Passagierzahlenlimit – welche Ziele begrenzen die Schiffsanläufe?

Schöne Plätze ziehen weltweit immer mehr Kreuzfahrer an, vor allem in der Hochsaison. Einige Touristenziele ziehen die Reißleine und begrenzen die Zahl der Passagiere…

Wie diese Woche bekannt wurde, möchte Santorin die Zahl der täglichen Passagiere von 12.000 auf 8.000 verringern. Offensichtlich platzt die malerische Insel gerade in den Hauptreisemonaten besuchertechnisch aus allen Nähten. Irmela, die aufgrund der Schulferien an die Hauptsaison gebunden ist, nimmt grundsätzlich den ersten Tender nach Santorin, um die langen Schlangen an der Seilbahn oder die Besucherströme im ansonsten so beschaulichen Örtchen Oia zu vermeiden. Weder für Besucher noch für Einheimische ist diese Fülle ein erstrebenswerter Zustand – von den Touristen, die ihren kompletten Urlaub dort verbringen, ganz zu schweigen. Und auch nautisch wird es in der Caldera von Santorin irgendwann schwierig. Vor Ort gibt es nur einen Ankerplatz. Die anderen Schiffe müssen driften und haben dazu ständig ihre Maschinen laufen.
Santorin

Wenn sich die Schiffe in der Caldera häufen, wird es eng auf Santorin

Andere Häfen haben bereits ähnliche Versuche unternommen, ein Passagierzahlenlimit einzuführen. So gab Bergen letztes Jahr bekannt, die Anzahl der Schiffsanläufe pro Tag künftig auf vier Schiffe oder 9.000 Passagiere begrenzen zu wollen, weil es im Sommer „gelegentlich zu Überfüllungen“ gekommen sei. Allerdings können die Vorgaben oft nicht gleich umgesetzt werden. In Bergen, zum Beispiel, sehen die Planungen für 2018 bereits einige Tage mit fünf Schiffen vor. Auch die kroatische Perle Dubrovnik hat sich eine Grenze von 8.000 Passagieren täglich gesetzt. Aber auch die wird bisher nicht wirklich strikt eingehalten.

Von oben gesehen ist Bergen groß, doch die Innenstadt ist schnell mit Touristen voll

Viele Naturschutzgebiete, wie zum Beispiel die Antarktis oder Galapagos, haben ohnehin ein Passagierzahlenlimit. Andere, wie beispielsweise einige Norwegische Fjorde, arbeiten aktuell an Beschränkungen. Kaum jemand würde die Sinnhaftigkeit dieser Grenzen in Frage stellen wollen. Aber diese Begrenzung werfen an anderen Stellen neue Probleme auf: In Venedig, zum Beispiel, soll es durch das Aussperren der großen Schiffe bereits zu einem beachtlichen Rückgang der Besucher und damit zu spürbaren Umsatzeinbußen für die Tourismusindustrie im gesamten nördlichen Adriaraum gekommen sein. Zudem stell sich die Frage, wohin die vielen neuen und großen Schiffe künftig denn (noch) fahren sollen?
Venedig

Hochsaison in Venedig: da seufzt man nicht nur wegen der schönen Brücke…

Dieses Thema ist nicht nur sehr komplex. Es betrifft auch sehr unterschiedliche Interessensgruppen von Reedereien, Passagieren und Einheimischen über Natur- und Umweltschützer bis zu ganz unterschiedlichen abhängigen Wirtschaftszweigen. Wir sind sicher, viele von Euch Kreuzfahrt-Begeisterten haben auch schon ihre Erfahrungen mit überfüllten Zielen und limitierten Zugängen gemacht. Wo haltet Ihr Limits für sinnvoll? Wo habt Ihr Euch eventuell auch schon mal geärgert, weil Euch der Zugang zu einer Sehenswürdigkeit verwehrt war? Wir sind gespannt auf Eure Meinung!

 

Ein herzliches Ahoi,

Eure Christian & Irmela

 

6 thoughts on “Passagierzahlenlimit – welche Ziele begrenzen die Schiffsanläufe?”

  1. Hallo Christian!
    Immer da, wo Natur, Tier und Umwelt sehr geschützt werden muss, hat der Massentourismus nichts zu suchen. Es gibt genügend Alternativen. Eine Limitietierung der Kreuzfahrt-Fahrtschiffe auf bestimmte Destinationen erachte ich auch als sinnvoll. Reines Profitdenken ist sehr kurz gedacht, da wir schon eine gewisse Verantwortung für unseren Lebensbereich haben. Wie immer sollte es sich die Waage halten.
    Mein persönliches Beispiel:
    In St. Petersburg, Katharinen-Palast , wo alle wertvollen Kunstwerke aus allen Zeiten hängen, werden aufgrund der Massen der Besucher nicht ausreichend geschützt. Hitze und tatsächlich Ausdünstungen der Besucher, beschädigen die Bilder und werden schwer reparabel . Der Kommerz wird größer geschrieben, als Erhaltung von Kulturgut.
    Liebe Grüße aus dem heute verschneiten Hannover!
    Tschüss, Kerstin ??

  2. Kerstin , hat eigentlich schon alles gesagt , was zu viel ist , ist zuviel. Man soll es nicht übertreiben .Zum Beispiel in Venedig ist ohne Schiffsrummel schon genug los und man muss anstehen . Die Venezianer sind gar nicht glücklich und haben Angst um ihre Stadt. Frierende grüsse us der noch nicht verschneiten Pfalz bei Christian vielleicht etwas anders, da Kl höher liegt

  3. Hallo Christian,
    da sprichst du heute sicher ein Thema an, das sehr kontrovers diskutiert wird. Wir alle sind in erster Linie Bürger eines Landes und wir haben daher Verantwortung für die Natur und die Umwelt. Aber wir sind auch Touristen und als solche sind wir daran interessiert, all das zu sehen, was wir gerne möchten. Und genau an dieser Schnittstelle zwischen dem persönlich Gewünschten und dem Machbaren kommen die Natur und die Umwelt ins Spiel. Gerade vor ein paar Tagen kam eine Dokumentation über Venedig, wo der Massentourismus vielleicht seine verrücktesten Blüten treibt. Bezahlbaren Wohnraum für die Einwohner Venedigs gibt es schon längst nicht mehr, stattdessen schießen Hotels und Privatunterkünfte aus dem Boden, die für gutes Geld an Touristen vermietet werden. Nicht zu vergessen die Kreuzfahrtschiffe, die allein ob ihrer riesigen Wasserverdrängung für große Schäden an den auf Pfählen gebauten Palazzi sorgen, vom Schweröl, das in die Luft geblasen wird, ganz zu schweigen. Mittlerweile ist diese unheilvolle Entwicklung aber auch in den norwegischen Fjorden, allen voran, dem Geirangerfjord zu beobachten. Wenn man bedenkt, dass der Ort Geiranger nur etwa 300 Einwohner hat, ist es schon fast bizarr, wenn man sich dann plötzlich mehreren tausend Touristen gegenüber sieht, die auf einen Schlag von einem der Hochhausschiffe an Land gespült werden. Im letzten Jahr während unserer Nordkap-Tour mit dem Wohnmobil wurden wir auf sehr unsanfte Art mit den Auswüchsen dieses Massenphänomens konfrontiert. Während wir mit dem Wohnmobil den Ort verlassen wollten, warteten auf der anderen Seite der engen Straße Dutzende von Bussen auf ihre menschliche Fracht. Einer der Busfahrer verlor jedoch offensichtlich die Nerven, scherte aus und drängte uns Meter für Meter rückwärts. Ein Wunder, dass uns und dem Wohnmobil damals nichts passiert ist (http://www.reiseberichte-und-meer.de/alesund-runde.htm). Als Wohnmobilist empfindet man diese Dinge anders, weil man sich hier eher im Einklang mit der Natur sieht, in diesem Jahr sind wir allerdings wieder selbst Teil des Problems, wenn es mit der Artania nach Spitzbergen geht. Da machen wir dann auch wieder Halt in Geiranger.
    Viele Grüße
    Helmut

  4. Ich schließe mich dem oben Geschriebenen an – man sitzt zwischen zwei Stühlen! Aber mittlerweile habe ich auch keine Lust mehr, mich zwischen Menschenmassen zu bewegen und freue mich, wenn unbekanntere oder nicht so häufig angelaufene Häfen angeboten werden – hier profitieren beide Seiten. Und hier habe ich oft schon wunderschöne Entdeckungen gemacht, die man noch nicht vom TV als „hier muss man gewesen sein“ kennt, wo Bewohner und Geschäftsleute sich über den Besuch gefreut haben und wir entspannte Landgänge hatten. Hier würde ich mich über noch mehr Alternativen freuen.
    Wir Kreuzfahrer vergessen oft, dass es auch „normale“ Urlauber, Tagestouristen und vor allem die Einheimischen gibt, die dort ihren Alltag bewältigen und auch genießen wollen/sollen. Ich wohne selbst in einer von Frühling bis in den Herbst hinein mit Bussen, Sonderzügen und Tagestouristen überfüllten Wander- und Weingegend, so dass man selbst dem vor allem am Wochenende ausweicht, bei regionalen Weihnachtsmärkten dasselbe Spiel. Noch können wir hier unsere Mieten und Häuser bezahlen, aber z. B. auf Sylt, in Warnemünde und auch in Venedig hat man den Bewohnern sogar das schon genommen. Deshalb habe ich großes Verständnis für Begrenzungen, insbesondere da die Schiffe immer größer werden und dementsprechend Massen an Land gehen. Ich habe den Niedergang Venedigs im Laufe von 15 Jahren zweimal erlebt, beim ersten Mal mit der winzigen MS Berlin mit Schiffsanleger direkt am Canale Grande und beim zweiten Mal mit der kleineren AIDAvita weiter draußen am Cruise Terminal – man hatte das Gefühl, die vita wird schier erdrückt von fünf großen MSC- und NCL-Schiffen, auf deren Decks Tag und Nacht große Videowalls liefen. Von den Massen an Land gar nicht zu reden – mich zieht es dort nicht mehr hin!
    Also neue Destinationen suchen – viele drängen nach und wollen partizipieren – und wir haben wieder neue Ziele!

    1. Du sprichst mir aus der Seele, ich war in Venedig, da lagen nur Jachten und unser Flusskreuzfahrt Schiff am Ufer. Und trotzdem war der Markus Platz über voll. Traurig ?

  5. Die Limitierung von maximalen Passagieren pro Tag ist bestimmt sinnvoll.
    Mich würde interessieren, nach welchen Kriterien diese Limits vergeben werden.
    Ist es nach dem Motto „Der frühe Vogel (Passagier) …“ oder hängt das von der maximalen Passagierkapazität pro Kreuzfahrtschiff ab.
    Wie lange im Voraus muss eigentlich normalerweise das Anlegen eines Schiffes zwischen Reederei und den jeweiligen Hafenbehörden vereinbart werden?

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