Pacific Explorer – Vorprogramm in Shanghai

Shanghai bedeutet wörtlich übersetzt soviel wie „Über dem Wasser“. Na, wenn das kein passender Auftakt für einen Kreuzfahrt-Junkie ist…

Schon seit vielen Jahren stand ein Besuch in Shanghai ganz weit oben auf meinem Reisewunschzettel. Dieses Jahr hat es endlich geklappt, und wir haben es als Stopover in unsere Australien-Anreise eingebaut. Die größte Stadt Chinas mit 26 Mio. Einwohnern im Großraum (und 15 Mio. in der Innenstadt) hat mich in vielerlei Hinsicht sehr positiv überrascht. Aber es sind auch kleine Wünsche offen geblieben… Doch der Reihe nach:

Skyscraper von Pudong: Links der Jin Mao Tower, mittig der Flaschenöffner und rechts der Shanghai Tower

Shanghai drapiert sich um den Huangpu-Fluss. Das Herzstück bildet die berühmte Uferpromenade, der sogenannte Bund, an der schöne alte Gebäude aus der Kolonialzeit liegen. Auf der gegenüberliegenden Uferseite erhebt sich die futuristische Skyline des neuen Bezirks Pudong. Hier stehen unter anderem das Wahrzeichen Shanghais, der 468 m hohe Oriental Pearl Tower mit seinen auffälligen rosa Kugeln, der liebevoll Flaschenöffner genannte 492 m hohe World Financial Tower sowie der Shanghai Tower, das mit 632 m (noch) höchste Gebäude Chinas. Mitten in dieser illustren Nachbarschaft befindet sich auch unser Hotel. Es liegt im wohl schönsten Wolkenkratzer der Stadt (und davon soll es hier mehr als 160 geben), dem Jin Mao Tower. Nach traditionellen chinesischen Formen geschaffen soll seine treppenförmig aufsteigende Stahl-Glas-Fassade an eine Pagode und einen Bambushalm erinnern – wie wahr!

Willkommen in Shanghai – leider bei Regen

Zu unserer Landung am Nachmittag begrüßte uns Shanghai mit Regen und tropischen Temperaturen. Das war nicht weiter schlimm, denn wir wollten uns ohnehin nur noch im Hotel ausruhen und den Blick aus unserem Hotelzimmer genießen. Das, so stellte sich heraus, lag in der 82. Etage. Wie lange hatte ich von diesem Moment und diesem Hotel geträumt, das einige Zeit als das höchste der Welt galt! Nun ja, der erste Ausblick aus der monumentalen Fensterfront ließ aufgrund des schlechten Wetters noch reichlich Luft nach oben, aber die Wetteraussichten für Tag zwei waren ja besser. Und tatsächlich strahlte am Sonntag früh der Sonnenschein mit der atemberaubende Skyline Shanghais um die Wette. Unser Tag in dieser Mega-Metropole konnte beginnen.

Sieht doch aus wie ein Bambus, oder?

Neben Hongkong ist Shanghai wohl eine der westlichsten Städte Chinas. Alles wirkt unglaublich sauber, aufgeräumt und die Orientierung fällt vergleichsweise leicht. So haben wir zielsicher den Bund Sightseeing Tunnel angesteuert, der vor allem Touristen in kleinen Waggons unter dem Fluss von einer Uferseite zur anderen kutschiert. Dort angekommen starteten wir unseren Rundgang, der möglichst viele Highlights fußläufig verbinden sollte. Schnell wurde uns klar, dass ein Sonntag nicht optimal für unser Unterfangen zu sein schien. Gefühlt die Hälfte aller Stadtbewohner war mit uns unterwegs, um sich den freien Tag beim Shoppen, in den Parks oder an den anderen Hotspots der Stadt zu vertreiben.

Shoppen auf der Nanjin Road, Sonntag 10.30 Uhr

Dennoch liefen wir die Haupteinkaufsstraße Nanjing Road hinunter (hier sieht es aus wie in London oder New York) bis zum People’s Square, dem kulturellen Zentrum der Stadt. Hier wurden wir u.a. Zeuge eines sehr interessanten Spektakels: Dem Heiratsmarkt. Anscheinend besorgte Eltern bieten hier am Wochenende ihre Sprösslinge, die es noch nicht in den Hafen der Ehe geschafft haben, als vermeintlich gute Partie an. Pappschilder, die auf Schirmen befestigt sind, fassen die Vorzüge des „Angebots“ zusammen. Für unsere Seelen etwas befremdlich…

Jahrgang, Größe, Mitgift? Hier werden potenzielle Ehepartner angeboten

Weiter ging es durch die Altstadt von Shanghai, die sich ihren Flair noch gegen die zunehmende Verwestlichung bewahrt hat. Neben vielen traditionellen Wohnhäusern, Geschäften und Basaren gibt es hier auch den sehr bekannten und (vermutlich malerischen) Yu-Garten. Er stammt aus 1559, war früher der Garten einer einflussreichen chinesischen Familie und ist nach klassischen Regeln mit traditionellen Pavillons, Türmen und Teichen angelegt. Vor seinem Tor hatte sich aber eine solche Schlange gebildet, dass der Familienrat die Wartezeit dankend ablehnte… Sehr schade! By the way: Der Reiseführer schreibt dazu, Zitat: „Besuche am Wochenende geben eine physisch Eindrucksvolle Darstellung des Begriffs Überbevölkerung ;-)“ Zitat Ende. Leider konnten wir unseren Besuch aber nicht anders timen…;-)

Rund um den Yu Garden…
… ist es malerisch,…
… aber voll

Hohe Temperaturen, leichter Jet-Lag und einige Kilometer unter den Schuhen trieben uns an den Bund. Die malerische Uferpromenade war an diesem Sonntagnachmittag natürlich Treffpunkt zahlreicher Touristen und Familien. Aber mit einer kleinen Stärkung im Bauch ließ sich das interessante Treiben nochmal so gut beobachten. Das ist es doch, was Reisen ausmacht: sich an zentrale Plätze setzen und das Leben vor Ort einfach an sich vorbeiziehen lassen.

Am Bund flaniert es sich bei bester Aussicht auf die Skyline von Pudong

Als wir gegen 16.30 das Hotel erreichen, haben wir nicht nur zahlreiche Kilometer auf dem Schrittzähler, sondern auch viele Eindrücke im Gepäck – und endlich auch mal Gelegenheit, die Aussicht aus unserem Hotel zu genießen… Wann wohnt man schon mal auf Etage 82?

Was für ein Ausblick!
Unser Treppenhaus 😉

Am Montag hieß es dann auch schon Abschied nehmen von Shanghai. Nach einem strammen Spaziergang auf der Pudong-Seite des Flusses, die wunderbar für Jogger, Spaziergänger und Radfahrer ausgebaut ist, mussten wir weiterziehen. Wir haben natürlich nicht allzu viel gesehen, aber unser 10jähriger Sohn hat sich beim Fußmarsch durch die Stadt sehr tapfer geschlagen und wir haben einen guten Eindruck von Shanghai bekommen. Interessant ist z.B., dass die unzähligen Motorroller fast alle elektrisch fahren und nahezu geräuschlos durch die Straßen surren. Zudem sind sehr viele Menschen hier mit (Leih-)Fahrrädern unterwegs, was trotz der Größe der Stadt eine attraktive Option der Fortbewegung zu sein scheint. Und wer denkt, mit Englisch kommt man überall weiter, könnte sich in China wundern. Aber selbst wenn der Ansprechpartner dem Englischen nicht mächtig ist, ist er – nach unserer Erfahrung – trotzdem immer sehr bemüht zu helfen.

Shanghai ist überraschend grün und wir kommen bestimmt mal wieder

Ein letztes Highlight sollte die Rückfahrt zum Flughafen werden. Wir wollten UNBEDINGT mal mit dem Transrapid (der hier Maglev heißt) fahren. Die gut 30 Kilometer bis zum Flughafen legt er in unter 10 Minuten zurück, wobei er kurzzeitig eine Geschwindigkeit von 400 km/h erreicht – ein weiteres To-Do auf meiner Bucket-List. Zunächst nimmt man ein Taxi oder die Metro zur Maglev Station. Dann gilt es, das etwas versteckte und nur mäßig ausgeschilderte Maglev-Terminal zu finden. Zu Stoßzeiten fährt alle 15 Minuten ein Zug zum Flughafen. Wir mussten um 12 Uhr fahren. Leider ist die Geschwindigkeit des Maglev zwischen 11.00 und 14.45 sowie ab 17.00 Uhr auf 300 km/h gedrosselt. Wie schade, wollte ich doch soooo gerne mal wissen, wie sich 400 km/h in einem Zug anfühlen…

Da ist er, der Transrapid
Und ab geht’s, leider nicht mit 400 km/h

Jetzt sind wir unterwegs zu meinem nächsten Sehnsuchtsort: Byron Bay in New South Wales, Australien. Und wie immer gilt natürlich: I’ll keep you posted!

Herzlich,

Eure Irmela

11 thoughts on “Pacific Explorer – Vorprogramm in Shanghai”

  1. Ich bin von diesem (kurzem) Beitrag über Shanghai begeistert, da ich in 4 Wochen auch nach Shanghai fliege. Leider nicht für eine Kreuzfahrt, nur Rundreise China. Und ich werde dann sehen, wie grün Shanghai ist.
    Irmela, ich bin eine begeisterte Leserin deiner Blogs. Weiter so…..

    1. Liebe Marion,

      vielen Dank, das freut mich sehr! Eine gute Reise und ganz viel Speß wünsche ich Dir, es lohnt sich!

      LG

  2. Liebe Irmela!
    Ich hatte gestern schon das Foto auf Instagram gesehen und dachte, oh – ihr habt gerade die aufregende Reise bestimmt angetreten! Ich wünsche euch einen spannenden Urlaub! Für mich hört sich das nach Abendteuer an und ich käme aus dem Staunen gar nicht heraus! Wirklich eine „andere Welt“! So weit war ich bisher nicht weg und werde die neuen Berichte mit Spannung erwarten und freue mich auf so tolle Fotos!
    Schnellzug, 87 Stock – das habe ich noch nie gesehen und freue mich sehr, euch bei dieser Reise zu begleiten!
    Schönen Urlaub und ganz liebe Grüße, Tschüss Kerstin 🙋🏻

  3. Hallo Irmela,

    der Bericht kommt ja gerade zur richtigen Zeit. Gerade für 2012 Aida gebucht 🙂 Und wir wollen einige Tage vorher anreisen. Kann man in die Magnetschwebebahn Koffer mitnehmen?

    Viele Grüße

    Wolfgang

  4. Liebe Irmela,

    was für unglaubliche Eindrücke!!! Und dies ist nur ein Zwischenstopp, für mich schon ein absolutes Highlight!
    Diese Fotos und Deine Beschreibungen muss ich erst einmal sacken lassen 😉 Wow!
    Eine gute Weiterreise, genießt die Familienzeit und bleibt gesund!
    Liebe Grüße
    Helga E.-D.

  5. sehr interessanter Bericht, vielleicht sollte man Shanghai doch mal einen Besuch abstatten, alles Gute für Byron Bay, wir waren 1996 dort, noch ohne Hippies, nur Surfer waren dort. LG

  6. Moin Irmela,
    was für ein schöner Bericht. Besonders beeindruckt hat mich der Blick aus eurem Hotelzimmer und die Bilder der Wolkenkratzer. Die Größe der Stadt ist Wahnsinn, da tut es gut zu wissen das es auch einige grüne Oasen gibt.
    Über den “ Heiratsmarkt“ hab ich schon öfter was gesehen und gelesen, andere Länder andere Sitten 😉

    Wenn ich mal nach Shanghai kommen sollte, weiß ich jetzt auf jeden Fall was mich erwartet.
    Ich wünsche euch eine schöne Weiterreise und hoffe das der Aufenthalt in Byron Bay noch schöner als in deinen Erinnerungen wird.
    Alles Liebe Jessi

  7. Hallo Irmela,
    danke für den spannenden und intensiven Bericht!
    Und tolle Fotos!!
    Wenn nur der lange Flug nicht wäre …
    LG Klaus

    1. Hallo Klaus,

      ja, ja der Flug – das ist auch mein Problem, das mich von mancher Reise bisher abgehalten hat!
      Schön, dass Du hier wieder mit „an Bord“ bist, hatte Dich schon vermisst…

      Viele Grüße
      Helga E.-D.

      1. Moin Helga,
        keine Sorge, hab‘ im Moment nur wenig Zeit 😉
        Zudem mal ’ne Sommergrippe oder ähnliche Kleinigkeiten und dann steht ab Mitte August mein Umzug an, der vorbereitet sein will! Es geht zwar ’nur‘ eine Etage tiefer, aber bis man dass alles so mit div. Handwerkern koordiniert hat …..
        LG Klaus

  8. Hallo Ihr Lieben,

    besten Dank für eure lieben Kommentare. Wie imer gilt: Von unterwegs ist Antworten oft schwer. Längere Fragen werde ich on zuhause aus beantworten.

    Aber bleibt dran ;-).
    Herzlich aus Down under!

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