Teil 6 – Ferrol/Santiago de Compostela

Dieses Thema enthält 1 Antwort und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Claudia Dörl vor 3 Wochen, 2 Tagen.

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  • #23064 Antwort

    Helga E.-D.

    Am 2. Oktober erreichten wir unseren zweiten spanischen Hafen Ferrol im Nordwesten Spaniens in der Region Galicien – und in deren Hauptstadt Santiago de Compostela führte uns unser heutiger Ausflug, auch dies war aufgrund der zur Verfügung stehenden Zeit nicht auf eigene Faust durchzuführen.
    Santiago de Compostela ist der Endpunkt des Caminos/Jakobswegs, angeblich sind die sterblichen Überreste des Apostels Jakobus in der dortigen Kathedrale (Einweihung 1128) aufgehoben.

    Leider wird noch bis Ende 2020 die Kathedrale aufwendig restauriert, die Außenfassaden sind fast fertig, das gesamte Innere der Kirche ist leider eine große Baustelle. Der „Botafumeiro“, der 54 kg schwere Weihrauchkessel, der an einem 21 m langen Seil in hohem Bogen von 65 m Weglänge durch das gesamte Querschiff der Kathedrale geschwenkt wird, ist leider, wie viele andere Kunstschätze, deshalb aktuell abgebaut und eingezäunt, so dass man leider nicht viel erkennen kann. Netterweise stand im Schaufenster eines angrenzenden Geschäftes eine originalgetreue Kopie des Kessels, den man gerne fotografieren dürfe – so stand es an der Scheibe!

    Die traditionelle 12 Uhr-Pilgermesse wird zurzeit wegen der Bauarbeiten in der Kirche S. Francisco in der Nähe des Obradoiro-Platzes gehalten. Die Krypta und der Zugang zur Status des Heiligen Jakobus sind allerdings geöffnet, so dass die Pilger auch weiterhin ihrem Ritual folgen können, die Figur rücklings zu umarmen.

    Die Pilger – sie waren es, die mich, neben vielen historischen Gebäuden, am meisten fasziniert haben, es war ein „Gänsehaut-Moment!“ Diese Atmosphäre auf dem Platz vor der Kathedrale war unbeschreiblich, mancher Pilger jubelte, andere waren still und demütig, die einen hatten Tränen in ihren Augen, andere lagen sich in den Armen, wieder andere lagen sichtlich am Ende ihrer Kräfte nur noch platt auf dem Boden, andere stimmten ihre Gitarre und sangen, viele stimmten mit ein – ein Moment, den ich sicherlich nicht mehr in meinem Leben vergessen werden. Was mag jeden einzelnen dazu bewogen haben, diese Pilgerstrecke, ober kürzer oder länger, zu gehen? Es waren Pilger, die in Gruppen oder ganz alleine „ihren“ Weg gegangen waren, es waren Paare, die diese Pilgerstrecke, oft von Porto aus, gemeinsam bewältigt hatten – wir mir ein deutsches junges Paar erzählte, waren sie tagelang durch strömenden Regen gelaufen und hatten Höhen und Tiefen gemeinsam durchlebt …
    Leider darf man diese Fotos der Pilger vom Obradoiro-Platz aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht veröffentlichen, aber ganz ehrlich, ich möchte es auch nicht: Diesen Weg sind all die Pilger für sich selbst gegangen, was auch immer sie dazu bewegt haben mag, dieser Moment gehört nur ihnen!!!

    Immer noch bewegt und beeindruckt erkundeten wir die Stadt, die neben so vielen schönen und ehrfürchtigen Palästen oder auch das Kloster „Colegio de San Jeronimo aus dem 15. Jh., Kolonaden und alte Gassen hat, in denen man viele Kunsthandwerkerläden findet, z. B. Silber und Antiksilber, kein „chinesischer Tinnef“ wie uns unsere Führerin berichtete, sondern alles Unikate – man solle sich nicht von den „Händlern mit Rastazöpfen“ irritieren lassen, alles seien wahre Künstler in ihrem Metier. Es war eine riesengroße Auswahl an wunderschönen Schmuck- und Dekostücken. Diese Stadt wirkte auf mich wie eine hervorragende Kulisse für Filme aus dem Mittelalter!

    Pilger und gutes Essen – kein Widerspruch, im Gegenteil! Man denke nur an die leckeren Aachener Printen- sie waren in jedem Pilgerproviant zu finden. In Santiago de Compostela ist die Rúa do Franco die „Tapasmeile“ – eine Tapas-Bar, ein Restaurant neben dem anderen, modern und traditionell, auf den Theken lagen so viele Köstlichkeiten und lachten einen an: Von Jakobs- und Venusmuscheln, Krabben, Seespinnen und anderes Meeresgetier mit frisch gebackenem Rosinenbrot – dazu reichlich Weißwein!
    Dieser einerseits lebendige und doch wiederum auch ruhige Ort beeindruckte mich sehr und ich wäre gerne noch länger dort geblieben, aber nach einer Stärkung mit köstlichem Mandelkuchen und hervorragendem Café führte uns der Weg wieder an der Kathedrale und dem Luxushotel „Parador“ vorbei zum vereinbarten Treffpunkt der Ausflugsgruppe. Übrigens bekommen im Hotel „Parador“ die ersten 10 Pilger des Tages eine Gratis-Mahlzeit, wenn sie im rückwärtigen Kräutergarten durch eine kleine Türe kommen – wollte ich nur mal erwähnen, für den Fall, dass jemand von Euch als Pilger morgens früh dort mal auftauchen sollte 😉
    Schade, wieder war ein wunderschöner Tag (fast) vorbei, zurück an Bord genossen wir das als Alternative zum regulären Abendessen angebotene Diner „Kulinarisches Westeuropa“ in der Bodega-Bar, das im Preis inkludiert war, lediglich die Getränke gingen auf Rechnung. Auch hier ein köstlicher Streifzug durch „unser“ schönes (West)Europa!

    Wieder war eine Zeitumstellung angesagt: Vom 2. Oktober auf den 3. Oktober wurden alle Uhren an Bord eine Stunde zurückgestellt – unser schwimmendes Zuhause hatte Kurs auf Leixoes in Portugal genommen – von dort aus stand für uns die zurzeit absolut angesagte Stadt Porto auf dem Programm. Wir lassen uns überraschen…

  • #23097 Antwort

    Claudia Dörl

    Hallo Helga, ich bin sehr beeindruckt von Eurer Reise. Ein Ort ist schöner als der andere.
    Hätte ich diese Reise gemacht, dann wäre ich auch nach Santiago de Compostela gefahren. Für die Menschen, die den Jakosweg gegangen sind (ab Deutschland 800 KM), muss es warhaftig ein wunderbares befreiendes Gefühl sein.
    Am liebsten wäre ich genau in diesenm Moment auch sehr gerne an diesem Ort. Da kann man bestimmt sehr gut seine Gedanken freien Lauf lassen.
    Bin schon sehr gespannt auf Portugal.
    Liebe Grüße
    Claudia

  • #23126 Antwort

    Kerstin Krückeberg

    Hallo Helga!
    Nö- ich sags mal nicht- nö , ist auch gar nicht auf meine To-Do-Liste gekommen 🙂 ! Nö ! 🙂
    von Santiago Compostela habe ich selbstverständlich schon gehört. Vor allem auch, weil eine gute Freundin einen Teilabschnitt selbst gegangen ist, Hilfe hatte von Mitwanderern, die ein gutes Mittel für die Blasen im Schuh mit hatten und auch den Kurs des Weges korrigiert hatten. Den Weihrauchkessel habe ich schon mal im Fernsehen gesehen und hatte mich damals sehr beeindruckt.
    Und : jetzt weiß ich nicht, ob ich mich sehr oute- aber das Aachner Printen zum Pilgerproviant gehörten, hatte ich bisher nicht gewusst. Ich verband sie bisher nur mit der Weihnachtszeit und das meine Omi sie sehr liebte und immer welche im Advent parat hatte. Wieder was gelehrnt. 🙂
    Vielen Dank fürs Mitnehmen auf diese tolle Reise!
    Ganz liebe Grüße und allen ein schönes Wochenende!!!
    tschüß, Kerstin

  • #23130 Antwort

    Helga E.-D.

    Hallo Kerstin,

    Du kannst Aachener Printen das ganze Jahr über kaufen, nicht nur zu Weihnachten.
    Falls Du Aachen noch nicht kennen solltest, eine wunderschöne und sehr geschichtsträchtige Stadt (u. a. Thronsaal Karl des Großen), die sich für einen Kurzurlaub oder ein Wochenende absolut lohnt.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende

    Helga E.-D.

    • #23139 Antwort

      Kerstin Krückeberg

      Hallo Helga!
      Nee, war ich tatsächlich noch nicht da und das wäre ein super Tip für das „Mädels-Wochenende“!!! 🙂 Vielen Dank!!!!!!!!! tschüß, Kerstin

Antwort auf: Teil 6 – Ferrol/Santiago de Compostela
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