Teil 3 – La Pallice/La Rochelle

Dieses Thema enthält 1 Antwort und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Kerstin Krückeberg vor 2 Wochen.

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    Helga E.-D.

    Hatte uns der Wellengang in der Nacht wieder schön in den Schlaf geschaukelt – Poseidon/Neptun zeigte uns fast auf der gesamten Route (Ärmelkanal/Golf von Biscaya/Atlantik), wer das eigentliche Sagen hat. Kein durchgehend sehr starker Seegang, doch immer wieder mal mehr und wieder weniger „Bewegung“, der uns an die alte Seefahrerweisheit erinnerte – eine Hand gehört dem Schiff! Gewisse Tütchen blieben in Aufzügen und Treppengeländern immer griffbereit. Uns machte dies – gut „gedopt“ – überhaupt nichts aus, der Appetit war in keiner Weise beeinträchtigt – lediglich das Tanzen gelang uns manchmal nicht so gut, die Ausfallschritte häuften sich und das lag nicht am Alkohol 😉

    Gegen 11 Uhr legten wir am Samstag, 28.09.19, in La Pallice im „Grand Port Maritime de la Rochelle“ im Golf von Biscaya an. Wir hatten uns für den reinen Transfer-Shuttle-Bus von La Pallice nach La Rochelle (9 km) entschieden (10,– p. P. für Hin- und Rückfahrt), der ÖPNV wäre vielleicht günstiger gewesen, so mussten wir jedoch nicht lange suchen und bekamen noch einige Tipps vom Fahrer.

    An unserer Haltestelle in der Nähe des „Vieux Port“ mit vielen Segelschiffen und Booten sahen wir zunächst ein relativ modernes Städtchen. Wir staunten über die entspannte Atmosphäre, wie anders geht es bei uns in den Städten an einem Samstagmittag zu, alles hetzt, rempelt, hält irgendeinen „to go“ in der Hand. Nein, nicht im Land des „Savoir-vivre“ – hier sitzt man gemütlich in einem Straßencafé, schaut dem Treiben zu, unterhält sich und trinkt in Ruhe seinen Café oder auch schon am Vormittag ein Glas Wein!

    Durch das Stadttor „Porte de la Grosse Horloge“ gelangten wir in die traumhafte Altstadt mit ihren verträumten Gassen, ausgefallenen Boutiquen und Geschäften, Cafés, Schokoladmanufakturen und Pâtisserien – ich muss gestehen, ich war „schockverliebt.“

    Unser Ziel war – wie ja meistens 😉 – die Jugendstil-Markthalle „Les Halles de la Rochelle.“
    Aus einer der schönen Gassen kommend standen wir plötzlich auf dem Marktplatz und was wir dort vor uns sahen, ließ uns erst einmal die Luft anhalten – unser erster Gedanke war, hier wird gerade ein Film gedreht…

    Vielleicht mag der eine oder andere dies kitschig finden, wir waren begeistert – spiegelte dieser Anblick die Lebensfreude der Einheimischen und auch die unsere in diesem Moment wider, ich glaube, wir staunten wie Kinder, die das erste Mal einen beleuchteten Weihnachtsbaum sehen ;-).
    Ein unglaublich reichhaltiges Angebot an derart frischen Fischen, Meeresfrüchten zu einem Preis, von dem wir hier nur träumen können, Käse, Pasteten, Fleisch – so schade, dass man nichts mitnehmen kann, der einzige Nachteil auf einer Kreuzfahrt, aber Probieren und Essen, das geht und zwar immer 😉

    Zusätzlich zu diesem großen Angebot stehen samstags vor dieser Markthalle weitere regionale Stände mit Obst/Gemüse, Käse u.v.m., an denen man gerne und ausgiebig probieren kann. Auf den Hinweis, dass wir leider nichts kaufen könnten, da wir mit dem Schiff da seien, bekamen wir die Antwort: „Pas de probleme“ –dann wüssten wir aber immerhin, was für ein tolles Angebot es gäbe und vielleicht kämen wir ja wieder, also ihr seid schon Klasse ihr Franzosen 😉
    An den Außenseiten rechts und links der Markthalle reihten sich meterlange Tische aneinander und alle waren dicht besetzt – nein, es war keine Familienfeier, es waren einfach Familien, Freunde oder Pärchen, die Platten voller Austern/Meeresfrüchte /Fisch, Salat, frisches Baguette und nein, nicht nur ein Glas Wein vor sich stehen hatten, überall standen die Weinflaschen auf den Tischen – alle genossen diese Köstlichkeiten, unterhielten sich angeregt und waren sichtlich mehr als zufrieden- wie war der Spruch: „Leben wie Gott in Frankreich…?“ Es war eine so tolle unbeschreibliche Atmosphäre, wir konnten uns gar nicht satt sehen an ihrem Lebensgefühl!
    Inspiriert davon suchten wir uns in einer kleinen Seitengasse eine kleine Bar, wo wir auf keine Touristen, von denen es ohnehin kaum welche in der Stadt gab, sondern nur auf Einheimische trafen, und die uns interessiert in Gespräche verwickelten und Tipps für unseren Besuch in ihrer Stadt gaben. 2,50 € für einen hervorragenden Wein! Bei uns bekommt man unter 4,50 € kaum noch ein Glas, wahrscheinlich gehört der Wein dort zum Grundnahrungsmittel 😉 Wir ließen es uns gut gehen, Auto fahren musste ja niemand, wir zelebrierten unser „Savoir-vivre“ unter Schatten spendenden Bäumen und saugten diesen Moment, diesen wunderschönen Tag förmlich in uns ein. Manchmal kann man sein Glück, genau zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort zu sein, kaum fassen – solche Momente machen mich unglaublich dankbar und demütig. Wir hätten dort noch lange sitzen bleiben können, kurz hatte ich sogar den Gedanken: „Was, wenn das Schiff jetzt ohne Dich ablegen würde…“ Es gäbe mit Sicherheit einen wesentlich schlechteren Ort, um zurückzubleiben -;)

    Aber die Vernunft und die Neugierde auf weitere interessante Häfen ließ uns das Sightseeing fortführen. Es ging durch weitere schöne Gassen an gepflegten Renaissance- und Patrizier-Häusern vorbei in Richtung des Alten Hafens mit den Wahrzeichen der Stadt – die drei Türme Tour St. Nicolas, Tour de la Chaine, Tour de la Lanterne, die auch besichtigt werden können.

    Wir verschoben dies auf den nächsten Besuch, ebenso wie das Aquarium, eines der größten privaten Aquarien Europas mit über 12.000 Meerestieren (Quai Loius Prunier) und der vorgelagerten „Île de Ré“, dem „Sylt der Franzosen“, „La Cité du Vin“, Musee des Beaux Arts“, „Musée de Vin et du Négoce“ oder das „Musée d`Aquitaine“ – denn das stand für uns fest: Hierhin kehren wir irgendwann zurück!!!

    An diesem sonnigen Samstag waren viele Segelschiffe und Boote auf dem Wasser, die Menschen flanierten an der von historischen Gebäuden gesäumten Hafenpromenade entlang, sahen einem Seiltänzer unter den Bäumen zu, die Kinder hatten ihren Spaß an schönen Spielplätzen – scheinbar ganz La Rochelle war unterwegs, und alle waren sehr, sehr tiefenentspannt und wir mittlerweile auch!

    Leider wartete der Transfer Bus am späten Nachmittag auf uns und es hieß Abschied nehmen von diesem traumhaft schönen Städtchen, von dem ich nicht nur interessante Gebäude/Kirchen/Denkmäler und auch kulinarische Köstlichkeiten mitgenommen habe, sondern ganz „viel Gefühl in meinem Herzen“ – es war für mich ein sehr bewegender Tag voller Emotionen nach vielen traurigen Momenten in den vergangenen Monaten nach dem plötzlichen Tod meiner Mutter und unseres französischen guten Freundes – für jeden hatten wir eine Kerze in der Kirche angezündet: Nous pensons à vous!

    Die Stadt ließ es sich nicht nehmen, uns musikalisch und zu unserem großen Erstaunen mit Dudelsack spielenden Männern in Schottenröcken und mit Böllerschüssen aus einer Kanone Adieu zu sagen. Die „Rocheliers“ waren nämlich früher den Franzosen gar nicht so zugetan, sondern eher ihren keltischen Nachbarn, weswegen sie heute von ihren Landsleuten noch gerne als „aufmüpfig“ bezeichnet werden, das scheint sie nicht zu stören, ihre Tracht tragen sie stolz!

    Auch unser Schiff verabschiedete sich, wie es sich gehört mit Typhon, von La Pallice und nahm Kurs auf Bordeaux/Frankreich. Und hier sollte ein weiteres „Bonbon“ auf uns warten – wir sehen uns dort in dieser schönen Stadt an der Garonne, wenn ihr wollt…

  • #22819 Antwort

    Kerstin Krückeberg

    Hallo Helga!

    Einfach nur schön! Was für ein toller Tag ! Und ich stelle fest, von La Rochelle wusste ich bisher nicht viel, außer den traurigen Ereinigssen aus dem Geschichtsunterricht. Dein Bericht hat doch so eingiges korrigiert und lädt ganz sicher ein, selbst einmal hinzureisen. Wenn ich überlege, wieviel Orte da bei meiner Liste schon dazugekommen sind, muss ich wirklich noch fleißig arbeiten 🙂 ! Immer wieder ertappe ich mich dabei, das doch so ein bisschen „Savoir-vivre“ einem hier, doch auch mal ganz gut tun würde- für die Seele ganz bestimmt! Ich versuche das schon in den Alltag mal mit einzubauen, bin aber doch nach kurzer Zeit , dann doch wieder im alten Trott! Die Schirme am Himmel sind der Hammer! Tolle Idee. Auf jeden Fall merke ich mir den den Tipp mit dem Aquarium (dafür habe ich einen Faible) und die Markthalle und auch sonst, was du so geschrieben hast!!
    Der Rundgang hat total Spaß gemacht und ich freue mich auf mehr!!! 🙂
    Ganz liebe Grüße, Kerstin

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