Seenotrettung – wenn aus Übung Realität wird

Jeder von uns hat sie schon viele Male mitgemacht: die Seenotrettungsübung. Aber wer bereitet mich eigentlich auf eine Luftrettung vor…?

Sicher habt Ihr die dramatische Rettungsaktion um die Viking Sky verfolgt. Wegen eines vermutlichen Maschinenschadens drohte das Schiff in schwerer See in seichtes Küstengewässer zu driften und man entschied sich, die Viking Sky zu evakuieren. Der starke Sturm und die rauhe See ließen aber nur eine Luftrettung mit dem Helikopter zu. Pro Flug konnten 15 bis 20 der rund 1.300 Personen an Bord abgeholt werden. Was für ein wahnsinns Unterfangen!

So ein Sturm auf See ist für keinen an Bord ein Vergnügen

Bis Sonntag Morgen wurden rund 480 Personen auf diese Art in Sicherheit gebracht. Zum Glück setzte die Crew die Maschine wieder in Gang. Alle weiteren an Bord befindlichen Personen konnten dann in den naheliegenden Hafen von Molde gebracht werden. Gott sei Dank kann man jetzt wohl sagen, dass das Unglück halbwegs glimpflich abgelaufen ist. Insgesamt sollen 27 Personen verletzt worden sein, die meisten zum Glück nur leicht.

Persönlich habe ich keine Angst an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, aber schon gehörigen Respekt vor den Naturgewalten. Während der Drills malt man sich ja schon manchmal aus, wie es sein könnte, wenn… Aber eine Evakuierung per Hubschrauber kam mir dabei noch nie in den Sinn, Euch vielleicht? Ich habe mich gleich gefragt, wie das an Bord dann wohl so abläuft, wer die Reihenfolge festlegt und wer von unserer Familie wohl als erstes gerettet würde…?

Wenn auf See ein Helikopter kommt, ist das selten ein gutes Zeichen

Dann habe ich mich bei Christian erkundigt, ob die Crew solche Szenarien trainiert. Geübt werden natürlich eventuelle medizinische Ausschiffungen per Helikopter, aber auch so etwas sei bei ihm bisher nicht vorgekommen, sagt er. Und natürlich trainiert die Crew, wie sie das Schiff und die Passagiere auf eine potenzielle Evakuierung vorbereiten. Aber wenn es um eine Ausschiffung aller Menschen an Bord auf dem Luftweg geht, ist man im Normalfall wohl auf die Experten der Rettungsdienste angewiesen. Dieser Film von der Helmkamera eines Retters, gibt einen bewegenden Eindruck, wie die Rettung ablief.

Ich kann nur sagen: Hut ab! Respekt vor den Rettern, die sich diesen Bedingungen aussetzen und den Passagieren, die sich ihnen anvertraut haben. Aber auch vor allen anderen an Bord, die viele Stunden auf einem schwankenden Schiff ausgeharrt haben. Während weite Teile der Crew die Abläufe an Bord irgendwie koordienieren mussten, haben vermutlich die Kollegen in der Maschine unter Hochdruck an den Reparaturen gearbeitet… So stellt sich sicher niemand seinen Traumurlaub oder seinen Arbeitsplatz vor. Aber trotz einer rasant steigender Anzahl an Kreuzfahrtschiffen, bleiben diese Ereignisse zum Glück eine Seltenheit.

Ich werde natürlich weiter kreuzfahren, aber kalt lassen mich diese Bilder auch nicht. Wie haben diese Ergeinisse auf Euch gewirkt? Was hat Euch am meisten bewegt und welche Fragen haben Euch beschäftigt…?

Herzlich,

Eure Irmela

21 thoughts on “Seenotrettung – wenn aus Übung Realität wird”

  1. Hallo Irmela!
    Ich habe von der Sache erst spät erfahren und war schon ergriffen von der Situation.
    Naiv, wie man eigentlich ist, denkt man immer, sowas wird mir bestimmt nicht passieren. Dieses Ereignis zeigt jedoch, das immer solch eine Situation geschehen kann. Positiv kann ich jedoch bewerten, das die Situation Verhältnismäßig glimpflich und kompetent gelöst wurden. Allen Beteiligten zolle ich da meinem großen Respekt und bin froh, das die Verletzungsquote niedrig blieb .
    Die Video-Aufnahme wirkte er routiniert. Schwer stelle ich mir wirklich die Frage, wer darf zuerst vom Schiff. Gefühlsmäßig hätte ich gesagt, alle Verletzten, alle Menschen die andere medizinische Hilfe benötigen würden und vielleicht auch Menschen, die mit der aktuellen Situation nicht klar kommen und Panik auf dem Schiff auslösen würden. Wie ich persönlich reagieren würde, könnte ich auch nicht unbedingt sagen, wahrscheinlich wäre ich sogar jemand gewesen, der gesagt hätte, ich bleibe erstmal auf dem Schiff?!?
    Deswegen nicht mehr zu reisen, käme allerdings auch für mich nicht in Frage und bleibe bei der naiven Aussage: es wird schon nichts passieren!! Und wenn doch, dann steht man das schon durch!
    Wünsche euch noch eine gute Woche!
    Christian hat ein schönes Foto auf Instagram gepostet: in der Sonne mit Blick aufs Meer! Das könnte ich auch stundenlang!
    Liebe Grüße, Tschüss Kerstin 🙋🏻

  2. Liebe Irmela
    Eine Horrorvorstellung so etwas! Ich weiss nicht, wie ich da reagiert hätte, aber ich hätte wohl akkut Magen-Darm-Probleme bekommen und wäre ein Nervenbündel, da ich eine sehr schlechte Schwimmerin bin (nur in Pools!), hätte ich wohl mit dem Leben abgerechnet. Im Moment habe ich auch schon etwas Angst für unsere nächste Reise im Mai und hoffe sehr, dass nicht etwas passiert. Das Gleiche habe ich natürlich mit dem Fliegen. Ich fliege gar nicht gerne und nur, wenn es wirklich sein muss. Und trotzdem tue ich mir das immer wieder an!
    Ich habe sehr grossen Respekt für alle, die das so ruhig durchgemacht haben und von der Crew, den Ingenieuren und allen, die daran beteiligt waren!
    Ich hoffe, dass ich das Ganze noch etwas „vergessen“ kann, bevor es für uns wieder losgeht!
    Liebe Grüsse Ursula

  3. Hallo Irmela, ich habe das ganze auch in den Medien verfolgt. Ich war entsetzt was die Natur mit so einem grossen Schiff machen kann,rumwerfen wie ein Nussschälchen. Hut ab vor allen Rettungskräften,die auch um ihr Leben Angst haben mussten. Heute las ich in unserer Zeitung, dass ein Rettungshubschrauber von einer Pilotin zwölf Stunden am Stück geflogen wurde. Sie wird diesen Einsatz so schnell wohl auch nicht vergessen. Gestern sah ich im Fernsehen das relativ neue Schiff, es ist ziemlich kaputt und ob es repariert werden könnte und nochmal zum Einsatz wäre fraglich. Ich fragte mich, wie können auf einmal alle Maschinen den Dienst einstellen. Aber wer kann die Frage beantworten? Vielleicht Christian. Im Mai sind ja wieder einige der Community nach Norwegen unterwegs, hoffentlich ist das Wetter dann besser.

    1. Habe heute in den Nachrichten gehört und auch in der Zeitung gelesen, daß es tatsächlich ein technisches Problem war, welches nun sogleich behoben wird und ein Frühwarnalarmsystem extra für diesen Fehler eingebaut werden soll. Ebenso auf den Schwesterschiffen.
      Unser Sohnemann hat vorhin erzählt, daß die Viking Sky seit heute in Kristiansund liegt (gleich neben dem Schiff auf dem er gerade ein Praktikum macht), die Viking Sky auch besichtigen durfte und die Leute meinten, daß es in den nächsten Wochen (auf alle Fälle im April noch) seine Fahrten wieder aufnehmen wird.
      Meinen grössten Respekt aber auch an alle die, die an der Rettungsaktion teilgenommen haben und ans Bordpersonal, die die ganze Situation so wunderbar gehandhabt haben und die Passagiere beruhigen konnten. Täglich liest man auch in den hiesigen Zeitungen, daß die Passagiere so gut hier in Norwegen in Empfang genommen und betreut wurden.
      Ich glaube, die Passagiere waren sehr froh darüber nach solch einer Aktion mit einem Lächeln in Empfang genommen zu werden……

      1. Wow Ricarda,

        das sind ja interessante Nachrichten. Vielen Dank für’s Teilen. Wie kommt es, dass Du uns aus Norwegen folgst?
        Liebe Grüße, Irmela

  4. Vor Gericht und auf See bist Du in Gottes Hand.

    Solch ein Maschinen Blackout kommt öfters vor als man denkt. Technik kann jederzeit versagen. Mir fiel ein Stein vom Herzen als ich hörte, dass die 1. Maschine wieder arbeitet, Hut ab vor den Kellerkindern (Maschinisten). Der nächste gefährliche Felsen unter Wasser war wohl nur noch 100 m weit weg. Ein anderes Schiff was zur Rettung unterwegs war, hat auch Maschinenausfall gehabt und auch dort wurden alle Crewmitglieder vom Hubschrauber aufgewinscht. Das ist dann Hochseilgarten pur.

    Ja Hubschrauber auf See ist kein gutes Zeichen, aber es gibt Situationen, da ist man über den kleinen Punkt am Horizont sehr dankbar. Als unsere Kameradin über Bord ging, 30 SM vor England gaben die Jungs zum Glück richtig Gas und waren statt in 30 min. in 20 min. da. Sie wollten bei uns auf Deck landen, meinten wir seinen ein Kreuzliner. Als wir sagten wir sind ein 3 Master wurde das ganze richtig schwierig. An Deck landen ging nicht, sonst hätten sie uns versenkt. Also weit weg vom Schiff, mit dem Board und der Bewußtlosen drauf (Tragetuch ging nicht wegen Wirbelsäulenverletzung) auf das kleine Schlauchboot, damit Richtung Heli fahren, die Jungs haben nichts mehr gesehen zwecks der Gischt, die der Rotor aufwirbelt, war auch schwierig das Schlauchboot auf Kurs zu halten. Die Jungs waren klatsch nass. Der Heli hat einen Korb und einen Taucher runtergelassen. Sie wurde dann im Korb aufgewinscht. Hier hat sich immerhin nicht die Frage gestellt wer zuerst. Am nächsten Tag haben uns die Jungs vom Heli dann Stiffneck und Trage im Hafen ans Schiff gebracht. Vorher geübt hat das sicher keiner. Aber die Marines haben uns ein dickes Lob ausgesprochen wie professionell das ganze abgelaufen ist. Nochmal brauche ich das aber nicht.

    1. Hallo Mascha!
      Das glaube ich und ich denke, das wird man auch nie mehr vergessen. Hoffe, auch wie Ulla, das das Mädel hinterher alles gut überstanden hat und keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen davon getragen hat. Ich bewundere auch immer von den Hilfskräftigen und allen Beteiligten die engagierten und erfindungsreiche Einsätze, um solche Situationen zu meistern !💁🏻

  5. Oh Mascha,das war ja auch ein schlimmes Ereignis, nein so was braucht man nicht jeden Tag. Hoffentlich hat die junge Frau das alles ohne bleibende Schäden gut überstanden? Fährst du immer noch ab und an mit der Alex?

    1. Nein zur Zeit fahre ich keine Alex, zu wenig Geld, zu wenig Urlaub. Meine Urlaubspriorität liegt grade in Südafrika.
      Sie hatte 3 Halswirbel, beide Unterarme mehrfach und ein paar Rippen von der Reanimation gebrochen. Lag 5 Wochen im künstlichen Koma, kann sich an den Unfall nicht erinnern, aber alles wieder gut, keine bleibenden Schäden. Geht auch heute wieder hoch in die Rahen.

      1. Na Südafrika ist ja nicht so vor der Haustür. Und die Verletzungen der jungen Frau waren auch nicht ohne,aber gut,dass wieder alles in Ordnung ist und sie nichts mehr weiss.

  6. Hallo zusammen, also ich ziehe auch meinen Hut, die Retter haben ganze Arbeit geleistet ! Da waren auch wohl mehr als nur ein 😇vor Ort. Bin froh, dass es soweit gliedpflicht zu Ende gegangen ist. Möchte so etwas nicht mit erleben. Da sieht man auch wie wichtig Drills sind.
    Allen noch einen schönen Tag.
    Gruß Claudia

  7. Oh ja Kerstin,alle Notretter sind für mich Helden! Sah eben einen Bericht einer Notärztin,die z.zt. Bergrettung in den Alpen für verunglückte Skifahrer macht. Alle Achtung,die hängt manchmal über Abgründe um die Erstversorgung zu machen

  8. Dank und Respekt an alle Helfer/Retter/Crew-Mitglieder und Passagiere, die so umsichtig und professionell gehandelt bzw. sich verhalten haben!!!
    Angst vor der nächsten Kreuzfahrt habe ich nicht, aber Respekt vor der Natur mit all ihren Gewalten, die sie manchmal ausspielt jedoch schon – das ist aber nicht nur auf dem Wasser, sondern auch an Land so (Gebirge, Schneemassen, Lawinen, Überschwemmungen etc.)! Bisher habe ich mich auf „meinen“ Schiffen immer absolut gut aufgehoben gewusst und dabei bei wesentlich geringeren Sturm-/Unwetteraufkommen Entscheidungen des Kapitäns bzw. der Schiffsleitung erlebt, dass umgeroutet wurde oder das Schiff den Hafen aus Sicherheitsgründen nicht verlassen hat – bei mancher Enttäuschung zolle ich auch hier Respekt vor diesen Entscheidungen!!! Die Gesundheit der Passagiere und der Crew und letztlich auch das Schiff gingen immer vor „Finanzen“ – ich hoffe, dass so mancher Passagier dies jetzt vielleicht mal verinnerlicht und nicht an Bord herummosert und teils noch andere Mitreisende zu einer „Revolte“ animiert und als größtes Problem die Teil-Rückforderung vom Reisepreis ansieht…
    Bei Unkenntnis der wirklichen Geschehnisse und Umstände an Bord sollte man bekanntlich vorsichtig vor (Vor-)Urteilen sein, aber es stellt sich mir die Frage, warum die Viking Sky in diesen Sturm hineingefahren ist – Wetterdaten werden ständig aktualisiert und sind auch im Vorfeld bekannt, Christian könnte hier mehr dazu sagen. Der „frische“ und junge Kapitän Kugelmann hat auf der zweiten Adventsreise der Albatros (und auch seiner zweiten Reise als Kapitän überhaupt!) deshalb den Hafen Wismar nicht angelaufen, sondern auf Kiel umgeroutet.
    Technische Probleme können, wie Mascha richtig schreibt, immer und überall auftreten – das ist aber auch im Flugzeug und der Bahn auch der Fall, 100 % Sicherheit im Leben gibt es nicht, deshalb sich aber aus lauter Angst in der Stube zu verstecken, kann aber nicht die Lösung sein. Deshalb freue ich mich auf meine baldige Norwegen-Reise nach wie vor!

    Viele Grüße
    Helga E.-D.

  9. Ihr Lieben,

    vielen Dank für Eure Einschätzungen und Eure offenen Worte zum Thema.

    Helga hat es ganz schön gesagt: Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit, und man darf sich aus Angst nicht in der Stube verstecken.

    Nachdem nun wohl auch der Grund für den Maschinenausfall gefunden wurde (die Ermittler geben einen zu niedrigen Öldruck als Ursache an), wird die Seefahrt auch schon wieder ein bisschen schlauer (und sicherer?) sein.

    Ich freue mich auf jeden Fall auf Eure und unsere nächsten Reisen!

  10. Bei Tom Schwabedissen auf der Seite esys.org wurde vermutet, dass durch den hohen Wellengang das Heck mit der Schraube zu weit aus dem Wasser kam und eventuell Luft in das ganze System kam. Aber alles Spekulation. Zu wenig Öldruck finde ich aber doch irgendwie sehr bedenklich wenn ich da an die Schilderungen von Christian denke, wie wichtig und akribisch genau das mit den Balasttanks, Wassertanks und was weiß ich noch alles regelmäßig gescheckt und aufgeschrieben werden muß.

    Ja die Naturgewalten zeigen uns, dass wir nur ein ganz kleines Licht auf dieser großen weiten Erde sind.

    Und mal abgesehen davon: das Leben ist eines der gefährlichsten und endet garantiert immer tödlich.

  11. Moin,

    na, ich hätte das ja im letzten um ein Haar in der Hauptrolle miterlebt 🙁

    Ich hatte meinen Herzinfakt im Augiust drei Tage VOR der Grönland-KF mit der MS Albatros und denke, dass DAS noch Glück im Unglück war! Ich könnte sowas wohl nur in Vollnarkose mitmachen …

    VG Klaus

  12. Hallo Irmela,

    >> bist Du nicht aktuell unterwegs?
    leider seit gestern wieder zuhause 🙁

    War war wieder eine sehr schöne Fahrt (diesmal ja Orient mit MS4) bei tollem Wetter!
    Habe Christian schon um die Erstellung eines RBs gebeten!
    Ich werde aber noch zwei bis drei Tage brauchen …

    VG Kalus

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