Westliches Mittelmeer und Atlantik – Teil II – Häfen

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Dieses Thema enthält 3 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Irmela Tölke vor 4 Monate, 1 Woche.

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  • #17609 Antwort

    Ricardo

    Westliches Mittelmeer und Atlantik mit MSC Preziosa – Teil II: Häfen:

    Vielen Dank für die zahlreichen freundlichen und häufig zustimmenden Kommentare. Wobei ich nochmals deutlich machen möchte, dass es mir nicht darum ging, MSC oder die Preziosa schlecht zu machen. Auch diese Art des Reisens hat ihre Berechtigung und sicher viele Anhänger. Es ist nur eben nichts für uns. Daher werden wir sehr wahrscheinlich nicht mehr mit MSC fahren, um Irmelas Frage zu beantworten.

    Als immer wieder erfreulichen Kontrast zum Bordleben empfanden wir unsere Landgänge. Vielleicht war es ganz gut, dass wir nach den ersten Erfahrungen auf die organisierten Ausflüge verzichtet haben. Sicher hatten wir dadurch nicht die Möglichkeit, möglichst viele Sehenswürdigkeiten in kurzer Zeit zu sehen. Aber sich ganz entspannt durch die Städte treiben zu lassen, hatte auch etwas.

    Es gibt zu den regelmäßig von Kreuzfahrtschiffen angelaufenen Destinationen jede Menge Quellen und auch in diesem Forum im Bereich „Häfen“ sehr vielseitige Informationen. Wir haben während unserer Reise aber einiges erlebt und erfahren, was möglicherweise für andere „Kreuzfahrer“ interessant sein könnte.

    Malaga
    Die Einfahrt in den Hafen von Malaga sollte man nicht verpassen. Die andalusische Küste wirkt vom Wasser aus ziemlich beeindruckend, vor allem bei Sonnenschein, den man an der Costa del Sol ja meistens auch geboten bekommt.

    Einfahrt in den Hafen von Malaga

    Die Kreuzfahrtschiffe legen meist am Ende der Pier an. Es sind dann schon ca. 2 km bis zur Stadt. Da diese aber nach einem ersten langweiligen Teilstück ab etwa dem Leuchtturm recht abwechslungsreich verlaufen, kann man sich den Shuttle-Bus sparen und die gute Viertelstunde gemütlich zum Ortskern schlendern. Auch dabei gibt es schon was zu sehen, den Yachthafen, den Stadtstrand und den städtischen Park (Parque de la Alameda), der direkt an den Hafen anschließt und sehr zu empfehlen ist.

    Parque de la Alameda in Malaga

    Neben der Alcazaba, der oberhalb der Stadt liegenden Festung aus maurischer Zeit, sind vor allem der Dom und das Picasso-Museum beliebte Touristenziele der Stadt. Die Altstadt ist aber auch insgesamt sehr schön und lädt zum Schlendern ein. Immer wieder gibt es Geschäfte mit regionalen Spezialitäten (z.B. allerlei Produkte aus den andalusischen Mandeln) und Kunsthandwerk. Nette Cafes und Restaurants sind zahlreich vorhanden.

    Innenstadt Malaga

    Casablanca
    Bei der Einfahrt in den Hafen von Casablanca war es leider noch dunkel und etwas neblig. Verschwommene Lichter waren daher der erste Eindruck. Weiter im Hafen fährt man durch einen großen Industriebereich. Überall wird alles Mögliche verladen. Oft auch Schüttgut (Sand und Kies) mittels uralter Fördertechnik, entsprechend staubig sind der gesamte Hafen und später auch das Schiff.

    Um den abgeschlossenen Hafenbereich zu verlassen, muss man schon ein Stück zu Fuß zurücklegen. Hier empfiehlt es sich, ein Shuttle zu nutzen. Wir haben dies unterschätzt und sind per Pedes losgezogen. Durch die Altstadt wollten wir zur Hassan-II-Moschee. Ohne Zweifel birgt diese eigenständige Variante viele Eindrücke, die einem im Bus verborgen bleiben würden, etwas unwohl war uns zwischenzeitlich aber schon. In der alten Medina verließen wir unbeabsichtigt die Hauptwege und fanden uns in einer sehr verwahrlosten Gegend wieder. Wirklich Grund zur Sorge bestand aber wohl nicht. Zumindest wurden wir nicht angesprochen, wenn auch sehr genau beobachtet. Wir waren jedenfalls sehr erleichtert, als wir den Vorplatz der Moschee und damit die „Zivilisation“ erreichten.

    „Slums“ Casablanca

    Hassan-II-Moschee in Casablanca

    Der Besuch der Hassan-II- Moschee lohnt auf jeden Fall. Immerhin ist sie nach Wikipedia mit ihrem 210 Meter hohen Minarett das derzeit höchste religiöse Bauwerk der Welt. Auch sonst reihen sich Superlativ an Superlativ. Die Baumeister haben wirklich nicht gespart. Aber gerade diese Tatsache steht im krassen Gegensatz zu der Armut in der Altstadt.

    Hassan-II-Moschee, Innenansicht

    Von diesem beeindruckenden Bauwerk abgesehen, hat Casablanca nicht wirklich viel zu bieten. Rick’s Cafe zum Beispiel ist nur ein kleines, unscheinbares Haus an der Hauptverkehrsstraße, in das man ohne Beziehungen wohl kaum hinein kommt. Zudem ist es nur ein Nachbau. In Wirklichkeit hat es das aus dem gleichnamigen Film bekannte Cafe in Casablanca nie gegeben.

    Es ist somit empfehlenswert, einen Ausflug in das Umland oder nach Marrakesch zu buchen oder notfalls an einer organisierten Stadtrundfahrt in Casablanca teilzunehmen. Allzuviel sollte man allerdings nicht erwarten.

    Lissabon
    Schon die Einfahrt in den Tejo ist beeindruckend. Spätestens wenn das Schiff die Brücke des 25. April (Ponte 25 de Abril) erreicht, bekommt man Gänsehaut. Diese Passage sollte man unbedingt auf dem Oberdeck erleben, am besten mit Blick nach vorn, sofern dies möglich ist. Das Summen des Verkehrs auf der Brücke ist kaum zu beschreiben, man muss es erlebt haben.

    Unmittelbar nach der Brücke öffnet sich der Blick auf die Altstadt. Das ist überhaupt ein sehr positiver Aspekt an Lissabon: Das Schiff liegt praktisch in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zum Praça do Comércio. Zentraler geht es nicht.

    Liegeplatz in Lissabon

    Eine erste Orientierung gewinnt man in Lissabon sehr gut bei einer Stadtrundfahrt mit den Hop on/Hop off-Bussen. Zu beachten ist allerdings, dass es mehrere Unternehmen gibt, ein gelbes und zwei rote. Gerade bei den roten kann man aufgrund der absoluten Ähnlichkeit der Busse und Haltestellenschilder schon mal durcheinander kommen und vergeblich an der falschen Haltestelle warten. Dies trifft auch auf die beliebten Straßenbahnen zu. Auf den Zustieg in die berühmte Linie 28 kann man schon einmal gut eine Stunde warten. Das muss angesichts der knappen Zeit der Kreuzfahrer wirklich nicht sein. Einfach eine andere Linie nehmen, z.B. Linie 15. Das Erlebnis ist vergleichbar und man spart jede Menge Zeit und Stress. Ähnlich verhält es sich beim Aufzug „Elevador de Santa Justa“. Ist hier die Schlange zu lang, kann man hinter dem Aufzug eine Treppe für ca. 1,50 € benutzen und die Aussichtsplattform so erreichen, ohne lange zu warten.

    Keinesfalls entgehen lassen sollte man sich eine – oder die – Spezialität in Lissabon: Pastéis de Nata. Gibt es in vielen traditionellen Cafe’s, am besten im Menü mit einem Glas Ginja (Sauerkirschlikör). Hat man hier Glück und erwischt wirkliche Qualität, ist das Geschmackserlebnis unvergesslich. Übrigens sind die aus „Verrückt nach Meer“ bekannten Hähnchen beim berühmtesten Hühnchenbrater der Stadt (Bonjardim) wirklich so lecker. Zu finden ist das Restaurant, das auch außer Haus verkauft, direkt hinter dem Praça Rossio.

    Abhängig von der Liegezeit ist es ggf. möglich, einen Abstecher in den Stadtteil Belem zu machen. Hier sind vor allem der Leuchtturm und das Hieronymuskloster (Mosteiro dos Jerónimos) bekannte Sehenswürdigkeiten und entsprechend überfüllt. Ein Tipp: Wenn man auf das Innere des Klosters verzichten kann und nur die Klosterkirche mit dem Grab Vasco da Gamas sehen möchte, muss man einfach an der langen Schlange vorbei gehen. Diese ist ausschließlich für den Klostereintritt. Hält man sich dann rechts, kann man direkt und kostenfrei die Kirche besichtigen.

    Insgesamt war Lissabon der absolute Höhepunkt unserer Reise. Eine sehr interessante und sympathische Stadt, die wir unbedingt wieder besuchen werden.

    Barcelona
    Ähnlich wie Lissabon ist auch Barcelona einerseits ein Highlight jeder Kreuzfahrt, andererseits an einem Tag nicht zu erfassen. Hier empfiehlt es sich tatsächlich, wenn man zum ersten Mal in der Stadt ist, eine Hop on/Hop off-Tour zu machen und sich dabei zumindest einige Höhepunkte vielleicht auch näher anzusehen.

    Da wir zum zweiten Mal in Barcelona waren und unseren Teenager dabei hatten, haben wir uns für eine Stadiontour im berühmten Camp Nou entschieden und es nicht bereut. Wir hatten Glück und konnten direkt nach der Ankunft die Tickets kaufen und die Stadiontour beginnen. (Das ist nicht immer so. In der Hochsaison soll es riesige Schlangen am Eintritt und auch Reglementierungen geben.)

    Auch für nicht absolut fanatische Fußballfans ist der Besuch in Europas größtem Fußballstadion (knapp 100.000 Plätze) sehr bewegend. Der Platz und das Gebäude strahlen Sportgeschichte aus, man spürt die Gegenwart großer Sportler, bedeutender Spiele und nicht zuletzt diesen gewissen Stolz der Katalanen auf ihr Stadion und ihren Club. Der Rundgang durch fast alle Bereiche des Stadions wird durch eine Ausstellung ergänzt und dauerte bei uns ca. 2 Stunden.

    Stadion Camp Nou in Barcelona

    Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch des Lebensmittelmarktes Mercat de la Boqueria. Er liegt direkt an der La Rambla (die völlig überfüllt und pseudo-authentisch ist) und bietet vor allem vormittags eine riesige Auswahl an Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und anderen regionalen Spezialitäten.

    Markt Mercat de la Boqueria in Barcelona

    Unterwegs waren wir diesmal ausschließlich mit der U-Bahn. Das ist kein Problem und schien sicher zu sein, abgesehen natürlich von vermeintlichen Taschendieben, die es aber in Barcelona (wie in allen Großstädten) überall gibt, wo viele Menschen zusammenkommen.

    Der Transfer vom Liegeplatz des Schiffes zum zentralen Platz mit Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel und die Stadtrundfahrten erfolgt in Barcelona am besten mit einem öffentlichen Hafenshuttle (blaue Busse). Diese verkehren regelmäßig und kosten 3 Euro bzw. 4 Euro als Retourticket.

  • #17621 Antwort

    Kerstin Krückeberg

    Hallo Ricardo !
    Wow, was für ein toller geschriebener Bericht! So anschaulich, als wäre man selbst vor Ort gewesen! Und das war ich dort leider noch nicht! Vielen Dank! Ich denke deine Tipps sind für zukünftige Besucher sehr wertvoll!
    Liebe Grüße, Kerstin 🙋🏻

  • #17623 Antwort

    Helga E.-D.

    Hallo Ricardo,

    Danke für den schönen Bericht, diese sommerlichen Fotos wärmen einem zurzeit das Herz;-)
    Casablanca kenne ich nicht, dafür Marrakesch, wovon ich überhaupt nicht begeistert war. Viele zu viele Touristen und Einheimische, die recht aufdringlich sind (von Affen bis Kamel-Gürtel), das Gefühl von „Märchen aus 1001 Nacht“ machte sich bei mir überhaupt nicht breit, ich war froh, als wir diesen Ort wieder verlassen konnten. Ich dachte, Casablanca hätte da mehr Romantik zu bieten.
    Von Malaga (mit Ausflug in die weißen Dörfer, Alhambra), Lissabon und Barcelona waren wir begeistert, wobei man wirklich nicht alles in einem Rutsch sehen und erleben kann, hier muss man mehrmals hin, ein Overnight in Barcelona ist auch wunderschön!
    Geht es noch weiter?
    Viele Grüße
    Helga E.-D.

  • #17643 Antwort

    Irmela Tölke
    Keymaster

    Hallo Ricardo,

    vielen Dank für diesen anschaulichen und sehr informativen Bericht und auch für die Antwort auf meine Frage, die ich nachvollziehen kann.

    Besonders interessant fand ich deine Ausführungen zu Casablanca. Ich kenne die Stadt noch nicht, aber ich wollte immer mal hin (ebenso nach Marrakesch). Jetzt ist der Drang nicht mehr ganz so groß… ;-).

    Mit unserem Sohn waren wir auch im Camp Nou. Großes Kino! Vor allem das obligatorische Foto mit dem Championa-League Pokal ;-). Wir sind alle Fußball-Fans, aber ich denke, auch nicht so Fußball-Verrückten macht der Stadionbesuch Spaß.

    Nach Deiner packenden Berichterstattung möchte mich Helgas Frage anschließen: Geht es noch weiter? Und: Plant Ihr schon Eure nächste Reise?

    Herzlich aus HH,
    Irmela

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