Time to Remember – Transatlantik mit einem blinden Passagier

Unsere vierte Kreuzfahrt war eigentlich eine echte Premiere. Klingt paradox, ist aber Fakt…

Nach drei 7-Tagesreisen stand für uns fest: eine Woche Kreuzfahrt ist definitiv zu kurz! Daher entschlossen wir uns bereits im Oktober 2008 wieder in See zu stechen. Dieses Mal sollte es eine Reise der Premieren werden: Die erste Fahrt ab Europa, zum ersten Mal mit Holland America, erstmals über 14 Tage und dann gleich quer über den Atlantik. Auch das Mittelmeer war uns von vom Schiff aus völlig unbekannt, ebenso unser Einschiffungshafen Civitaveccia – ganz zu schweigen von der Aussprache dieses Städtchens. Niemals hätten wir geahnt, wie oft und locker uns dieser Name später noch über die Lippen kommen sollte… 😉

Rom wird für immer einer meiner Lieblingsplätze bleiben

Drei Tage vor der Einschiffung erfuhren wir, dass ich schwanger bin. Mein Arzt zuckte zwar kurz bei der Vorstellung, mich bei eventuellen Komplikationen mitten auf dem Atlantik zu wissen, aber für uns stand schnell fest: Unser Kind ist seefest! Und so starteten wir am 1. Oktober 2008 quasi zu dritt Richtung Rom. Ich war zuvor erst zwei Mal in Rom gewesen (davon ein Mal zu Schulzeiten) und hatte mich gleich wieder schockverliebt in diese großartige Stadt. Insgeheim war schon der Plan gereift, möglichst viele Kreuzfahrten von hier zu starten, aber zunächst mal lag ja diese Reise vor uns.

Wer knn diesem Anblich widerstehen?

Unsere Gastgeberin, die MS Noordam, hat uns sofort sehr gut gefallen. Alles war deutlich gediegener und farblich dezenter als auf den damals noch sehr bunten Norwegian Schiffen. Aber nicht nur die „Hardware“ des Schiffes kam etwas gesetzter daher. Auch Passagiere und Programm entpuppten sich als betagter ausgerichtet. Das hat uns allerdings kaum gestört. Ich würde ohnehin auf größere Parties verzichten müssen. Allerdings auch auf meinen geliebte Sundowner – ebenfalls eine Premiere…

Holz, gediegene Atmosphäre und älteres Publikum prägten damals die Reise

Von Rom ging es zunächst nach Monaco, Barcelona, Cartagena, Càdiz und Funchal, um von dort den Atlantik zu überqueren. Bis auf Barcelona und unser Ziel Fort Lauderdale waren alle Ziele neu für uns, sodass wir tatsächlich eine Menge zu besichtigen hatten. Überall empfingen uns strahlendes Wetter, reichlich Sonne und für den Oktober hohe Temperaturen. Der Grundstein für Kreuzfahrten in den Herbstferien (sollte unser Kind erst mal schulpflichtig sein ;-)) war gelegt.

Herrliche Ausblicke in Monaco….
… und noch mehr davon…
… sowie interessante Geschichte in Cartagena

Alle Häfen haben uns sehr gut gefallen, wobei uns Càdiz und Funchal am nachhaltigsten beeindruckt haben. Von Càdiz hatten wir zuvor gar keine richtige Vorstellung, und ich war total beeindruckt von der Architektur der Altstadt und der Aussicht vom Torre Tavira sowie dessen Camara Oscura. Wir haben sogar noch einen Ausflug nach Jerez de la Frontera geschafft. Und Funchal hat uns so gut gefallen, dass wir in der Folge noch mehrmals zum Urlaubmachen vor Ort zurückkehrten, auch wenn wir bis heute noch nie mit den berühmten Korbschlitten gefahren sind…

Càdiz war einfach nur…
… wow und…
… Funchal hat unser Herz im Sturm erobert

Das eigentliche Highlight waren allerdings die sieben Tage auf See. Zugegeben, wir hatten MEGA-WETTER. Der Atlantik so flach wie ein Ententeich, Sonne satt jeden Tag und damit Erholung auf See wie sie sonst nur in den Prospekten angepriesen wird. Und es wurde auch nicht langweilig. Mein überaus liebenswerter Gatte hatte sich in meiner Alkohol-Abstinenz zum Glück angeschlossen, und wir wurden zu Experten in Sachen Mocktails und alkoholfreier Wein ;-). Wir drehten unzählige Runden um das wunderbare Promenadendeck (manche behaupten, wir hätten den Weg über den Atlantik zu Fuß zurückgelegt ;-)) und genossen die weiter steigenden Temperaturen. Dieses Gefühl, mitten auf dem Meer weit weg von jeglicher Landmasse zu sein, wahr einfach zu faszinierend und der Sternenhimmel atemberaubend.

Ein Schiff zum Verlieben: die MS Noordam
Und auch an alkoholfreie Sundowner kann man sich gewöhnen 😉

Der Abschied vom Schiff in Fort Lauderdale fiel richtig schwer. Wir hatten noch mehr Blut geleckt, denn diese Überstellungsfahrt war einfach der Hammer – sowohl vom Preis-Leistungs-Verhältnis als auch von der Reise selbst. Schweren Herzens nahmen wir Abschied vom Schiffsleben. Fortschreitende Schwangerschaft und dann Baby würden wohl zu einer längeren Kreuzfahrtzwangspause führen, so dachten wir… 

Hasta la vista MS Noordam

Wie es weiterging, berichte ich beim nächsten Mal ;-). Derweil interessiert mich jedoch brennend, wohin Eure vierte Kreuzfahrt ging? Welche Erfahrungen habt Ihr mit Transatlantik oder Überstellungsfahrten gemacht und wer ist auch schon mal schwanger an Bord gewesen? Fragen über Fragen, aber das Wochenende ist lang und Freunde darf man ja immer noch nicht treffen….

Herzlich,

Eure Irmela 

P.S.: Nur zur Vollständigkeit: Der blinde Passagier hat die Reise übrigens unentdeckt und bestens gemeistert und trägt sich aktuell selber mit dem Gedanken, Bootsbauer zu werden 😉

9 thoughts on “Time to Remember – Transatlantik mit einem blinden Passagier”

  1. Moin Irmela!
    Das war einfach eine tolle Reise von Anfang bis Ende !!! Die Orte die ihr damals besucht hattet , fehlen leider bis auf Funchal, auf meiner persönlichen Landkarte . Dieses Jahr soll , hoffentlich, meine vierte Reise stattfinden.Dort wäre Barcelona mit dabei. Somit habe ich heute leider nicht viel mit beizutragen.
    Ich wünsche euch aber allen ein schönes Wochenende und sende ganz liebe Grüße, Tschüss Kerstin ???

  2. Liebe Irmela
    Für uns sind die HAL-Schiffe mit die besten, die es gibt. Wobei wir halt auch schon zu den etwas älteren Passagieren gehören. Aber das viele Holz und das Promenaden-Deck, welches umlaufend ist (wenigstens auf der Amsterdam) hat uns sehr gut gefallen.
    Unsere erste KF überhaupt war gleich eine Transatlantik. Damals noch mit Costa Fortuna ab Savona bis Sao Paolo. Wir hatten überhaupt keine Ahnung, woerauf wir usn da einliessen und die Reise dauerte insgesamt 17 Tage ohne An- und Rückreise. Es hat uns da voll erwischt und von da an waren wir mit em Virus Kreuzahrt infiziert. Diese Reise ins südliche Amerika würde ich immer wieder machen und kann es jedem nur empfehlen! Wir haben so viele schöne Orte gesehen. w-aren meistens zu Fuss unterwegs und nur zu zweit. Ich komme wieder ins Träumen……… Für dieses Jahr haben wir eine kurze Flussfahret gebucht, welche wohl (Oktober 2020) auch nicht stattfinden wird. Die nächsten Jahre noch nichts, da wir wirklich jetzt etwas klimafreundlicher Urlaub machen möchten! Ob uns das allerdings gelingt….ich bin noch nicht so überzeugt.
    Ich freue mich jedenfalls auf deinen weiteren Bericht und bin gespannt, was ihr noch so alles erlebt habt!
    Vielen Dank für den ersten Teil und die schönen Fotos. Das sind auch Orto, welche ich noch nicht kenne, ausser natürlich Barcelona…

    Liebe Grüsse
    Ursula

  3. Wo unsere vierte Kreuzahrt hinging, weiß ich gar nicht so genau, ich glaube aber, das war eine Transatlantik. Wir flogen nach Romana und klapperten die Karibik ab, fuhren dann über den Atlantik zurück nach Mallorca. Der Atlantik war ein wenig unruhig, aber das Schiff, die Mein Schiff 2, relativ groß, sodass man nichts merkte. Unsere nächste Kreuzfahrt geht nach Amerika und von dort zurück nach Bremerhaven. 2021 wird hoffentlich wieder normal werden. Wir fahren dann mit der Amera, die ja nicht so groß ist und der Atlantik hoffentlich dann ruhig ist.
    Wünsche allen noch eine virusfreie Zeit.
    Liebe Grüße Heike

  4. Liebe Irmela,

    wohin unsere vierte Kreuzfahrt ging, weiß ich auch nicht mehr aus dem Stehgreif – da müsste ich erst einmal tief in den Fotoalben blättern. Aber die ersten Male ging es quer durchs östliche und westliche Mittelmeer und den Atlantik mit allen Kanarischen Inseln, Madeira etc. Dann zog es uns endlich Richtung Skandinavien, Fjorde Norwegens, Ostsee, z. B. mit St. Petersburg.
    Auf diesen Walk-a-mile rund um das Promenadendeck findet man mich auf mindestens morgens und abends täglich, Runde um Runde mit einem herrlichen Panorama, Wellenrauschen und einem Hochgefühl, was für ein Glück man hat, genau jetzt an diesem Platz zu sein – für mich ein ganz wichtiger Baustein für Kreuzfahrten. Orte könnte man auch auf anderen Wegen besuchen, obwohl manche Ein- und Ausfahrt per Schiff durch nichts zu ersetzen ist. Aber diese Momente an Bord, z. B. der „Gute-Nacht-Spaziergang“ über die Decks mit teils atemberaubenden Farbspielen des Himmels, der Wolken, den Geruch und die Geräusche des Meeres, aber auch Stille und das Gefühl, weit weg von allem zu sein – ich vermisse es so, dass es zurzeit richtig weh tut! In zwei Wochen wäre es wieder los gegangen – wieder in das wunderschöne Norwegen…
    Sehnsuchtsvolle Grüße
    Helga E.-D.

  5. Hallo zusammen,

    meine 4. Kreuzfahrt, war die, die ich gerade im Blog beendet habe 😉 Ob die 5. stattfindet wie geplant steht leider noch in den Sternen 🙁

    LG Michaela

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