Transatlantik – Himmel oder Hölle?

Wenn es um die Überquerung des Atlantiks geht, gibt es nur zwei Meinungen: Top oder Flop. Oder gibt es noch etwas dazwischen?

Christian hat heute seinen dritten von vier Seetagen. Für eine Transatlantikfahrt ist diese Nordroute schon eine ziemlich schnelle Variante. Er ließ mich wissen, dass es aktuell nichts Spannendes von Bord zu berichten gibt, außer, dass er viel zu tun hat ;-). Das Wetter sei für die Jahreszeit ganz passabel, allerdings hatten sie auch schon etwas mehr Wind und Wellen bis zu 5 Metern Höhe, so dass das eine oder andere seekranke Gesicht an Bord zu sehen gewesen sei…

Die Artania auf dem Weg nach Westen

Und das bringt mich zu meinem Punkt: Die meisten Transatlantikreisen (Queen Mary 2 mal ausgenommen) finden im Frühjahr oder Herbst statt, wenn die Reedereien ihre Schiffe in ein anderes Fahrtgebiet überführen. So genannte Repositioning-Cruises sind oftmals vergleichsweise günstig zu haben, vermutlich, weil sie aufgrund der vielen Seetage nicht jedermanns Sache sind, und weil man zu diesen Jahreszeiten auch mal einen flotten Sturm haben kann. Manche Kreuzfahrer mag das abschrecken, aber wir sind bisher zwei Mal über den großen Teich gefahren und beide Reisen waren TOP!

Bye bye Festland: Mit Fort Lauderdale verschwindet für 7 Tage das Land am Horizont

Zugegeben: Wir hatten auf beiden Fahrten sehr gutes Wetter. Die erste Reise (nach Westen) ging Anfang Oktober 2008 von Rom nach Fort Lauderdale und ist mir aus vielen Gründen in bester Erinnerung: Am Tag vor der Abreise erfuhren wir, dass ich schwanger bin. Der Arzt meinte damals, dass 7 Seetage am Stück (Madeira -> Fort Lauderdale) keine gute Idee für mich seien, aber ich hatte meine Koffer ja quasi schon gepackt und war voller Vorfreude… Also ging es auf’s Schiff. OK, das Getränkepaket hätten wir uns (in Teilen) sparen können ;-), aber ansonsten war es eine unserer besten und entspanntesten Kreuzfahrten. Vielleicht war sie auch ausschlaggebend für die Kreuzfahrtbegeisterung unseres Sohnes, der quasi von Anfang an Seeluft schnuppern durfte. Im April 2014 haben wir dann dieselbe Route in die Gegenrichtung getestet. Dieses Mal mit Sohn (damals fast 5) und mit genau derselben Begeisterung. Unser Sohn misst sogar seitdem die Qualität einer Kreuzfahrt an der Zahl ihrer Seetage ;-).

Entspannung auf See mit vielen freien Liegen und ohne Rämmi-Dämmi

Aber warum sind diese Fahren so schön? Wenn das Wetter mitspielt (was auf den südlicheren Routen sicher keine Seltenheit ist), findet man viel entspannte Zeit zum Entschleunigen. Passagiere an Bord von Transatlantikreisen sind ein besonderer Schlag. Die meisten kommen genau wie wir, weil die Fahrt das Ziel ist, weil sie das Reisen auf dem Wasser lieben, das Schwelgen in der Weite des Meeres… Das Tempo auf dem Schiff verlangsamt sich. Transatlantikreisende stürmen und besetzen keine Liegen und stehen nicht um 6.00 Uhr für den nächsten Ausflug auf. Hier ist Zeit für Sport, dicke Bücher, lange Spaziergänge an Deck, Mittagsschläfchen und Projekte, die man immer schon mal anschieben wollte. Ich habe hier Menschen gesehen, die ganze Pullover stricken, sich Vortragsreihen zu bestimmten Themen anhören oder in der Bibliothek 5.000 Teile Puzzle legen. Herrlich, wenn man es mag…

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen auf See: Träumen auf dem Promenadendeck

Ich kann verstehen, dass sich nicht jeder für diese Art der Kreuzfahrt begeistern kann, aber wir lieben es. Leider müssen wir aufgrund der Schulferientermine wohl noch eine ganze Weile auf Transatlantikschnäppchen verzichten, schade! Aber mein Fazit zur Eingangsfrage lautet trotzdem ganz klar: HIMMEL!
Und was sagt Ihr?

I’ll keep you posted!

Herzlichst,

Eure Irmela

 

24 thoughts on “Transatlantik – Himmel oder Hölle?”

  1. Hallo Irmela, danke für den langen Bericht und dazugehörige Fotos. Für mich wäre das die Hölle, vier Tage nur Wasser, und vielleicht das leckere essen wieder rückwärtsessen da hilft auch der günstige Reisepreis nix. Sonnige Grüsse aus Christians Heimat

  2. Nach den Bildern zu urteilen warst du wohl mit Celebrity unterwegs und da ist es wirklich entspannend an den Seetagen. Das sieht bei Aida ganz anders aus. Da findest du am späten Vormittag keine freie Liege mehr. Die Amis sind viel entspannter.

  3. Hallo zusammen,
    4-5 Seetage könnte ich mir schon gut vorstellen. Das ist sicher deutlich entspannter als der „Herdentrieb“ bei den
    Tagestouren.

    Wenn man der Seite „Wo ist die Artania heute“ glaubt, dann fährt Christian mit der Artania gerade rückwärts nach Neufundland.

    Die AIS-Daten sind derzeit noch nicht wieder verfügbar. Wer die Position auf Google Earth verfolgen will kann die Positionsangaben auf der Seite „Wo ist die Artania heute“ kopieren und in das GE Suchfeld eintragen.
    Beispiel von eben unter Position (49°12.37´ N 045°10.72´ W) GE zeigt dann die genaue Position auf der Karte.

    Schöne Grüße
    Bernd

  4. Hallo Irmela!
    Ich könnte mir für mich , auch mehere Seetage am Stück vorstellen. Vor allem weil man alltags doch viel im „Galopp“ unterwegs ist. Ich denke, den Motor mal runter fahren und in den Tag hineinleben (welch ein Luxus!!!) ohne besonderen Termindruck , hat etwas sehr verlockendes. Wenn einem natürlich übel vom Wellengang ist und dann das faule und kulinarische Leben nicht so richtig möglich ist, das wäre natürlich Käse. Aber ich müsste das erstmal ausprobieren , ob ich unter schlechteren Wetterbedingungen , immer noch genug seefest bin. Langweilig wird es mir auf dem Schiff bestimmt nicht!
    Immer wenn ich diese Schifffotos sehe, möchte ich auch so gerne mit dabei sein. Die aktuelle Route finde ich enorm interssant und ist für mich in der sehr engen Auswahl. 44 Tage sind leider unmöglich und wahrscheinlich nicht nur, weil ich berufstätig bin. Aber Teilstücke davon , könnten in nicht , allzu langer Ferne , mit drin sein.
    Liebe Grüße an Euch Alle und noch einen schöne Abend!!!
    tschüß, Kerstin

  5. Moin Irmela,
    Ich kann mir das absolut vorstellen eine Fahrt mit vielen Seetagen zu machen.Einfach mal weit weg vom Land,ueber Tage.Wohin man schaut nur Meer und ganz viel Weite.Ohne schlechtes Gewissen nichts zu tun.Vielleicht mal in einem Rutsch ein Buch durchlesen.Zu erleben was das mit einem macht mal Tagelang zwischen den Welten zu sein.Runterkommen wie Kerstin schon sagt.Die Naechte kann ich mir auch toll vorstellen,dadruch das es ja so gut wie keine Lichtverschmutzung gibt,mal richtig dunkle Naechte mit Sternenhimmel erleben.Hoffe das ich das mal erleben darf.

  6. Bisher erst einmal Transatlantiktour gefahren und wir hatten ordentlich Sturm, so hatten wir zusätzliche Seetage weil Kirkwall und später St. John ausfielen. Uns hat die Seekrankheit ganz schön erwischt, sodass wir die Zeit fast ausschließlich in der Kabine verbracht haben. Seekrank das ist schon irgendwie die Hölle, aber wenn man liegt spürt man nichts, dann geht es einem relativ gut. Und wenn man dann die Balkontür leicht geöffnet hat, die frische Seeluft atmen kann und dabei vom Bett aus auf die Wellen blickt – nun, für uns war das trotz allem toll. Es hat irgendwie eine besondere Faszination, wenn Zeit und Ort irgendwie verschwimmen und eins werden. Ja es hat uns erwischt, trotz allem fanden wir die Tour faszinierend und weitere Transatlantiktouren stehen auf unserer Wunschliste, dann hoffentlich bei besserem Wetter ? dann wäre es gleich Himmel

  7. von wegen „kein Termindruck“: erst zur Fitness, Dusche, Frühstück, auf die Liege, ein Vortrag, 11-Uhr-Bouillon oder Frühschoppen, Apéritif, Mittagessen, wieder irgend-ein Programmpunkt (wo bleibt der Mittagsschlaf?), Nachmittagscafe oder Waffeln oder oder, Duschen, Apéritif, Abendessen, Musikprogramm, Bar…wann lese ich eigentlich meine Bücher etc?…
    Spaß beiseite: zwei TA von West nach Ost mit der nicht voll gebuchten Artainia, davon ein Mal ab NY vor einem Wirbelsturm her (J Thorn hat das mit der „Flucht“ großartig hingekriegt), wobei ich Seegang mag (im Ernst)
    Fazit: immer wieder gerne

  8. Dann bin ich hier wohl die Ausnahme. Zum Eingewöhnen und Loslassen oder auch zum Entdecken eines neuen Schiffes finde ich es wunderbar, am ersten Tag der Reise einen Seetag zu genießen (vorausgesetzt es ist kein zu hoher Wellengang). Bei längeren Reisen gerne auch mal zwischendurch einen Seetag, aber mehrere Tage hintereinander, das ist für mich absolut nichts. Das durfte ich gleich bei meiner allersten Weihnachts- und Silvester-Kreuzfahrt durch die Biscaya zu den Kanarischen Inseln mit der TS Maxim Gorkij erfahren, nicht nur wir, sondern fast das ganze Schiff lag über Weihnachten drei Tage seekrank im Bett. Ich konnte da leider nicht mehr von „Entspannung“ sprechen, das waren teuer bezahlte „Kranktage“ – nein, danke nie wieder!
    Ich liebe Kreuzfahrten, weil es der schöne Mix ist zwischen Erholung und Erlebnis. Ich möchte in meinem Urlaub etwas sehen und erleben – also kreuzen – und nach den Landgängen mich erholen. Deswegen sind wir am liebsten alleine an Land (was ungemein entspannend ist), hasten nicht von einem Highlight zum nächsten, sondern lassen uns immer genügend Zeit, um den Rest des Tages an Bord zu relaxen.
    Mir wird es an den Seetagen recht schnell zu eng, insbesondere die „deutsche Krankheit“ früh morgens schon mehrere Liegestühle mit seinem Handtuch zu belegen oder das ca. 1 Stunde vorher Einnehmen von Plätzen, damit man zur Kaffeezeit nur ja nicht zu kurz kommt – leider meine Erfahrung insbesondere auf Schiffen mit höherem Durchschnittsalter – trägt nicht zu meiner „Entspannung“ bei.
    Für mich bitte die „goldene Mitte“ – eine gute Mischung zwischen Seetagen und Landgängen.
    So suche ich mir die Reisen auch aus und komme erfüllt und erholt nach Hause.

  9. … ja, ja das Wetter.
    Ich denke in einigen Jahren schaffen es die Reiseveranstalter in den Buchungsseiten Ankreuzfelder für das Wunschwetter einzubauen. Das sollte dann aber auch korrekt funktionieren.

    Verträumte Grüße
    Bernd

    P.S. Ich vermisse das leise Plätschern der Bugwelle von der Artania

    1. Reisen mit Geld-zurück-Garantie bei so und so viel Regentagen gibt es tatsächlich schon;-)
      Bei Kreuzfahrten habe ich es allerdings noch nicht gesehen. Wer hat nicht gerne schönes Wetter im Urlaub, aber im Gegensatz zum festen Boden unter den Füßen spielt doch gerade auf Kreuzfahrten das Wetter und den damit verbundenen Auswirkungen eine große Rolle, damit meine ich nicht den Regen auf Landgängen, sondern mehrere Tage bei hohem Wellengang, für mich noch viel schlimmer bei Dünung, Geschirr auf dem Fußboden, Anbinden des Klaviers, ein Vorwärtsbewegen nur mit dem Festhalten beider Hände am Geländer, gesperrten Außendecks, hochgradiger Übelkeit gepaart mit dem Wunsch über die Reling zu springen, damit es endlich aufhört, Schwindel, Diät mit Zwieback und Kamillentee anstatt Captains Dinner und weitere entgangene Lebensfreuden – ich habe es zweimal erlebt, das genügt für den Rest meines Lebens. Ich suche mir heutzutage die Routen, die Jahreszeit und die Häufigkeit der Seetage ganz genau aus. Als Rentner bin ich in der komfortablen Lage, ausgeruht an Bord zu gehen, ich brauche weniger Entspannung, sondern mehr Erlebnisse (natürlich ohne tagelange Seekrankheit;-) und Sehenswürdigkeiten. Aber Neptun kennt die Menschen und bietet halt mal für jeden etwas. Ich gehöre zu den „Leichtmatrosen“ und nicht zu den waschechten Seebären;-)

  10. … ja, ja das Wetter.
    Ich denke in einigen Jahren schaffen es die Reiseveranstalter in den Buchungsseiten Ankreuzfelder für das Wunschwetter einzubauen. Das sollte dann aber auch korrekt funktionieren.

    Verträumte Grüße
    Bernd

    P.S. Ich vermisse das leise Plätschern der Bugwelle von der Artania

  11. Hallo zusammen.
    Ich kann leider nicht mitreden da ich noch nie eine längere Tour machen könnte. Ist nicht ganz günstig.
    Aber so Seetage währen echt pure Entspannung und Erholung für mich. Das andere ist schön neue Länder zu sehen aber es ist auch immer mit Streß verbunden. Schließlich möchte man sehr viel sehen aber auch auf keinen Fall alleine an Land zurück bleiben oder Stramm vor dem Kapitän stehen und erklären warum man zu spät kommt

    1. Hallo Christian,

      wir sind schon einige Male über den Atlantik gefahren. Die schönsten Touren waren die, mit den Segelschiffen Royal Clipper und Star Flyer. Im Herbst von Gran Canaria nach Barbados. 15 Tage nur auf See und viele Tage nur unter Segeln. Das ist Entspannung pur, mein Mann hat einen Sextant dabei und ich Bücher. Jeden Tag auf der Brücke vorbei schauen, vielleicht sogar das große Schiff selbst steuern, auf den Mast klettern, sich mit den Offizieren unterhalten, den Seeleuten bei der Arbeit zusehen, fliegende Fische sehen.
      Morgens vor Sonnenaufgang an der Reling stehen und die Sonne begrüßen, dann bis zum Frühstück nochmal in die Koje. Es ist keinen Tag langweilig. Frag doch mal den Staffkapitän Andreas.
      Das nächste crossing wird bald gebucht. Jeder der gerne segelt, sollte das mal ausprobieren.
      Ahoi auf die Artania.

  12. Hallo Christian,

    wir sind schon einige Male über den Atlantik gefahren. Die schönsten Touren waren die, mit den Segelschiffen Royal Clipper und Star Flyer. Im Herbst von Gran Canaria nach Barbados. 15 Tage nur auf See und viele Tage nur unter Segeln. Das ist Entspannung pur, mein Mann hat einen Sextant dabei und ich Bücher. Jeden Tag auf der Brücke vorbei schauen, vielleicht sogar das große Schiff selbst steuern, auf den Mast klettern, sich mit den Offizieren unterhalten, den Seeleuten bei der Arbeit zusehen, fliegende Fische sehen.
    Morgens vor Sonnenaufgang an der Reling stehen und die Sonne begrüßen, dann bis zum Frühstück nochmal in die Koje. Es ist keinen Tag langweilig. Frag doch mal den Staffkapitän Andreas.
    Das nächste crossing wird bald gebucht. Jeder der gerne segelt, sollte das mal ausprobieren.
    Ahoi auf die Artania.
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  13. Hallo Zusammen,

    wir haben schon einige TA gemacht und als berufstätige lieben wir es! Ich kann allerdings verstehen, dass es für Andere vielleicht nichts ist. 2012 haben wir auch eine Transpazifik gemacht. Wir fanden es toll aber für einige MItreisende war es eine Herausforderung.

    Grüße,
    Astrid

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