf Vietnam. Auf unserem Seetag von Da Nang nach Nha Trang (eine Distanz, die für einen Seetag eigentlich sowieso zu kurz ist) hat er uns am meisten getroffen. Damit unsere Stabilisatoren überhaupt Wirkung zeigten, mussten wir extra Umwege fahren. Nur so konnten wir auf dieser kurzen Strecke etwas schneller unterwegs sein (ca. 10 bis 12 kts) und die Wirkung der Stabilisatoren ausnutzen. Christian hatte ja mal erklärt, dass Stabilisatoren nicht wirken, wenn das Schiff steht oder sehr langsam fährt.

      Alles grau in grau…
      Mit ca. 5 Meter hohen Wellen und Schauern war der erste Weihnachtstag nicht wirklich wie erwartet, wenn auch mit 24°C deutlich wärmer als zuhause. Gestern in Nha Trang gab es neben zwei Stunden Sonne dann auch sintflutartige Regenfälle, so dass Straßenzüge komplett unter Wasser standen. Zum Glück haben wir es noch zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten geschafft und einen schönen Strandspaziergang machen können. So widrige Verhältnisse hatten wir noch nie auf einer Kreuzfahrt, und unsere Kreuzfahrt-Begeisterung wird zuweilen auf eine harte Probe gestellt. Aber das gemeinsame „Leid“ schweißt die Volendam-Community auch sehr nett zusammen. Schließlich sitzen wir tatsächlich alle im selben Boot, wenn auch manchmal in albernen müllsack-ähnlichen Regenmänteln von Holland America 😉

      Die Volendam
      Wären wir auf einer sieben Tages-Tour, wäre jetzt schon alles vorbei. Zum Glück ist bei uns erst Halbzeit und wir haben noch eine Woche Schiffsleben mit hoffentlich besserem Wetter vor uns. Heute war es auf jeden Fall viel besser und perfekt für einen Ausflug nach Saigon. Eigentlich heißt die Stadt Ho Chi Minh City oder auch HCMC, aber das klingt so unromantisch ;-). Vom hässlichen Containerhafen Puh My aus sind es rund 80 km bis nach Saigon. Mit dem Taxi waren wir gut 1,5 Stunden unterwegs. Aber die Fahrt war so kurzweilig, dass sie wie im Flug verging. Wir hatten in Da Nang und Nha Trang schon einen sehr deutlichen Vorgeschmack auf die Verkehrsverhältnisse in Vietnam, doch Saigon setzt unseren Erlebnissen das Krönchen auf. Der Motorroller ist DAS Verkehrsmittel der Wahl, auch für Familien. Es gibt nichts, was man nicht mit einem Motorroller transportieren könnte: Kinder, Lasten, Koffer, Tiere …

      Variante 1.: Ein Paar auf dem Roller

      Variante 2.: Eine kleine Familie

      Variante 3.: Ein Paar mit Gepäck

      Variante 4.: Eine Familie mit 2 Kindern… (leider nicht gut zu erkennen, da während der Fahrt und im Tunnel aufgenommen 😉
      Wer nicht schnell genug unterwegs ist oder nicht rechtzeitig ausweicht, wird ohne Verzug angehupt – vielleicht auch überfahren, aber wir wollten es nicht darauf ankommen lassen. Fahrbare Untersätze kommen von allen Seiten, und nur mit äußerster Vorsicht und fest umschlungenen Sohn haben wir die Querung von Straßen gemeistert. Saigon selbst ist eine sehr spezielle Mischung aus schäbig und chic, alt und neu, hoch und flach, asiatisch und europäisch. Hier trifft das alte Asien auf kolonialen Stil, Streetfood auf glamouröse Restaurants und Pagoden auf Wolkenkratzer. Ich habe ein paar wenige Eindrücke von drei der Hauptsehenswürdigkeiten hochladen können:

      Das Hotel de Ville…

      … der Wiedervereinigungspalst…

      … die Kathedrale Notre Dame…
      In Saigon wohnen rund 8 Mio. Menschen, und angeblich lebt es sich nirgendwo in Vietnam mondäner als hier. Das Pro-Kopf-Einkommen soll dreimal so hoch sein wie im Rest von Vietnam, was auch diese Bilder hier erklärt:

      Dubai oder Saigon? In jedem Fall der Bitexco Financial Tower

      Und noch ein bisschen Skyline
      So gern wir auf Ausflüge gehen, aber kennt Ihr nicht auch dieses Gefühl, wenn man nach einem aufregenden Tag mit vielen neuen Eindrücken auf SEIN Schiff zurückkommt und sich freut, wieder ZUHAUSE zu sein ;-)? Ja, genauso ging es uns heute auch. Zufrieden und leicht ermattet blicken wir bei einem Glas Wein auf den Tag zurück und finden uns wieder mal bestätigt: Kreuzfahren ist einfach wunderbar! Und der Taifun ist fast schon wieder vergessen 😉
      In diesem Sinne: I’ll keep you posted!

       

      Herzlich,

      Eure Irmela

      P.S.: Folgende Anekdote sprengt zwar die Länge meines Posts, aber ich kann sie Euch nicht vorenthalten: Als hätten wir nicht schon genug Aufregung gehabt, wurden wir gestern Abend vom ersten richtigen Feueralarm unserer Kreuzfahrtkarriere aufgeschreckt. Um ca. 22.40 Uhr ertönte das Alarmsignal gefolgt von einer Ansage unseres (by the way sehr kommunikationsstarken) Kapitäns Turner über das PA-System: Im Engine Control Room sei ein Feuer ausgebrochen, erklärte er mit ruhiger Stimme. Passagiere bräuchten erst mal nichts zu tun, aber das Fire-Team müsse ausrücken. Unser Sohn war sofort in heller Aufregung. Da wir schon auf dem Weg ins Bett waren, haben auch wir uns wieder richtige Kleidung und unsere wichtigsten Habseligkeiten zurechtgelegt. Man weiß ja nie… Erstaunlich, welche Dinge man auf einmal wichtig findet, wenn man befürchten muss, den Rest seiner Sachen eventuell für immer zu verlieren…
      Ein paar Minuten später erfuhren wir dann, dass die Crew das Feuer jetzt am Turbocharger ausfindig gemacht hätte und auf dem Weg sei, es zu bekämpfen. Gegen 23.00 Uhr gab es dann Entwarnung. Ein Schaden am Turbocharger habe einen Feuer-Fehlalarm ausgelöst, so der Kapitän. Wir könnten jetzt zwar nur etwas langsamer weiterfahren, aber trotzdem alle beruhigt schlafen, hieß es weiter… Für unseren Sohn war das leichter gesagt als getan. Und wir alle zusammen mussten ein weiteres Mal festhalten: Diese Reise steckt voller Überraschungen…
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