Teil 5 – Getxo/Bilbao

Dieses Thema enthält 1 Antwort und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Michaela vor 4 Wochen.

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  • #22996 Antwort

    Helga E.-D.

    Ein neuer Tag, ein neues Land – gegen 07:30 Uhr hatten wir Spanien, das Baskenland und den Hafen Getxo erreicht. Ich muss gestehen, ich hatte weder vorher etwas von Getxo (gesprochen „Getscho“) gehört, noch wusste ich, wo es liegt. Dieses Städtchen, quasi der Vorort von Bilbao zeigte sich aber schon von Deck aus als eine kleine Überraschung, ein schöner Strand, der jetzt um diese Jahreszeit zwar schon in Winterruhe gegangen war, am Berghang waren schöne Häuser bzw. Villen zu sehen – das wollten wir uns nach unserer Rückkehr am Nachmittag von Bilbao noch einmal näher anschauen.

    Zunächst ging es aber mit dem Transfer-Shuttle aus Getxo heraus, vorbei an der Schwebefähre, die „Biscaya-Brücke“ (älteste Schwebefähre der Welt, seit 1893 in Betrieb und heute UNESCO-Weltkulturerbe), ca. 30 Minuten in Richtung Bilbao. Das Guggenheim-Museum war wohl das Highlight der Stadt, ansonsten waren unsere Erwartungen nicht allzu hoch, hatte ich gelesen, dass die Stadt früher von der Industrie, insbesondere Eisengewinnung und –verarbeitung, gelebt hatte und Ende der 80er Jahre in Folge der Industriekrise wirtschaftlich ziemlich am Boden lag. Die Stadt hatte sich wohl mit Kunst und der nötigen Infrastruktur dagegen gestemmt. Wir würden ja sehen, denn mit der Kunst ist das ja manchmal so eine Sache 😉
    Unsere Haltestelle lag ziemlich zentral und nur wenige Geh-Minuten vom Guggenheim-Museum und somit vom Ufer des Ria del Nervión entfernt. Auf dem Weg dorthin war ich schon auf den ersten Blick sehr positiv überrascht: Bilbao ist irgendwie anders, als man sich so eine spanische Stadt vorstellt, hat man doch die typischen „südspanischen“ Urlaubsorte vor Augen. Diese nordspanische Stadt, umringt von grünen Hügeln, hat tatsächlich auf eindrucksvolle Weise die Industriekrise für eine Neuorientierung genutzt! Wurde nicht nur vom kanadischen Stararchitekten Frank O. Gehry das Guggenheim-Museum entworfen (erbaut von 1993 bis 1997), welches ca. 850.000 bis 1 Million Besucher im Jahr zählt. Man baute auch eine moderne U-Bahn (nach Plänen des britischen Stararchitekten Norman Foster), neue Brücken, legte schöne Park- und Grünflächen an, restaurierte Altes und fügte Modernes hinzu in einer so harmonischen Weise – ich war begeistert von diesen tollen Gebäuden mit einzigartigen Fassaden.

    Das Guggenheim-Museum liegt 16 m unter der eigentlichen Stadt. Trotzdem ist es, ebenso wie den davor stehenden 12,4 m hohen Blumen-Welpen „Puppy“ von Jeff Koons, schon von weitem zu sehen. Eine imposante Skulptur ist auch die Riesenspinne „Maman“ aus Bronze, leider immer umringt von Menschen, die unbedingt ein Selfie machen wollen. Das Museum ist aus Kalkstein, 33.000 Titan-Teilen, Stahl und Glas gebaut – manche erinnert es an einen Fisch, andere wie an eine Blume, gedacht hatte der Architekt allerdings aufgrund Bilbaos Geschichte an ein Schiff – im Sonnenschein bzw. bei den unterschiedlichen Tageszeiten verändert Titan seine Farbe und schimmert von gold über rosa und geht ins bläuliche/grünliche über – faszinierend. Für die Innenbesichtigung blieb leider nur wenig Zeit, das, was wir sahen, war allerdings auch sehr beeindruckend.
    Umrahmt wird das Museum von der „roten La Salve“-Brücke, ein angenehmer Spaziergang an der Uferpromenade entlang führt zur „Zubizuri“-Fußgängerbrücke des Spaniers Santiago Calatrava. Auf der gegenüberliegenden Uferseite bot sich uns ein Bild, das schon ein wenig Ähnlichkeit mit Granada hatte.

    Unser Ziel war allerdings die Altstadt „Casco Viljo“ an der Kathedrale Santiago vorbei, über die „Siete Calles“, die „Sieben Straßen“, die quasi das Zentrum Altstadt sind, obwohl das Viertel wesentlich größer als sieben Straßen ist. Fast alle Teile der Altstadt sind Fußgängerzone, in denen man herrlich bummeln und sich treiben lassen kann: Moderne und traditionelle Geschäfte, auch ein kleiner Laden, in dem man seit 200 Jahren die traditionellen Baskenmützen kaufen kann, findet sich hier. Immer wieder kleine Parks zum Ausruhen, wie z. B. der „Jardines Albia“ (an einer Ecke des Parks steht übrigens das seit 1903 eröffnete und legendäre „Café Iruna.“ Bars, in denen die Einheimischen mal eben einen Espresso oder Café trinken und auf deren Theken um die Mittagszeit die typisch baskischen „Pintxos“ (spanisch: „Pinchos“) angeboten werden: Es sind keine Tapas, sondern es sind Spieße, auf denen Fische, Meeresfrüchte, Kroketten, Thunfisch, Champignons, Käse, Schinken/Wurst und Weißbrot gesteckt werden – „Pincho“ heißt Spieß! Sie sind kein Ersatz für das Mittagessen, sondern „kleine kulinarische Hilfen gegen die Wirkung von Alkohol“ 😉 Ein leckerer regionaler Wein dazu – super!!! Und das für unsere Verhältnisse unglaublich günstige Preise, also unbedingt probieren. Es werden sogar „Pintxos-Meisterschaften „ durchgeführt – ihr Basken, ihr gefallt mir auch!

    Unser Sightseeing führte uns durch Prachtalleen am Justizpalast, am Theater, an der Plaza Nueva vorbei – wir bestaunten die Sauberkeit und das Flair dieser Gegend, die Fassaden der Häuser – eine beeindruckende Stadt, die wir auch gerne noch einmal besuchen möchten, ideal für einen verlängerten Wochenendtrip! Es gibt hier noch unzählige Museen, die sich sicherlich lohnen.
    Hier noch einige Impressionen aus dieser einzigartigen Stadt:

    Leider wartete schon wieder der Shuttle-Bus auf uns und es ging zurück nach Getxo und zum Schiff. Nach einer kurzen Erfrischungspause zog es uns an der schönen Uferpromenade, vorbei am Aquarium, in diesen ruhigen und auch noblen Ort, in dem auch gut betuchte Spanier gerne wohnen, unweit von Bilbao und dennoch ruhig und immerhin mit einem Strand.

    An einer jetzt im Herbst „einsamen“ Strandbar zeigten uns drei nette Spanier den Weg zur Oberstadt – einfach den Aufzug für 20 Cent nehmen und man ist ratzfatz oben bzw. wieder unten. Ein überaus ruhiges Örtchen, in das sich wohl wenig Touristen verirren – es gehört den Einheimischen und wird entsprechend gepflegt.

    Von einer älteren und fast schon ehrfürchtigen „Signora“ wurden wir eindringlich auf eine kleine Bar (etwa 12 Sitzplätze innen und vier kleine Holztische draußen) hingewiesen, die wir „unbedingt“ besuchen müssten: Dort gebe es „Gildas“ – eine besondere Version der „Pinchos.“ Sie blieb tatsächlich stehen, um zu sehen, ob wir ihren Tipp auch befolgen würden, also was blieb uns anderes übrig – unhöflich gegenüber einer solch „stolzen“ Spanierin wollten wir nicht sein 😉 Also nahmen wir Platz an einem dieser einfachen Holztische und –stühle unter Bäumen und wurden von der Wirtin aufs Beste über die Besonderheiten der verschiedenen regionalen Weine und der „Gildas“ beraten: „Gilda“ (gesprochen mit „Ch“ aber im Rachen) sind die einfachste Art der Pintxos, sie müssen aber traditionell immer als Bestandteil Oliven, Sardellen und Käse haben. Sie sind sehr pikant bis scharf – aber unglaublich köstlich! Ihren Namen haben sie nach dem legendären „Handschuh-Striptease“ von Rita Hayworth im gleichnamigen Film 😉 Ein Spieß 1 €, ein Glas Rijoa – hier gibt es ihn übrigens in rot, weiß und rosé – ab 1,40 €, der teuerste Wein kostete 1,90 €. Wenn das nicht der Himmel auf Erden ist!!!

    Aber auch aus dem „schönsten Himmel“ muss man sich wieder verabschieden, wenn man mit dem Schiff den nächsten Hafen ansteuern möchte, denn um 18 Uhr hieß es Leinen los. Auf dem Rückweg zum Schiff wurden wir aber von einer weiteren „Signora“ angesprochen, die ihren ca. sechsjährigen Enkel gerade aus der Schule abgeholt hatte – eine deutsche Schule, wie wir unschwer auf seiner Schuluniform lesen konnten. Wir alle nutzten die Begegnung für eine kleine „Deutsch-Nachhilfestunde“, an der wir alle unseren Spaß hatten. Adiós Getxo!

    Die für uns unerwartet überraschenden schönen Eindrücke in Bilbao und Getxo wollten erst einmal verarbeitet werden – ein musikalischer Abend mit der beeindruckenden Konzertharfe von Ekaterina Afanasieva unter dem Motto „Sommerville Samba – Tango, Rumba, Samba und vieles mehr“ passte ganz hervorragend, um diesen schönen Tag stilvoll und harmonisch mit sehr sympathischen neuen Reisebekanntschaften, und wie immer liebevoll verwöhnt und umsorgt von der stets herzlichen Crew, abzuschließen.

    Wie sagt man: „Unverhofft kommt oft“ – Bilbao und auch Getxo ihr ward es ganz bestimmt!!!

    Die MS Artania nahm Kurs auf Ferrol/Spanien. Von hier aus hatten wir einen Ausflug nach Santiago de Compostela gebucht, worauf wir uns auch schon freuten. Mal sehen, was uns dort erwarten würde – denn mittlerweile folgte ein Highlight auf das andere …

  • #23005 Antwort

    Michaela

    Hallo Helga,

    erstmal vielen Dank fürs Mitnehmen und deine bisher tollen Berichte. Ich bin heute endlich dazu gekommen alle zu lesen. Ich habe zur Zeit so viel um die Ohren, dass ich kaum dazu komme hier mitzulesen. Und dabei ist hier ja gerade so viel los und los gewesen. Aber heute bin ich endlich mal wieder up to date 😉
    Beim Bericht über das Guggenheim Museum schoß mir spätestens bei Maman Origin von Dan Brown durch den Kopf 😉 Ich bin schon gespannt auf die Bilder, wenn sie eingestellt sind.
    Ich freue mich such schon auf die nächsten Teile von dir und mein Blog steht ja auch noch aus 😉

    LG Michaela

    • #23040 Antwort

      Kerstin Krückeberg

      Hallo Michaela!
      Ich habe heute in FB deine Fotos angezeigt bekommen und ich bin schon ganz gespannt auf deinen Blogbeitrag! An einigen Orten war ich selbst schon, ist aber schon länger her und ich bin gespannt, wie es dir dort – besonders in St. Petersburg- gefallen hat!!!!!
      Vorfreude Pur auf deinen Blog!
      tschüß, Kerstin

  • #23026 Antwort

    Irmela Tölke
    Keymaster

    Liebe Helga,

    ich kann mich Michaela nur anschließen: Endlich habe ich alles nachgelesen und bin total begeistert. Um Westeuropa würde ich auch so gerne mal fahren. Gerade deine aktuell beschriebenen Häfen sind alle Neuland für mich, daher hänge ich dir gerade quasi an den Lippen.

    Vielen lieben Dank für Deine Mühe und Deine tollen Berichte. Ich hoffe, Deine Fahrt geht noch ganz lange… ;-).

    Sonnige Grüße aus Hamburg,
    Irmela

  • #23039 Antwort

    Kerstin Krückeberg

    Hallo Helga!
    Wie recht du hast, es hätte mir dort ganz bestimmt gefallen ! Und: ich sollte ganz dringend mal mit Lotto spielen beginnen, sonst sehe ich zu wenig von diesen tollen Orten!!!!! Die Fotos laden sofort auf einen Besuch ein- „Puppi“ was für eine tolle Idee !!! Ja und ich gebe dir nochmals Recht, es ist eindeutig eine „Schlemmerreise“ ! Also genau was für kulinarische Liebhaber und die Waage sollte man zu Hause wohl länger meiden- und erste ein Sporteinheiten bewältigen 🙂
    Vielen Dank ! Es macht immer total viel Spaß mit dir mitzureisen!
    Ganz liebe Grüße, tschüß Kerstin

  • #23047 Antwort

    Helga E.-D.

    Hallo Michaela,

    ich freue mich auch schon auf Deinen Blog-Beitrag – wenn es auch ab Morgen wieder mit VnM los geht, so machen doch hier „unsere eigenen“ Berichte dem Schreiber, hoffentlich auch den Lesern, viel mehr Spaß und unsere Ausflüge/Landgänge sind authentisch 😉

    Hallo Irmela,

    für uns waren fast alle dieser Orte, trotz 24 Jahre Kreuzfahrten durch Europa, ebenso Neuland und deshalb auch die Entscheidung für diese Reise. Ich kann sie nur empfehlen, zumindest zu dieser Jahreszeit waren alle Orte nicht nur interessant, sondern auch frei von den üblichen Touristenströmen wie in Barcelona usw. Lissabon war eine kleine Ausnahme, hielt sich aber noch in Grenzen – aber dahin „fahren“ wir ja noch.

    Hallo Kerstin,

    da das Mittagessen für uns i. d. R. immer ausfällt, durften wir dann auch ohne Reue überall die landestypischen Leckereien genießen – das gehört für uns einfach dazu! Sport und Tanzen am Abend hilft auch, dass das Kleid auch noch am letzten Abschiedsgala-Abend passt 😉
    Ich verlass mich lieber nicht auf „6:49“ – auf dieser Reise bekam mein Mann 500,– € Geburtstagsrabatt des Veranstalters, wer bleibt denn da zu Hause;-)

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