Norwegian Getaway – der erste (See-)Tag

Nachdem unsere Entscheidung an Bord zu bleiben gefallen ist, gilt es nun, das Beste aus dem Schiff zu machen…

Und was kann da eine härtere Probe sein, als ein Seetag? Die erste Nacht brachte auf jeden Fall schon den nächsten Makel der Getaway ans Licht. Vielleicht liegt es an der Lage unserer Kabine (Deck 12 im hinteren Viertel des Schiffes), aber auch ohne erheblichen Wellengang oder Sturm hat unsere Kabine die ganze Nacht vibriert. Eigentlich sind wir nicht sonderlich zimperlich. Ein Schiff bewegt sich nun mal. Aber wenn die Matratze die ganze Nacht vibrierend gegen deine Wange arbeitet, helfen weder Ohrstöpsel noch andere Tricks beim Schlafen. Dementsprechend groggy starten wir in den Tag. Immerhin werden wir beim Aufwachen von der Insel Stromboli begrüßt. Immer wieder schön und schon mal ein Pluspunkt auf der Habenseite.

Guten Morgen Stromboli

Auch das Wetter meint es heute relativ gut mit uns. Es ist zwar ziemlich windig, aber auch sonnig. Das Frühstück nehmen wir im äußeren Teil des Garden Cafés ein, der leider komplett überdacht, durch Fenster verschlossen und nur zum Poolbereich geöffnet ist. Das macht ihn extrem zugig und ungemütlich. Wir könnten natürlich auch in einem der vielen Restaurants à la Carte essen, aber zum Frühstück gefallen uns Buffet und frische Luft am besten. Drinnen sitzen wir schließlich zuhause noch lange genug!

Morgens hat man auf dem Joggingtrack noch freie Bahn

Wir nutzen das gute Wetter und versuchen es mit Sport an der frischen Luft. Walken um das Joggingdeck geht morgens noch ganz gut. Wenn die Liegen an der Seite besetzt sind, kann man es aber vergessen.  Ein wirkliches Highlight des Schiffes ist die so genannte Waterfront. Eine Art Promenadendeck auf Deck 8, auf dem einige der besten Restaurants und Bars auch einen Außenbereich haben. Eine sehr schöne Idee und ein wunderbarer Platz zum Sitzen. Zum „Promenieren“ ist die Waterfront allerdings nur eingeschränkt tauglich. Leider läuft sie auch nicht um.

Die Waterfront wird schnell zu unsere, Lieblingsplatz

Während unser Sohn sich in die drei Riesenrutschen schockverliebt hat (zwei davon richtige Free-Fall-Dinger, die ich noch mal gesondert beschreiben muss), suchen wir ein gemütliches Plätzchen an Deck. Wie befürchtet, sind gegen 10.00 Uhr fast alle Liegen belegt. Sicher wurde die Anzahl auch reduziert, um die Liegedichte an Deck zu entzerren, aber wenn man sich anschaut, wieviel Platz im kostenpflichtigen Vibes Beach Club leer und ungenutzt ist, blutet einem das Herz. Der Eintritt hätte bei dieser Reise 239,00 USD pro Person für die gesamte Reise gekostet, und das natürlich netto, wie auf amerikanischen Schiffen üblich. Unser Sohn hat leider keinen Zutritt. Bei diesem Preis und der doch recht volatilen Wettervorhersage schien uns diese Investition wenig sinnvoll ;-). Ein Schelm, wer vermutet, die verknappten Liegen an Deck sollten zur vermehrten Buchung des Vibes Clubs anregen…

Hinter diesen Scheiben liegt der Vibes Beach Club…
… und auf dieser riesen Fläche ist kein Mensch – ein Jammer

Da das Sonnendeck auf Deck 18, das wir eigentlich ansteuern wollten, angeblich wegen des Windes geschlossen ist, weichen wir auf Deck 16 aus. Heute wissen wir es noch nicht, aber dieser Platz ein Deck über den beiden Pools in der Mitte des Schiffes, wird für die gesamte Reise unser „Liegeplatz“ sein. Hier liegt man nicht nur etwas abseits des Trubels und jenseits der Laufzonen. Man kann sich auch je nach Stand der Sonne einmal um sich selbst drehen ;-). Im Herbst ist es ja nicht mehr so heiß und Schatten daher kaum erwünscht (wenn denn die Sonne denn überhaupt scheint, doch das kommt später).

Während wir dort so liegen, passieren wir die Straße von Messina. Und da ist er wieder, so ein besonderer Moment, den man nur auf dem Schiff erlebt und für den man eigentlich alles hinten anstellen kann… Und auch unser Sohn ist happy. Er hat es tatsächlich geschafft und an der Rutsche einen gleichaltrigen Jungen angesprochen: Ben aus Kanada. Gemeinsam halten Sie die Rutschen-Crew auf Trab und haben einen ziemlich coolen Tag. Nummer eins von fünf ist also schon mal gefunden.

Diese Rutsche hört auf den Namen THE WHIP – die Peitsche 😉

Während uns Frühstück und Mittagessen bisher noch nicht wirklich vom Hocker reißen, hatten wir beim ersten Abendessen gestern einen ganz guten Eindruck. Die vielfältige Restaurantlandschaft hier muss ich mal gesondert beleuchten. Ein großer Vorteil ist auf jeden Fall, dass es hier keinen großen Speisesaal mit Tischzeiten gibt, sondern man essen kann, wann und wo man möchte. Dieses „Freestyle-Konzept“ war u.a. Schuld daran, dass wir 2006 über NCL zum Kreuzfahren gekommen sind. Und auch heute Abend genießen wir ein gutes Essen in der gemütlichen Atmosphäre des im Preis inkludierten TASTE Restaurants.

Ein Sundowner an der Waterfront

Den Tag beschließen wir traditionsgemäß mit einem Betthupferl auf unserem Balkon. Beim Anblick des nächtlichen Meeres kommen wir immer mehr in Kreuzfahrt-Flow und uns beschleicht das Gefühl, dass eine Kreuzfahrt eigentlich gar nicht richtig schief gehen kann. Schließlich – und da hat Pascal in den Facebook-Kommentaren tatsächlich recht – reist man ja nicht nur WEGEN des Schiffes, sondern um die Destinationen zu sehen. Aber die Reise MIT dem Schiff ist eben auch nicht ganz unwichtig, und jeder hat daran andere Erwartungen. Und auch das Wetter sollte halbwegs mitspielen. Die Vorhersage für morgen und unseren Stopp in Dubrovnik ist allerdings verheerend. Daher stellen wir einfach mal keinen Wecken und betten uns ohne große Erwartungen in unsere vibrierenden Kojen.

I’ll keep you posted!

Herzlich,

Eure Irmela

P.S.: Diese Reise haben wir Anfang Oktober gemacht. Aus organisatorischen Gründen berichte ich dieses Mal im Rückblick.

3 thoughts on “Norwegian Getaway – der erste (See-)Tag”

  1. Herzlichen Dank für die massvolle, dennoch informative Kritik. Zumindest konnte ich als sehr aktiver Kreuzfahrer, allerdings bald der höchsten Altersgruppe und deshalb auch kinderlos, den Entscheid treffen, dass NCL für mich keine Alternative sein kann (Mein Favorit ist Regent SSC, um das Budget nicht stets zu überschreiten daneben aber auch Mein Schiff 2 sowie MSC im Yacht Club).

    Lassen Sie sich an dieser Stelle sagen, dass ich keinen Ihrer Berichte verpasse und mich immer auf den nächsten freue. Sie sind nicht nur eine Fachfrau der christlichen Seefahrt, ich schätze ebenso Ihren Schreibstil.

    1. Lieber Herr Renner,

      vielen Dank für Ihren sowohl konstruktiven als auch sehr schmeichelhaften Kommentar. Ich freue mich, wenn andere (Kreuzfahrer) meine Texte gerne lesen und nebenbei noch etwas „mitnehmen“ können. Regent SSC würde ich auch sehr gerne mal testen – man muss ja auch noch Ziele haben…;-)

      Herzliche Grüße aus Hamburg!

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