Norwegian Getaway – eine völlig neue Erfahrung

Stellt Euch vor, Ihr schifft mit Eurer Familie ein und würdet am liebsten gleich wieder von Bord gehen… 

Herbstferien – für uns traditionell die Zeit für eine Kreuzfahrt in Süd-Europa. Und die Sehnsucht nach Meer ist auch dieses Jahr wieder riesengroß. Weil wir im Sommer auf der Celebrity Apex selbstbestimmte Ausflüge unternehmen konnten, wollten wir unbedingt ein Schiff, auf dem das ebenfalls möglich ist. Da Reisebedingungen, -daten, -kosten und -route perfekt in unsere Ferienplanung passten, haben wir kurzentschlossen die Norwegian Getaway gebucht. Die groben Rahmenbedingungen: Nur vollständig Geimpfte und antigen-getestete Passagiere, Schiff ca. zur Hälfte gefüllt, Maskenpflicht an Bord und selbständige Landgänge. Natürlich haben wir uns auch das Schiff im Vorfeld angesehen. Wir wussten, unter normalen Umständen wäre es für uns NIEMALS in Frage gekommen: zu groß, zu bunt, zu viel „Spielzeug“, keine Außenfläche im Buffetrestaurant und zu viele exklusive VIP-Bereiche, aber besondere Zeiten erfordern bekanntlich flexibles Handeln. Und wenn ein Schiff nur halbvoll ist, müsste doch für alle mehr als genug Platz sein…

Bunt und groß: die Norwegian Getaway

Am 4. Oktober gehen wir in Rom an Bord. Seit 2008 haben wir keinen Fuß mehr auf ein Norwegian Schiff gesetzt (damals hatten wir einige Reisen mit der Dawn und der Star gemacht), und wir sind dementsprechend gespannt. Zu den Eckdaten: Die Norwegian Getaway ist 326 m lang, 52 m breit und bietet rund 4.000 Passagieren Platz. In 2014 gebaut, wurde sie 2019 umfänglich renoviert. Danach ist sie Corona bedingt kaum mehr gefahren. Daher gab es auch wenig aktuelle Berichte oder Bilder im Netz. Rein äußerlich ist das Schiff aus unserer Sicht kein Leckerbissen. Es hat zwar eine schöne Form, doch die alberne Bemalung und das auslandende Spieleparadies auf dem Oberdeck (bestehend aus drei riesigen Rutschen und einem Kletterpark) haben unserer Meinung nach nichts mit einem klassischen Kreuzfahrtschiff zu tun. Aber wie gesagt: Flexibilität ist das Wort der Stunde.

Das Einschiffen verlief bereits größtenteils im Vorfeld und digital. Sogar die Fotos für unsere Bordausweise konnten wir schon vor der Reise hochladen. Inklusive Antigen-Test dauerte die Einschiffung rund 1,5 Stunden. Und bereits in der Warteschlange bestätigt sich eine unserer Befürchtungen: weit und breit keine Gleichaltrigen für unseren Sohn (12), eher Rentner und kinderlose Paare. Aus den USA reisen im Oktober keine Teens an und in Europa gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu viele vollständig geimpfte Jugendliche mit Schulferien, Aber naja, denken wir, im Teenclub wird er schon den einen oder anderen kennenlernen…

Balkonkabine Norwegian Getaway
Unsere Balkonkabine

Die Balkonkabine, die wir gegen 13.00 Uhr betreten, ist recht klein, aber ok. Vor allem der Schrankplatz ist ausreichend, was bei drei Personen ja nicht unwesentlich ist. Begeistert sind wir von unserem Balkon. Da unsere Kabine den äußeren Versatz am Schiff umspannt, ist ihr Balkon größer als die anderen, die leider eher winzig ausfallen. Unser Drill fand bereits zuhause statt und bestand aus der Sichtung eines Safety-Videos. Vor Ort müssen wir nur noch bei unserer Muster-Station erscheinen und unsere Karte scannen lassen. Eine Sache von zwei Minuten, dann ist auch das erledigt.

Das Auslaufen steht für 17.00 Uhr auf dem Programm. Zeit genug, um vorher das Schiff in Augenschein zu nehmen. Dabei stellen wir zu unserem blanken Entsetzen fest, dass rund zwei Drittel der oberen Außendecks für uns nicht nutzbar sind. Ein großer Bereich am Heck (das so genannte „Spice H2O“) ist „Adults only“. Und das gesamte Areal am Bug ist entweder für Suiten Gästen reserviert oder extra zahlenden Erwachsenen im „Vibes Club“ vorbehalten. Für Familien mit Kindern bis 17 bleibt also nur der „Spielplatz“ in der Mitte des Schiffes. Doch nein, der große Hauptpool ist ebenfalls nur für Erwachsene. Aber dann gibt es da ja noch den Kinder-Pool unter der Riesenrutsche… Was für ein Desaster! Da der Vibes Club erst nach der Corona-Pause ganz neu eingeführt wurde, gab es für uns kaum die Chance, diesen bedauerlichen Zustand zu vorauszusehen. Da sind wir nun gestrandet auf einem Schiff, auf dem für uns als Familie mit einem fast-Teenager kein entspannter Sonnenplatz an Deck vorgesehen ist. Die Stimmung ist – vorsichtig gesprochen – verhalten.

Unser Balkon ist ein klares Pro für die Reise

Essen soll ja angeblich gut für die Seele sein, daher testen wir erst mal das Buffet im Garden Café. Die Qualität ist ok, aber das Fehlen eines Außenbereichs im Buffetrestaurant trägt nicht dazu bei, unsere Laune zu verbessern. Höchste Zeit, den Teenclub zu besuchen. Dort wollen wir die Öffnungszeiten und das Programm abchecken. Es kommt aber mal wieder alles ganz anders. Ein Zettel informiert uns darüber, dass der Club mangels Masse diese Reise geschlossen bleibt. Das schockt uns jetzt schon ein bisschen, denn diese Clubs sind mit ihren Angeboten (Videogames, Tischkicker, Entertainment etc..) eine coole Anlaufstelle. Außerdem ist eine Reise mit ein paar Gleichaltrigen schon lustiger als mit den Eltern allein. Doch nun ist unser Kampfgeist geweckt: Kurzentschlossen machen wir uns auf den Weg zur Rezeption. Unsere Frage: Wie viele Jugendliche im Alter von 12 bis 15 sind an Bord? Nach etwas Recherche der Rezeptionistin wissen wir Bescheid: Ganze Fünf sind es an der Zahl – fünf von knapp 2.000 Passagieren.

Das Bad wurde 2019 modernisiert

Mittlerweile ist es 15.00 Uhr geworden. Noch zwei Stunden bis zum Auslaufen, und wir fragen uns ernsthaft, ob wir diese Reise überhaupt antreten wollen. Unsere Koffer haben wir, wahrscheinlich aus schlimmer Vorahnung, noch gar nicht ausgepackt. Wir können also relativ einfach wieder von Bord gehen. Denn was wollen wir auf einem Schiff, das kaum entspannte Außenflächen sowie keine weiteren Teenager, geschweige denn Teen-Angebote vorhält und das – und jetzt kommt es richtig dicke – direkt auf eine fiese Sturmfront zusteuert? Der Wetterbericht hatte seit Tagen vor einem heftigen Tief im Mittelmeer gewarnt, in dessen Gefolge auch die neumodischen Medicanes (also die europäischen Verwandten der Hurricans) unterwegs sind. Der Familienrat tagt mit rauchenden Köpfen. Was sollen wir tun? Von Bord gehen, mitfahren…? Die Zeit drängt!

Auf dem Meer vor Civitavecchia braut sich schon einiges zusammen

Hattet Ihr schon mal diese Situation, dass Ihr auf einem Schiff oder in einem Hotel ankommt und Euch nicht sicher seid, dass das die richtige Wahl war? Was habt Ihr da gemacht? Nach dem Abwägen einiger Pros und zahlreicher Cons sind wir begeistert von der festen Überzeugung unseres Sohnes, die 5 Teenager-Nadeln im Heuhaufen der knapp 2.000 Passagiere aufzuspüren. Außerdem wollten wir ja flexibel sein in diesen außergewöhnlichen Zeiten, und letztendlich kann das alles einen Seemann nicht erschüttern, oder? Wir bleiben also an Bord! Mal sehen, ob wir diese Entscheidung eines Tages noch bereuen werden…

I will keep you posted!

Herzlich,

Eure Irmela

P.S.: Diese Reise haben wir Anfang Oktober gemacht. Aus organisatorischen Gründen berichte ich dieses Mal im Rückblick.

2 thoughts on “Norwegian Getaway – eine völlig neue Erfahrung”

  1. Hallo Irmela!
    Mist, der Start ist alles andere als glücklich und finde deinen Sohn tough zu sagen, ich such mal die anderen 5! Ich bin wirklich gespannt, hoffe sehr, er hatte es geschafft, sie zu finden und für die Reise Freundschaft zu schließen. Sind doch eigentlich die jungen Reisenden, die mit ihren Eltern unterwegs sind, die Reisenden von morgen! Kabine und Balkon machen jedoch vom Foto einen guten Eindruck und scheint gemütlich zu sein.
    Ich bin gespannt, wie es weiter geht!
    Liebe Grüße, Kerstin 🙋🏻

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hier könnt Ihr Bilder hochladen