Kiriwina – Südseefeeling mit Lokalkolorit

Wir haben es geschafft! Gestern konnten wir endlich auf eine der Trobriand Inseln tendern…

Obwohl es noch relativ windig und das Tendern für die Crew nicht ganz einfach war, konnten wir nach Kiriwina Island übersetzen. Als größte der Trobriand Inseln soll sie um die 12.000 Einwohner haben. Die Pacific Eden tendert zum Dorf Kaibola am nördlichsten Punkt der Insel. Schon der Anblick vom Schiff aus vermittelte einen Hauch von Robinson Crusoe, aber bei der Ankunft kam es noch besser.

So wohnt man hier, und das Schwein schläft vor dem Haus 😉

Die ganze Insel schien zu unseren Ehren auf den Beinen zu sein und hatte am Wegesrand unzählige Stände aufgebaut. Dort boten Männer, Frauen und Kinder selbstgemachte Basttaschen und –matten, Muscheln, Ketten und sehr schöne Holzschnitzereien an. Wir wollten erst einmal die Insel erkunden. Wie passend, dass sich ein zwölfjähriger, sehr pfiffiger Junge namens Lukas an unsere Fersen heftete und zu unserem Guide wurde. Er führte uns herum und erklärte in sehr gutem Englisch, wie sie leben (in einfachen aus Palmenwedeln errichteten Einraumhütten), was sie essen (u.a. Bananen, Kokosnüsse, Yamswurzeln, Hühner, Eier, Fisch und Schweinefleisch) zeigte uns stolz sein Dorf, den zentralen Brunnen, die zentrale Toilette, seine Schule, den „Arzt“ und beantwortete geduldig alle unsere Fragen.
Überall, wo wir auftauchten, fingen Kinder an zu tanzen oder singen. Der Strom der ankommenden Insulaner schien gar nicht abzuebben. Immer mehr Menschen fanden sich ein, wobei vor allem die Frauen die schweren Lasten oft auf dem Kopf trugen. Autos gibt es hier nur ganz wenige und sind meist im Besitz der Verwaltung. Wir selber haben nur einen einzigen Pick-up gesehen.

Alle Menschen kommen nur unseretwegen…

Singende Kinder in traditioneller Kleidung

Wer nicht einkauft oder die Insel erkundet, kann sich in so genannten Scull Caves die Gebeine (angeblich im 2. Weltkrieg) verstorbener Insulaner ansehen. Heute werden die Toten – wie uns Lukas erklärte – mitten in den Dörfern bestattet, damit die Lebenden besser auf sie aufpassen können. Endlich konnten wir auch unsere mitgebrachten Spenden an die Schule und einige Kinder verteilen. Hier auf Kiriwina waren sie genauso willkommen und notwendig wie wohl auch auf Kitawa.

Der frühe Vogel fängt den leeren Strand

Nach einem ca. einstündigen Rundgang haben wir uns an den Strand aufgemacht. Für ca. 10 bis 20 Kina bieten Jungen kleine Rundfahrten in ihren Kanus an. Unser Sohn war total begeistert und freundete sich gleich mit einem Jungen an, der ihn auf einer längeren Extratour über das glasklare Wasser über die Korallen paddelte. Leider waren wir zur Ebbe da, so dass das Wasser zum Schwimmen oder Schnorcheln viel zu flach war. Aber im Wasser watend oder unter eine Palme beobachtend konnten wir das Dorfleben wunderbar an uns vorbeiziehen lassen.

Traditionelle Boote warten hier auf uns

Gegen Mittag hatten die Einheimischen auch selbstgemachtes Essen im Angebot. Wer wollte, konnte unter anderem gekochten Hummer und frische Früchte kaufen. Obwohl die Menschen ganz offensichtlich nur unseretwegen gekommen waren (es gab auch schulfrei), haben wir uns nie bedrängt oder übervorteilt gefühlt. Lukas erzählte, dass die Schiffsanläufe erst seit 2015 gäbe und damit ein neues Laben für sie begonnen hätte. Die Menschen sind auf den Besuch der Passagiere angewiesen, weil viele Insulaner als Schnitzer oder Bauern arbeiten und damit kein Geld verdienen können, um ihre Kinder auf Schulen und Universitäten zu schicken. Außerdem hätten die Schiffsanläufe für mehr Frieden unter den zum Teil verfeindeten Dörfern gesorgt, da man sich jetzt gemeinsam um die Passagiere kümmere.

Die Menschen sind offen, hilfsbereit und unglaublich freundlich. Überall sieht man ein (oft rotes) Lächeln in den Gesichtern. Viele Erwachsene haben rot gefärbte Zähne. Eine „Nebenwirkung“ des Kauens von Betelnüssen. Ihr Genuss ist speichelfördernd (deshalb wird hier viel ausgespuckt) und soll aufputschend wirken… Und aufgeputscht waren auch wir nach unserem Besuch. Kaum vorstellbar wie Menschen am anderen Ende unserer Welt leben. Bei all dem Luxus, den sie in unseren Augen missen, scheinen sie sehr glücklich, entspannt und zufrieden zu sein. Ein toller Ausflug, der uns alle nachhaltig beindruckt hat.

Der Tender bringt uns wieder zurück in „unsere“ Welt

Jetzt verlassen wir das ursprüngliche PNG, denn als nächster und letzter Stopp steht ein deutliches Kontrastprogramm an. Aber dazu demnächst mehr. I’ll keep you posted.

Herzlich,

Eure Irmela

P.S. Noch eine bezeichnende von vielen interessanten Geschichten heute: Der Paddelfreund unseres Sohnes war begeisterter Fußballer und wusste auch, dass vor kurzem die Fussballweltmeisterschaft stattgefunden hat. Allerdings wusste er (noch) nicht, wer Weltmeister geworden ist. Das haben wir ihm dann berichtet ;-). Unglaublich, aber hier gibt es eben keine Zeitung, kein Internet und nur einen (per Dieselgenerator betriebenen) Fernseher, der wie ein Kino funktioniert. Eintritt ein Kina (ca. 35 Cent).

 

7 thoughts on “Kiriwina – Südseefeeling mit Lokalkolorit”

  1. Hallo Irmela,

    wunderbar, dass dieser Landgang mit seinen besonderen Eindrücken geklappt hat und wir auch noch daran teilnehmen dürfen!!! Deine Schilderungen berühren mich einerseits und bestätigen mich auf der anderen Seite, nicht alles sofort mit „deutschen Augen“ zu bewerten. Nehmt diese unglaublichen Erlebnisse in Eurem Herzen mit nach Deutschland und in den Alltag, hebt sie dort gut auf und erinnert euch an sie, wenn es mal nicht so läuft, wie man sich das gerade wünscht.

    Genießt die restliche Zeit und kommt wieder gesund nach Hamburg zurück

    Helga E.-D.

  2. Liebe Irmela,
    mit großem Interesse habe ich diesen Bericht gelesen.Wir die im Wohlstandsüberfluss leben,können es uns fast nicht vorstellen,dass Menschen in der heutigen Zeit noch so leben.Sie sind glücklich u. zufrieden in ihrer Welt. Wie lange noch?

  3. Moin Irmela,
    toller Bericht, tolle Fotos!!
    Ich kann es gut nachvollziehen, dass Euch der Ausflug gefallen hat.

    Die Strände sehen ja ja wirklich Bilderbuchhaft aus! Aber die Wolken auch bedrohlich … hat es denn geregnet ??

    Die Freundlichkeit dieser Menschen und das sie scheinbar wirklich glücklich sind, ist mir bei anderen Gelegenheiten auch schon aufgefallen! Das stimmt einen in der Tat schon irgendwie nachdenklich …

    VG Klaus

    1. Hallo Klaus,
      in den Tropen hat man oft solche Wolkenberge. Manchmal schauert es auch kurz, aber an dem Tag und überhaupt auf dieser Reise blieb es meist trocken. Ich für meinen Teil bin oft ganz froh über die Wolken, denn ohne hält man es nicht lange draußen aus. Und wir wollen ja unterwegs sein… ;-).

      Liebe Grüße und ich hoffe, Du bist auch bald wieder auf Tour ;-).

      Irmela

  4. Liebe Irmela!

    Wie schön das eurer Ausflug geklappt hat! Der Bericht war sehr interessant und macht auch etwas nachdenklich. Ich finde es aber toll, das gleich dein Sohn Freundschaft schloss und ihr einen so netten Reiseführer hattet. Ich finde gerade solche Ausflüge erweitern den eigenen Horizont ! Liebe Grüße und eine schöne Weiterreise und bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht! Tschüss, Kerstin 🙋🏻
    Die Fotos sind super!!!!

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