Frachtschiffreisen – die Entdeckung der Langsamkeit

Für viele Kreuzfahrt-Begeisterte haben auch Containerschiffe eine besondere Faszination. Wäre eine Frachtschiffreise auch etwas für Euch?

Gestern in den frühen Morgenstunden hat die 400 Meter lange und 59 Meter breite CMA CGM Antoine de Saint Exupéry am Burchardkai in Hamburg festgemacht. Nach Angaben des Hafens ist sie mit 20.776 Standardcontainern (TEU) das größte Containerschiff, das jemals Hamburg angelaufen hat. Am Samstag Nachmittag wird die CMA CGM Antoine de Saint Exupéry Hamburg wieder verlassen. Der NDR hat den Besuch in einem kurzen Film kommentiert.

Die CMA CGM Antoine de Saint Exupéry beim Anlegen            Foto: HHM/Dietmar Hasenpusch; https://www.hafen-hamburg.de

Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber uns faszinieren auch diese Schiffe sehr. Nicht umsonst machen nach Schätzungen rund 5.000 Deutsche jedes Jahr eine Frachtschiffreise. Ca. 50 Reedereien bieten in Deutschland rund 200 Schiffen für diese besonderen Fahrten an. Ich bin selber schon auf einem Containerschiff gefahren – natürlich als Besatzung und nicht als Passagier. Die Unterschiede zwischen Kreuzfahrt- und Frachtschiffen für Passagiere kann ich aber trotzdem ganz gut nachempfinden: Was man nicht glauben mag, aber Kabinen auf Frachtschiffen sind oft deutlich größer als auf Kreuzfahrtschiffen. Dafür sind sie nicht ganz so luxuriös und müssen meist selbst sauber gehalten werden. Das Essen können die Passagiere meist in der Offiziersmesse einnehmen. Dabei gibt es natürlich wenig Auswahl, sondern man isst die gute Hausmannskost der Schiffscrew einfach mit.

Das war meine Kabine auf der CMA CGM Togo, rund dreimal so groß wie meine Kabine auf der MS Artania 🙂

Ein Promenadendeck der besonderen Art lädt zu vielen entspannten Runden ein

Entertainment und Animation sucht man vergeblich. Dafür gibt es auf vielen Schiffen aber auch schon richtig gute Fitnesstudios und manchmal sogar Pools und Saunen. Das Besondere dieser Reisen liegt aber gerade darin, dass es keine speziellen Angebote gibt, sondern Passagiere die Chance haben, ganz für sich zu entspannen. Nach Branchenangaben machen besonders viele Menschen eine Frachtschiffreise, wenn sie einen Burnout erlitten haben, Auswandern, Flugangst oder große Probleme mit dem Jetlag haben. Ein bisschen Flexibilität muss man natürlich auch mitbringen, denn die Pläne der Schiffe geraten, je nach Charter, schon mal durcheinander. Die Reisen sind oft deutlich länger als klassische Kreuzfahrten, dafür sind Hafenauftenhalte oft kurz oder über Nacht. Man sollte sich vorher genau über die Eventualitäten der jeweiligen Reederei und der jeweiligen Route informieren. Für die meisten Passagiere ist hier der Weg das Ziel.

Manchmal findet das Sightseeing eben nur von Deck aus statt, aber schön ist es allemal

Von Irmela weiß ich, dass eine Frachtschiffreise sie schon mal reizen würde, und ich liebe die Seefahrt ja sowieso um ihrer selbst Willen. Aber wäre diese Art des Reisens auch etwas für Euch? Wann ja, warum oder wenn nein, warum nicht? Wer von Euch hat schon mal eine Frachtschiffreise unternommen und kann hier davon berichten? Ein wertes Mitglied unserer Community wird ganz bald seine erste Frachtschiffreise antreten und hoffentlich hier davon berichten. Wir freuen uns schon und sind sehr gespannt.

Die CMA CGM Togo

Für heute wünschen wir Euch ein tolles Wochenende und sagen Ahoi & Herzlich,

Eure Christian & Irmela

 

14 thoughts on “Frachtschiffreisen – die Entdeckung der Langsamkeit”

  1. Für mich wäre das nichts. Ich mache eine Kreuzfahrt um viele Länder kennenzulernen. Da brauch ich dann kulturellen Input und möchte daher inmer viele geführte Ausflüge machen. Luxus bräuchte ich auf einem Schiff zwar nicht unbedingt, aber das kulinarische Angebot auf einem Kreuzfahrtschiff ist im Urlaub natürlich auch nicht zu verachten.

  2. Hallo!
    Ich habe noch keine Frachtschiff-Reise gemacht , aber gehört, das man damit etwas näher an der „ normalen „ Seefahrt ist, als natürlich beim Kreuzfahrt- Schiff. Eine Kundin nutzt diese Reiseart, nachdem viele klassische Seefahrten ihr zu langweilig wurden. Berichtete allerdings auch, so alleine als Frau, oft erst ein mulmiges Gefühl dabei ist. Wenn sie die Crew kennengelernt hat, ist es dann entspannter. Ausflüge sind dann in eigener Regie und das private Fahrrad ist immer mit dabei.
    Ich glaube, mir persönlich , ist dann die herkömmliche Kreuzfahrt- Meer oder auch mal Fluss , lieber. Richtig Luxus muss es aber auch nicht sein und Nicole hat da meinen Geschmack gut getroffen. Da sind wir uns ähnlich!
    Wünsche euch allen ein schönes Wochenende! Und genau- in Hannover schneit ❄️es schon wieder 😳! Der Frühling ist dieses Jahr irgendwie komisch drauf! 😂
    Tschüss, Kerstin 🙋🏻

  3. Meine Eltern waren in den 60ger Jahren schon 6 Monate im Mittelmeer mit einem Frachter unterwegs.
    Ich hatte als 17jährig ein spontanes Angebot von Kapstadt nach Bremerhaven in 3 Wochen als Gast des Kapitäns wollte aber nicht die 1 Woche mit meiner Freundin im Schüleraustausch verlieren, denn ich hatte nur im Spaß gefragt ob ich mitdarf und der Kapitän sagte ja pack Deinen Koffer in 2 Stunden legen wir ab. Außerdem musste ich nach der Woche meine 1. Ausbildung antreten. Heute bedauer ich das Ganze und würde sofort mitfahren wenn das Angebot nochmal käme.
    So generell würde ich jedoch ein Schiff mit Segeln einem Container jederzeit vorziehen. Wenn ich mir so ansehe wie oft die Schiffe tagelang vor Kapstadt auf Reede liegen weil sie wegen Wind nicht in den Hafen kommen. Das wäre mir zu langweilig.

  4. Hallo zusammen,
    bei mir geht das Abenteuer „Frachtschiffreise“ ja in rund zwei Monaten los. Bin schon mächtig gespannt und beginne so weit möglich langsam das „Drumherum“ zu organisieren. Siehe https://kreuzfahrt-begeistert.de/forums/topic/suche-infos-fuer-hamburg/
    Am 29.3 gibt es im NDR eine Sendung dazu. Details siehe obiger Link.

    Das werte Mitglied unserer Community
    Bernd

    P.S. Je mehr Tipps ich für Hamburg bekomme desto besser werden die werten Berichte sein🙂

  5. Frachtschiffreisen sind wohl auch im Trend , Aber so als Frau alleine , eher nicht Frachter unter Segeln fände ich auch interessanter , als diese Container Hochhäuser. So einen Komfort und zurück brauche ich auch nicht, und Hausmannskost ist auch genießbar. Dem Community Bernd gute Reise, kremple die Ärmel hoch und helfe den Jungs💪

  6. Ich habe zwischen 1975 und 1983 drei Frachtschiffreisen gemeinsam mit meinen Eltern unternommen und habe sie in sehr guter Erinnerung. Wir waren auf polnischen Stückgutfrachtern unterwegs und hatten manchmal auch mehrere Tage Zeit Häfen und ihre Umgebung zu erkunden.Langeweile kam nie auf wir haben uns mit Beschäftigungsmaterialien eingedeckt und haben auch viele interessante Menschen kennengelernt.

  7. Hallo Christian,

    eine sehr schöne Kabine, die Du da hattest, so komfortabel war ja nicht einmal unsere erste Kabine auf der TS Maxim Gorkij 1995 – und sehr, sehr aufgeräumt;-) Respekt!!!
    Für meinen Mann und seinen Freunden wäre eine Frachtschiff-Reise sicherlich mal etwas, aber ich würde dann lieber eine „Mädels-Tour“ auf einem Kreuzfahrtschiff bevorzugen. Ich liebe Kreuzfahrten, weil sie so sind wie sie eben sind! Einen gewissen Komfort, Kultur/Sightseeing, kulinarische Highlights, Freizeitangebote, eine mich verwöhnende liebe Crew etc. etc. – „Kabine sauber halten“ habe ich jeden Tag zu Hause und „Eintopf“ auch des Öfteren;-) In meinem eher knapp bemessenen Urlaub habe ich es schon gerne, wenn andere einmal mir etwas Gutes angedeihen lassen, wenn ich auch immer gerne für meine Familie da bin und auch in meinem Beruf im Krankenhaus selbstverständlich immer ein offenes Ohr und eine helfende Hand habe. Mein Akku muss deshalb ab und an auf einer „richtigen“ Kreuzfahrt wieder aufgefüllt werden. Für mich also ganz klar „Verwöhn- und Kulturprogramm“ denn „Abenteuer.“ Aber ich bin auch schon sehr gespannt, was Bernd zu berichten hat, werde mir sicherlich auch den TV-Tipp anschauen!
    Viele Grüße
    Helga E.-D.

    1. Hallo Helga, nun musst Du Dich mal outen:Du bist eine KKH maus und ich auch Ich bin MT A für klinische Chemie und Du???? Neugierige Grüsse gen Norden

  8. Vor einigen Jahren war ich nahe dran, so eine Frachtschiffreise im Februar ganz hoch nach Finnland im eisigen Bottnischen Meer zu machen. Aus gesundheitlichen Gründen musste ich dann jedoch davon Abstand nehmen. Das Risiko einer ausserplanmäßigen Ausschiffung. war damals doch zu hoch. An Bord eines Containerschiffes gibt es in der Regel auch keinen Arzt,. soviel ich weiß. Deshalb gilt auch die Empfehlung, dass über 60jährige von einer Containerschiffreise absehen sollen.
    Ein etwas jüngerer Bekannter hat diese Reise dann inzwischen aber schon 2x gemacht und war restlos begeistert. Er steht heute noch im Kontakt mit Crewmitgliedern und erzählte mir, an Bord gilt: ist die Kabinentür zu, will man seine Ruhe, ist sie offen, darf jeder kommen.
    Eisbrecher waren stets in der Nähe, um die Fahrrinne offen zu halten
    An Land kam er allerdings nicht, weil die Zeit zu kurz war und die Industriehäfen oft weit außerhalb der Städte seien.
    Bei so einer Reise ist das Schiff das Ziel.
    Gruß an alle
    Gudrun

  9. Hallo zusammen,

    als Hamburger kenne ich den Hafen und seine Schiffe so lange ich denken kann. Und wenn ich als Grundschüler in den 1950er Jahren eine Hafenrundfahrt machte, dann gab es eine Menge zu sehen. Nur große Passagierschiffe, wie zum Beispiel die HANSEATIC der Hamburg-Atlantic-Linie waren recht selten. Aber es gab die WAPPEN VON HAMBURG und die BUNTE KUH im Seebäderdienst nach Helgoland.

    Der „He Lücht“ von der „Großen Hafenrundfahrt“ der HADAG erklärte beispielsweise: „Hier im Kaiser-Wilhelm-Hafen sehen Sie am Auguste-Victoria-Kai einen Frachter der Hamburg Südamerikanischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft. Das Schiff kann 12 Passagiere mitnehmen. Bei mehr Passagieren müsse ein Schiffsarzt an Bord sein. Am vorderen Mast ist der blaue Peter aufgezogen – was bedeutet, daß das Schiff alsbald auslaufen wird.“

    Ob zum Vergnügen oder um endgültig in ein fernes Land zu gelangen – Frachtschiffreisen gab es wohl schon immer. Und es ist sicher eine Möglichkeit „echte Seefahrt“ zu erleben. Jedoch kann ich mir vorstellen, daß der Container hier vieles kaputt gemacht hat. Die Liegezeiten der Container-Riesen sind zu kurz und die Liegeplätze im Hafen zu weit weg vom Zentrum. In Hamburg kommen daher keine Seeleute mehr nach St. Pauli. Die einst im Film von Hans Albers und Freddy Quinn romantisierten Seemannskneipen sind weg. Die Besatzungen kommen, wenn sie Glück haben, bis zum Seemannsklub „Duckdalben“ unterhalb der Köhlbrandbrücke – eine für Touristen unwirkliche Gegend. Als aus den Stückgutfrachtern noch Kisten, Säcke und Ballen, mit sich auf den Kaianlagen drehenden Krähnen entladen wurden, lagen die Schiffe zwei drei Tage lang – oder länger – im Hafen. Die Seeleute hatten Zeit an Land zu gehen. Und eventuelle Passagiere, die mit dem Schiff mehrere Häfen anliefen, hatten dann auch ausgiebig Zeit den jeweiligen Hafen mit seiner Stadt kennenzulernen. Vielleicht sogar besser, als heute mit einem Kreuzfahrtschiff. Heutige Liegezeiten, von oftmals unter zwölf Stunden (davon eventuell noch ein großer Zeitraum in der Nacht) lassen zum Landgang eigentlich kaum mehr Zeit.

    Auf der MEIN SCHIFF oder der ARTANIA kann man Ausflüge im Voraus buchen. Oder die örtliche Tourist-Information baut vor dem Schiff einen Informationsstand auf – vermittelt im im günstigsten Fall noch einen individuellen Tour-Guide. All das ist bei Frachtschiffreisen auf Containerschiffen nicht gegeben. Vorstellen könnte ich mir eine Reise auf einem kleineren Frachter – Kümo – welcher beispielsweise Holz aus dem skandinavischem Raum in einen deutschen Hafen bringt. Der ist dann in acht Tagen wieder da und nimmt einen mit zurück.

    An sich ist Urlaub auf dem Schiff was schönes. Zweimal Donau und einmal Seine empfand ich als gemütlich. Mit der (mir zu großen) MEIN SCHIFF ging es 2010 von Kiel über Bergen, Geiranger, Leknes, Akureyri, Raykjavik, Torshavn, Invergorden nach Hamburg. Mit der ARTANIA unter Kapitän Flatebø und Klaus Gruschka ging es 2016 (mit Tendern in Stornoway) rund um Großbritannien. Und mit der ALBATROS ist für 2019 die Reise in die neue Welt gebucht.

    Es grüßt
    Der Werner

    1. Ja Werner, wer wünscht sich nicht die guten alten Zeiten der Seefahrer zurück , wenn die Jungs Zeit hatten auf Pauli die Hafen Kneipen „leerzusaufen“ und dann singend und torkelnd Richtung Hafen zurückzugehen. Auch diese Zeiten hatten ihren Reiz 😊

  10. Meine erste große Seereise habe ich 1966 gemacht, auf einem Frachtschiff – ein Kühlschiff der Reederei Bruns. Es ging von Hamburg über Jacksonville/Florida, durch den Panamakanal bis Guayaquil/Ecuador und wieder zurück nach Hamburg. Es hat mir sehr gut gefallen, Essen gut, Kabine groß und gemütlich, viel frische Luft und echte Seefahrt ( keine Stabilisatoren!).Für Unterhaltung war gesorgt: Tischtennis, Shufflebord, kleiner Swimmingpool, abends eine kleine Bar, Grillabende mit Hähnchen am Spieß und sogar Äquatortaufe.
    Wie von Werner beschrieben,hat sich ja einiges geändert, vor allem die Liegezeiten sind kürzer geworden.

  11. Hallo Herr Baumann,
    ich habe gerade meine zehnte Frachtschiffreise hinter mir und bin immer noch begeistert. Man kann immer auf der Brücke sein, was mich als nautisch Interessierter immer wieder beeindruckt. Mein Lieblingsschiff ist die „THETIS D“ der Reederei Drevin aus Cuxhaven, die nächste Reise ist schon in Planung.
    Grüße aus Bremen
    Thomas

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