Stabilisatoren – so funktionieren sie

Über Stabilisatoren gibt es viele Spekulationen und einige wilde Gerüchte…

Das beliebteste Gerücht besagt, dass Stabilisatoren bei besonders starkem Seegang wieder eingefahren werden müssen, da sie sonst abbrechen. Ob dem wirklich so ist, wollen wir hier heute klar stellen ;-).
Insbesondere zu dieser Jahreszeit fragen viele Passagiere nach Stabilisiatoren, wie sie wirken und wann sie eingesetzt werden. Grundsätzlich werden auf modernen Kreuzfahrtschiffen immer Stabilisatoren verbaut, um den Passagieren den größtmöglichen Komfort zu bieten. Dabei gibt es verschiedene Arten: Schlingerkiel-, Flossen-, Tank- und Kreiselstabilisatoren.

Flossenstabilisatoren sehen wirklich aus wie Flossen oder auch wie Tragflächen eines Flugzeugs

Die wohl am bekanntesten und meisten auf Kreuzfahrtschiffen verbaute Art ist der Flossenstabilisator. Dieses System hat bewegliche Flossen am Schiffsrumpf, die bei Seegang ausgefahren und bei gutem Wetter wieder eingefahren werden. Ein riesiger Vorteil dieser Stabilisatoren ist es, dass sie die Geschwindigkeit des Schiffes nur verringern, wenn sie ausgefahren sind. Im Schiffsinneren verstaut ist der Rumpf frei von Widerständen und es wird nicht unnötig Energie verbraucht. Bei ausgefahrenen Stabilisatoren arbeiten sie durch hydraulischen Antrieb gegen die Rollbewegung des Schiffes, d.h. gegen das Kippen zu den Seiten. Durch Sensoren an Bord weiß die Anlage genau wie die Stellung der Stabilisatoren sein muss, um der Bewegung entgegen zu wirken.

Hinten links zu sehen: der Stabilisator

Und ja: auch bei starkem Seegang bleiben die Stabilisatoren draußen und arbeiten! Allerdings kommt das Schiff bei stärkerem Seegang auch mit guten Stabilisatoren ins Rollen. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum viele Passagiere denken, die Stabilisatoren wären wieder eingefahren ;-).

Wenn es so zur Sache geht, können auch Stabilisatoren etwas Rollen nicht verhindern

 Wann genau die Stabilisatoren ausgefahren werden, entscheidet der Kapitän. Manche Kapitäne fahren immer mit ihnen. Andere fahren sie erst aus, wenn ein gewisser Seegang vorliegt. Schließlich gilt es immer abzuwägen, dass ausgefahrene Stabilisatoren das Schiff um ca. einen halben Knoten verlangsamen. Will man diesen Geschwindigkeitsverlust kompensieren, verbraucht man mehr Treibstoff. Auch wichtig zu wissen: Flossenstabilisatoren wirken nur, wenn das Schiff fährt. Wenn keine Strömungsverhältnisse an den Flossen anliegen, können sie das Schiff auch nicht stabilisieren.
Wir hoffen, wir haben etwas Klarheit in das Thema gebracht. Solltet Ihr aber noch Fragen haben, meldet Euch gern.

Ein herzliches Ahoi,

Euer Christian

 

 

15 thoughts on “Stabilisatoren – so funktionieren sie”

  1. Schön Christian, mal wieder etwas von Dir zu hören, habe Deine technischen Erklärungen und Reiseberichte schon sehr vermisst ? ich hoffe Du hast Dich im neuen Job schon eingearbeitet und fühlst Dich wohl

  2. Stabilisatoren sind was Feines. Ich hatte ja immer das Gefühl, ich bräuchte das nicht. Aber auf der 16 m Yacht fand ich es dann bei der Überquerung des Ärmelkanals deutlich angenehmer als ohne. Auf unserer Flottillenfahrt hatten nämlich nicht alle solche Hilfsmittel, was dann auch zu deutlichen und heftigen Problemen führte. Das Rollen der Schiffe war kaum mit anzusehen. Als ein Schiff wegen starken Wellengang arg in Bedrängnis kam, als beide Motoren ausfielen und auf die Küste zudriftete, kehrten wir alle um, um besagtes Boot abzuschleppen. Dabei allerdings ging einer unserer Stabilisatoren kaputt. Der blieb einfach oben hängen und war nicht mehr zur Normallage zu bewegen. Ein Stabilisator lieferte jedoch noch immer ausgezeichnete Ergebnisse. Trotzdem: Zwei sind einfach besser. Ohne ginge für mich gar nicht mehr.

  3. Hallo Christian! Kann man es in Prozent ausdrücken, wenn man in der gleichen Wellen -Situation einmal mit und einmal ohne Stabilisatoren fahren würde? Was würde das ausmachen? Kann man diesen Unterschied beziffern?
    Ganz liebe Grüße, Tschüss Kerstin ??

    1. Meine Frage bezieht sich einmal auf den prozentualen erhöhten Kraftstoffverbrauch . Und auch auf den „Schaukelfaktor“ für die Gäste .Also wieviel ruhiger würde dann das Schiff in der See liegen, wenn einmal mit und ohne gefahren würde. Kann man soetwas überhaupt beziffern? Was würde denn passieren, wenn bei sehr schwerer See, kein Stabilisator genutzt werden würde ? Könnte ein Schiff dann auch sinken? Da ich weder mit Seefahrt , oder ähnliches zu tun habe, hoffe ich , das ich keine allzu dummen Fragen hier gestellt habe.

      1. Kerstin jetzt ne ganz schlaue Antwort von mir , dann würden mehr Fahrgäste über der Reling hängen und die Fische füttern Dumme Grüsse ?aus der Pfalz, die Männer schütteln nun bestimmt den Kopf

    2. Hallo Kerstin,

      nein das kann man nicht so wirklich in Prozent ausdrücken weil das von vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist die bei jedem Schiff anders sind.

      Viele Grüße Christian

  4. Hallo Christian,
    schliese mich Ulla an, schön das Du Zeit hast uns nicht Informationen zu versorgen.
    Habe mich sehr darauf gefreud, dass heute die neue Staffel von VnM anfing. Leider war ich ein bisschen entäuscht.
    Irgentwie ist es nicht so wie bei den alten Folgen. Vielleicht lag es daran dass die Kapitänen (M. Hansen und E. Mühlebach) nicht an Bord sind. Warst Du eigentlich bei diesem Dreh auf der Artania? Weil ohne Dich ist die Sendung nur halb so schön. Hoffe ich streue kein Salz in die Wunde.
    Lg Claudia

    1. Ja Claudia, da gebe ich Dir recht , die erste Folge war irgendwie anders, die vielen schwimmenden Hochhäuser dazwischen und die Mengen an Menschen, die auch an den Stränden wie die Sardinen in der Büchse sich tummelten, hoffentlich wird das besser ?

    2. Hallo Claudia,
      ich war gar nicht enttäuscht und habe mich gefreut Kapitän Thorn wieder zu sehen, der uns diesen Sommer so gut und sicher durch die grönländischen Eisberge bugsiert hat. Ich denke, diese Folge hat auch treffend die Wirklichkeit wiedergegeben, die sich durch die Hochhausschiffe ergibt. Nicht nur Vorrang von Liegeplätzen, sondern auch tausende Passagiere, die alle auf einmal an Land wollen.
      Gruß Gudrun

      1. Hallo Gudrun,
        mir geht es wie Dir – ich war sofort wieder „zu Hause“ an Bord, viele vertraute Gesichter (wie Bernd, Cori, Rainer, Chefkoch Jüngling, stellv. Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer, Hassan u.v.m.) und dazu noch mein Lieblingskapitän Thorn auf der Brücke! Ich brauche keinen „Entertainer“, ich liebe „hanseatische Eisbären“ 😉 Ihr Handwerk beherrschen ohne Frage alle Kapitäne und Offiziere, aber als Passagier erlebt man manchmal Entscheidungen oder auch Begegnungen, die einen beeindrucken und sich sehr sicher fühlen lassen!
        Hochhausschiffe und aufgekaufte bzw. fest angemietete Inseln – dieses Thema gab es hier unter „News“ auch schon einmal – sie sind halt Realität! Gehört die Karibik wohl mit zu den meist gebuchten Kreuzfahrten – „Sommer, Sonne, Strand“ – bevorzuge ich mehr Kultur, am liebsten gepaart mit viel Natur, und deswegen würde ich diese Route nicht wählen. Andere würden sich halt im hohen Norden nicht wohl fühlen. Aber mit einem „ersten Schritt beginnt bekanntlich jede Reise“ und deshalb bin ich überhaupt nicht enttäuscht, sondern gespannt auf das, was wir noch alles sehen und „erleben“ dürfen. Für mich besonders schön war es, Reiseleiter Rainer und den stellv. Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer gerade erst vergangenen Donnerstag auf dem Kurztrip mit der MS Asara auf dem Rhein getroffen zu haben.
        Ich habe die Hoffnung, dass sich so mancher Passagier unter den Zuschauern „wiedererkennt“ und mal darüber nachdenkt, ob man immer gleich nörgeln und meckern muss, obwohl man gar nicht weiß, warum manche Entscheidung oder Gegebenheit so ist wie sie in dem Moment ist – sie werden bestimmt nicht aus Schikane oder Lust und Laune getroffen! Der arme Bernd als „Blitzableiter“ bei der Einschiffung in Kuba bekam anstatt eines freundlichen Guten Tag ein „wir sind stinksauer“ entgegengeworfen – so etwas ist doch Motivation bei der Arbeit!!! Leider kenne ich das zur Genüge im meinem Arbeitsalltag, wenn terminierte Patienten warten müssen, weil unerwartete Notfälle, teils auf Leben und Tod, selbstverständlich vorgezogen werden müssen!!! Und dabei muss man immer noch recht freundlich bleiben;-)
        Viele Grüße
        Helga E.-D.

  5. Vielen Dank lieber Christian für das Thema Stabilisatoren – auf unserer ersten Reise mit der TS Maxim Gorkij bekamen wir gleich einen Eindruck wie es ist, ohne ausgefahrene Stabilisatoren zu fahren, allerdings hatten wir bis dato auch noch keinen Vergleich.
    Wegen eines verzögerten Ablegens in Bremerhaven von 18 Uhr am 22. Dezember 1995 auf 7 Uhr am 23. Dezember, weil plötzlich eingetretener Blitzeisregen von Berlin in Richtung Bremerhaven einen Reisebus mit Passagieren „notlanden“ ließ, musste die Zeit auf dem Weg nach Lissabon (durch die Biscaya!) mit höherer Geschwindigkeit wieder aufgeholt werden. Zudem drohte wohl ein Unwetter über dem Atlantik wesentlich stärker zu werden, was der Kapitän uns allen ersparen wollte – also Tempo und Stabilisatoren zunächst aus! Der Kreuzfahrtdirektor tröstete uns damit, dass wir lieber diesen Seetag mehr oder weniger „unwohl“ überstehen sollten und dafür den Heiligen Abend an Bord ruhiger und mit einem festlichen Dinner genießen dürften;-)
    Dieses von Dir beschriebene Rollen (Drehbewegung um die Längsachse) war und ist für mich heute noch das Schlimmste – „rauf und runter“ geht. Damals stand mein Entschluss fest: Nie wieder auf ein Schiff!!! Doch es sollte ja bekanntlich anders kommen;-)
    Meines Wissens hatte diese „alte Lady“ Flossenstabilisatoren des Typs AEG/Denny Brown, sicherlich gibt es heute modernere Versionen – als „Landratte“ habe ich allerdings keine Ahnung davon!
    Viele Grüße
    Helga E.-D.

  6. Interessanter Beitrag – jetzt hat man endlich so manchem Seemannsgarn etwas entgegen zu setzen;-) Die Größe eines Schiffes ist für mich heutzutage auch ein wichtiges Kriterium, da ich dort weniger Seegang spüre, aber selbst so ein großer Bau wie die AIDAprima hat´s im Frühjahr ja auch ordentlich durchgeschaukelt. Aber das sollte man nie vergessen: Man reist auf dem Wasser und das spürt und hört man auch manchmal!
    Der Auftakt von „VnM“ hat mir gut gefallen. Der Tauchgang des Küchenchefs, diesen Salat hätte ich auch gerne probiert;-) Und bei der sehr sympathischen und offenen Kadettin musste ich an einen jungen Kadetten vor einigen Jahren denken, der an Bord der Albatros ging;-) Kamen dabei Erinnerungen bei dir hoch, Christian? Oder schaust du dir jetzt nach dem Abheuern diese Staffel gar nicht mehr an?
    Und beim kleinen Liou merkt man, dass man selbst auch wieder ein Jahr zugelegt hat;-)
    Gruß
    Peter

  7. Hallo , ich habe den Unterschied mit und ohne hautnah zu spüren bekommen . Im Oktober bin ich mit der Fähre von Hull nach Rotterdam gefahren. Es war sehr windig .Auf hoher See wurde ich in meiner Kabine auf meinem Bett hin und her geworfen und die Türen der Nachbarkabinen schlugen . Ich wollte zur Rezeption gehen um zu bitten diese Türen zu schließen.. auf dem Weg dahin flog man nach rechts und links. Stühle waren umgefallen . 2 Cola Automaten lagen auf der Nase .. Chaos überall . Dann die Durchsage . Die Stabilisatoren sind defekt wir drehen in den Wind und warten und sind später in Rotterdam. Am Morgen die nächste Durchsage wir fahren zurück nach Hull .. Also am nächsten Abend ein erneuter Versuch auch mit Wind .. Natürlich legte sich die Fähre auch zur Seite aber mit heilem Stabilisatoren deutlich weniger. Also die bringen wirklich was !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hier könnt Ihr Bilder hochladen